Die webbeat-Rubrik "Wissenschaft" meldet: |
Wissenschaft: MESSENGER - Neue Erkenntnisse über Merkur
Nach dem Merkurvorbeiflug in 200 km Höhe am 14. Januar 2008 liegen jetzt die ersten Auswertungen und Ergebnisse vor. So waren Vulkane an der Bildung der Oberflächenstrukturen beteiligt, Merkurs Magnetfeld wird weiterhin aktiv im Kern erzeugt und in der chemischen Zusammensetzung von Oberfläche und Atmosphäre wurden Spuren von Wasser gefunden.

Mosaikaufnahmen von Merkurs Krateroberfläche
Vulkanismus
Über den Ursprung von Merkurs ausgedehnten flachen Ebenen gab es lange Zeit kontroverse Diskussionen. Aus ihrer Ähnlichkeit zu den mit erstarrter Lava gefüllten Becken des Mondes schloss man auf Meteoriteneinschläge und das dabei ausgeworfene Material als Entstehungsursache. Gleichzeitig wurde aber diskutiert, dass vulkanische Aktivität die Quelle sein könnte, wobei aber keine Vulkane selbst entdeckt werden konnten. Die Aufnahmen von Mariner 10 konnten die Kontroverse nicht lösen, da ihre Qualität nicht ausreichte.
Aus den aktuellen Beobachtungen von Merkur wurden neben hoch aufgelösten Bildern Daten über Reflexionseigenschaften, Farbvariationen, chemische Zusammensetzung und Höhenprofile gewonnen. Dabei wurden an den Grenzen das Caloris-Beckens (eines der jüngsten und größten Einschlagsbecken im Sonnensystem) Spuren für vulkanische Formationen gefunden. Demnach wurde das Becken durch einen schweren Einschlag gebildet. Anschließend füllten Lavaflüsse aus Vulkanen das Becken auf. Dabei vermischte sich das leichte rote Material aus dem Planeteninneren mit dem Auswurfmaterial des Einschlags. Senk- und Hubprozesse durch die mit der Abkühlung verbundene Schrumpfung der Oberfläche erzeugten anschließend die heute sichtbaren Gräben und Grate in der Ebene.

Das Caloris-Becken mit jüngeren Einschlagskatern in seinem Inneren
Magnetfeld
Von Merkurs Magnetfeld wurde seit Mariner 10 angenommen, dass es der Überrest eines frühen Magnetfelds ist, welches durch einen flüssigen Kern erzeugt wurde. Nach dem Erstarren des Kerns sollte das heutige Magnetfeld nur noch durch damals magnetisierte Teile der Kruste erzeugt werden und dabei eine chaotische Anordnung aus kleinen magnetischen Anomalien aufweisen.

Caloris-Becken in verschiedenen Spektralbereichen.
MESSENGERs Vorbeiflug zeigte aber, dass Merkurs Magnetfeld einen ausgeprägten bipolaren Charakter hat und damit auf eine weiterhin aktive Erzeugung im Kern hinweist, ähnlich dem Erdmagnetfeld. Die globale Charakteristik soll beim nächsten Vorbeiflug und v.a. beim Einschwenken in den Orbit ermittelt werden.

Künstlerische Darstellung von MESSENGER bei Merkur
Wasser in Merkurs Exosphäre
MESSENGER nahm auch die ersten Messungen von geladenen Teilchen in Merkurs Exosphäre (ultradünne Atmosphäre) vor. Gefunden wurden u.a. Wasserstoff, Helium, Natrium, Kalium und Kalzium. Erzeugt werden diese freien Teilchen durch die Interaktion des Sonnenwinds mit der Oberfläche, wodurch man so einen ersten Einblick in die Oberflächenzusammensetzung erhalten konnte. Die lokale Charakteristik in der Exosphäre wird durch die Tag-Nacht-Seite, das Magnetfeld und den Sonnenwind bestimmt. Merkur zieht auf seiner sonnenabgewandten Seite einen 40.000 km langen Schweif aus Partiklen mit sich.
Bei diesen Messungen wurde auch die Anwesenheit von Wasser nachgewiesen. Zu seiner Entstehung gibt es drei, sich nicht gegenseitig ausschließende Theorien:
* Wassereis lagert in dauerhaft schattigen Kratern an den Polen, wie es ähnlich auch für den Mond vermutet wird.
* Kometeneinschläge haben Wasser auf die Oberfläche gebracht.
* geladene Teilchen (H+, O-) des Sonnenwinds schlagen auf der Oberfläche ein und reagieren als freie Radikale mit vorhanden Bestandteilen, so dass sich u.a. Wasser bilden kann.
Weiterer Flug
MESSENGER wurde am 3. August 2004 gestartet und wird am 6. Oktober 2008 seinen zweiten Flyby am Merkur durchführen. Am 18. März 2011 soll die Sonde in einen Orbit um den Planeten einschwenken und ihre Primärmission durchführen.
Quelle: raumfahrer.net
Die Meldung wurde am 07.07.2008 13:03 Uhr durch Michael Dingendorf veröffentlicht.
Weitere Nachrichten über Wissenschaft im webBEAT
News direkt in die Mailbox: das e!Scope Magazin.
Unsere Nachrichten als rss-Feed (für Euren Newsreader oder Eure Seite) findet ihr hier
|
|
07.07.08, 14:39 Uhr
|
Mr. Eko
Jesus-Stock-Schwinger, Von-Smokey-Zerschmetterter, leider None-of-the-Oceanic-6 und Fringe-Scientist
registriert seit:
Sep 2006
|
Sehr interessant, das. Mal rein theoretisch(!) angenommen ein bemannter Flug zum Merkur würde unternommen werden, kommt die Frage auf, welche Einwirkungen solche chaotischen magnetischen Anomalien auf den Menschen hätten.
"Am 4. Mai werden wir bei Ihnen sein."
Beitrag geändert von Mr. Eko [07.07.08, 14:41 Uhr]
|
|
|
|
|
07.07.08, 16:13 Uhr
|
Yavin
Dark Lord of the Perv
registriert seit:
Jul 2006
|
@Mr.Eko: Wenn ich das oben richtig verstanden habe, gibt es halt KEINE magnetischen Anomalien.
Chaotische magnetische Anomalien - wirkt das vielleicht so ähnlich wie ein Mikrowellengerät?
EX-TER-MI-NATE! EX-TER-MI-NATE!
Beitrag geändert von Yavin [07.07.08, 20:43 Uhr]
|
|
|
|
|
07.07.08, 17:21 Uhr
|
Mr. Eko
Jesus-Stock-Schwinger, Von-Smokey-Zerschmetterter, leider None-of-the-Oceanic-6 und Fringe-Scientist
registriert seit:
Sep 2006
|
Ah, stimmt. Hab das mit dem "angenommen" überlesen
"Am 4. Mai werden wir bei Ihnen sein."
|
|
|
|
Wir wünschen in Einträgen selbstverständlich keine Beleidigungen, keine Gewaltverherrlichungen, keine politische Propaganda, keine Schimpfworte, keine urhebergeschützten Texte oder Dateien bzw. Links die zu solchen führen. Zudem behält sich SF-Radio.net vor, jederzeit ohne Angabe von Gründen, Einträge ganz oder teilweise zu löschen.
|