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Die webbeat-Rubrik "Urbanelegenden" meldet:


Urbane Legenden XVI:
Triviales


Urbane Legenden
-
Die wöchentliche Kolumne
von SF-Radio.net

Triviales:

Ja, ich beichte - ich habe es getan.
In der Öffentlichkeit.
Im Bus.
Etwas, das viel anstößiger ist als Public Sex: Ich habe einen Heftroman gelesen.

Die Blicke der Leute sprachen Bände: Was liest die denn da? Für sowas gibt die Geld aus?? Warum? Kann die nicht was Anständiges lesen? Schundheftchen, hört man die Oma links neben sich in ihren Damenbart murmeln, sollte man doch lieber Goethes Zauberlehrling oder Fontanes Stechlin in die Hand nehmen. Kein Wunder, daß sie PISA-Studie so schlecht ausfällt! Armes Deutschland, jawoll, in alten Zeiten hätte es das nicht gegeben.

Irgendwie haben diese Heftchen in der Tat immer etwas Verbotenes an sich. Etwas Anrüchiges - im Deutschunterricht würde man sie sicher nicht besprechen.
Aber das reißt mich als großen Fan und Besitzer einer vollständigen ersten Auflage von Maddrax-Ausgaben zu einer rebellischen Gegenfrage hin: Wieso schaut man eigentlich immer auf diese Hefte so herunter? Sie haben so viele Vorteile: Sie sind ein Medium wie Buch, Zeitschrift oder Film, man ist beschäftigt, man bekommt eine Geschichte schwarz auf weiß erzählt, kann sie sammeln und es heißt ja immerhin überall: Lesen bildet. Harry Potter ist ja überhaupt nur deshalb so gut, weil es so viele Kinder wieder zum Lesen bringt. Ja, genau, in Zeiten, in denen Lesefaulheit zunehmend cool ist, sollten eigentlich alle Gebildeten dieser Welt dankbar sein für diese Erfindung namens Heftroman. Wer liest, sitzt immerhin nicht vor dem Fernseher und schaut so einen Blödsinn wie Das Geständnis oder Vera am Mittag. Wenig anstrengend, entführt so ein Heftchen den Leser in eine Welt voller Geschichten, die man heute im Fernsehen als innovativ preist: Professor Zamorra und John Sinclair haben schon Jahrzehnte vor Buffy Summers und Angel, dem Vampir mit der Seele die Dämonen das Fürchten gelehrt, Perry Rhodan brauste schon lange vor Captain Kirk und Dath Vader im Weltall herum und sorgte für galaktische Ordnung und gegen gegen den erfahrenen Jerry Cotton wirkt Jack Bauer doch immer recht hektisch.

So gesehen ist es eine wirkliche Schande, dass Heftromane immer noch um ihre Leserschaft und damit ums Überleben kämpfen müssen. Ich gebe zu, die Konkurrenz ist hart: Fernsehserien werden immer aktueller und es ist einfacher, sich eine komplette Welt auf dem Bildschirm zeigen zu lassen, statt sie sich selbst vorstellen zu müssen. Und selbst auf dem Handy unterwegs soll man sie sich demnächst ansehen können, die neueste Folge der eigenen Lieblingsserie.
Also dann doch lieber ein Heft. Irgendwie kommt das im Bus dann doch noch etwas cooler, als wie hypnotisiert auf sein winziges Handydisplay zu starren...

Text: Susanne Picard

Die Meldung wurde am 28.05.2006 21:24 Uhr durch veröffentlicht.





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    Kommentare zu dieser Meldung
    28.05.06, 21:44 Uhr
    StefanB
    unregistriert


    Hi!

    lol.. ich kann jetzt sicher nicht für die allgemeinheit sprechen.. aber .. warum ich auf diese heftromane runter schaue? weil 90% davon wirklich schund ist.. billig.. schlecht geschrieben.. plump.. sind nur einige stichwörter, die mir zu dem thema einfallen..

    da lese ich lieber "richtige" bücher.. und damit meine ich nicht literarische werke.. sondern einfach "normale" bücher.. lol

    cu
    Stefan
    28.05.06, 22:42 Uhr
    Saftwürstel
    unregistriert


    Hmmm... lag es an den Schundheftchen an sich oder an der Art der Schundheftchen, dass z.B. die Oma wie ein Buch geschaut hat? Dieselbe Oma würde vielleicht auch Rosamunde Pilcher in Heftform konsumieren, würde es in dieser angeboten werden (ganz zu schweigen von den ganzen Alm- und Arztschmachtern, die ja tatsächlich in "Schund"heftform feil geboten werden), während Opa vielleicht im Landser (der fehlte in der Aufzählung) schmökert?

    Nicht zu vergessen wären da noch einer der bekannstesten deutschen Autoren und seine ebenfalls sehr bekannten Geschichten und Charaktere: Karl May.
    Was dieser Mann in beindruckender Quantität geschaffen hat, gehört ja auch zur Trivialliteratur und wurde neben Buchform auch in Fortsetzungsgeschichten (nun mal frei als Quasivorläufer der heutigen Hefte angesehen) vertrieben.
    Wieviele Omas, Opa, Mamas and the Papas (Sorry, DER ist platt) halten das für Literatur? Mensch, zumindest ich bin mir mit elf von Winnetou manchmal so verarscht vorgekommen, dass ich zu den totalen Spinnereien des Perry Rhodan gekommen bin. Wenn schon bekloppt, dann richtig!!! ;-)
    (Ein Mensch, der 120+ Sprachen u. Dialekte spricht, plus Ingenieursausbildung, Dampfhammerschlag, Bärenkräfte, Super-
    Duper-Indianerscouts-sind-ein-Dreck-gegen-mich-
    Spurenlesefähigkeiten: wenn das nicht auch Science Fiction ist!)

    Apropos Oma: Früher hat mir meine Perry-Rhodan-Hefte vom Kiosk mitgebracht. Einmal wurde sie vom Verkäufer gefragt, ob sie denn "sowas wirklich lesen" würde. Sie stellte das zwar richtig, jedoch erinnern solche Sachen an die Geschichte von dem Vater, der 'ne Kreditkartenrechnung reklamiert, weil da "der Sohn" Pornos konsumiert hat, und dann kommt doch heraus bzw. ist von vorherein klar, dass es doch der Papa war. ;-)
    28.05.06, 23:05 Uhr
    Michael
    unregistriert


    @Saftwürstel: Dann scheinst du ja der richtige zu sein für SF-radio.net.

    Wir suchen momentan noch jemanden für die Perry-Rhodan Hörspiele.

    Wär toll wenn du mitmachen könntest.

    Gruß

    Michael
    28.05.06, 23:11 Uhr
    Nyarla
    unregistriert


    Also ich hab zu meiner Schulzeit ein Referat über Perry Rhodan gehalten und hab darin festgestellt, dass Perry Rhodan nicht mehr die Merkmale von Trivialliteratur hat.

    Hängt aber wie immer stark am Lehrer ab, ob der sowas zulässt. Vielleicht liegt PISA ja auch an den Lehrern oder Bildungsministern ;-)
    29.05.06, 00:04 Uhr
    Anubiz
    unregistriert


    jau, endlich mal jemand, der sich dazu bekennt!

    @StefanB:
    dann solltest du mal nen gescheites lesen

    Maddrax, Zamorra, Sternenfaust. (sinclair hatte seine besseren zeiten allerdings in einem anderen jahrtausend)
    ham meist mehr inhalt als ein »echtes« Buch.
    Dazu steh ich auf Serien, sowohl im TV als auch in Leseform.
    Und auch ein Hohlbein hat sich mit Romanheften seine ersten Sporen verdient!

    Naja, ich les 20+ Hefte im Monat, und im Zug bin ich es, der andere belächelt - wenn sie z.B. in ihre BILD vertieft sind ...
    29.05.06, 00:28 Uhr
    Grinch
    unregistriert


    Ich habe gerne die Seewolf romane gelesen, besitze sie sogar noch. Ist zwar keine Science abder dafür Fiction...
    29.05.06, 02:39 Uhr
    Ron
    unregistriert


    Ich habe noch nicht einn Heftroman gelesen, der aufgrund seiner literarischen Mängel nicht unfreiwillig komisch auf mich wirkte. Das schlimmste sind immer die Dialoge. Und ich bin wirklich kein anspruchsvoller Leser, mehr so der Heyne Paperback Typ. Aber dieser Stoff, nee... habe bisher jedoch nur die ganzen Bastei-Sachen ausgecheckt, wenn Perry Rhodan also wirklich soviel besser sein sollte - Asche auf mein Haupt.
    29.05.06, 02:41 Uhr
    Ron
    unregistriert


    PS Aussagekräftig finde ich in diesem Zusammenhang, dass die meisten der Heft-Autoren selbst nur wenig Respekt vor ihren Werken haben. (Man achte auf den Pseudonym-Zwang.)
    29.05.06, 03:21 Uhr
    hfb
    unregistriert


    Wie sonst überall auch gibt es beim Heftroman
    sagen wir mal anspruchsvollere und weniger anspruchsvolle Ware. Auch ein Buch kann billiger Schund sein, auch ein Heftroman literarisch wertvoll.
    Wenn ein Perry Rhodan über 2000 Hefte lang eine durchgehende Story erzählt, sprengt das sogar den Rahmen jedes Buches, und die Ideen und Motive bei den
    Terranauten z.B. waren sicher nicht trivial.
    Letzlich soll ein Heftroman unterhalten, auf mehr oder
    weniger leichtem Niveau, und das ist legitim.

    @Ron: Gilt längst nicht für alle Heftserien...
    29.05.06, 08:49 Uhr
    Anubiz
    unregistriert


    jo, wollts grad sagen
    es steht nem Autor frei, unter was für nem Namen er schreiben will - ausnahmen gibts natürlich, wie Jerry Cotton, wo gar keine autornamen auftauchen.

    grauslige dialoge kenn ich nur von john sinclair her

    und erst vor 1,5 Jahren ist ne SF Serie gescheitert, weil sie für den deutschen Durchschnittstrottel zu komplex und verschachtelt war - genau wie fast jede anspruchsvolle US-Serie hierzulande floppt. (daher klappt das bei rtl auch so gut mit CSI, weil es zwar gut, aber nich komplex is )
    29.05.06, 09:38 Uhr
    Modern
    unregistriert


    Ich liebe diese Heftchen, zusammenrollen ab in die hintere Hosentasche und für Kurzweil in Bus und Bahn ist gesorgt. Wer sich über die Dinger aufregt ist in meinen Augen selber Schuld, aber "anspruchsvolle" Literatur kann ich in den öffentl. Verkehrsmitteln eh nicht lesen und darauf mir die Tropfnasen von gegenüber stundenlang anzuschauen steh ich auch nicht -Ergo: ES LEBE PERRY RHODAN, MADDRAX und Kollegen !

    (Nur bitte erspart mir Hohlbein in jeglicher Form, den der [und seine div. Ghostis] hat das Wort Trivial zu neuen Ufern geführt.)
    29.05.06, 11:06 Uhr
    Anuibz
    unregistriert


    ARG, möge Christofluu dich treffen!!
    ein armes heft zusammenzurollen!
    29.05.06, 11:09 Uhr
    anakyn
    unregistriert


    ich lese diese heftserien auch nicht. wenn ich überhaupt mal bus oder bahn fahre, oder sonst irgendwo warten muss habe ich auch immer ein buch dabei. auch so kategorie heyne taschenbuch.

    die lektüre dieser heftserien in der öffentlichkeit scheint ja ähnlich beliebt zu sein wie gameboy-/PSP-zocken oder mangas zu lesen. (letzteres habe ich sogar mal versucht. ist nicht so gut angekommen, glaube ich *G*)
    29.05.06, 16:55 Uhr
    Modern
    unregistriert


    @Anubiz: Ich bügel es dann ja auch hinterher nachdem ich es versehentlich mitgewaschen habe. :-D
    29.05.06, 22:16 Uhr
    Fabylon 5
    unregistriert


    "Weltliteratur" (wie man es gerne nennt) wie Oliver Twist kam auch in Heftform heraus. Gut, hab's in englisch trotzdem gehasst, weil man dem Buch diese Cliffhangerstruktur doch sehr anmerkt, aber was soll's. Man bringt ja gerne ein Gegenbeispiel.
    30.05.06, 04:28 Uhr
    Prospero
    unregistriert


    Manueller Trackback:
    [...]Susanne Picard vom SF-Radio-Team, die momentan wenig Radiosendungen machen wie mir scheint, outet sich als Heftroman-Leserin und fragt, warum man immer noch auf diese Art der Publikation abfällig herabschaut.[...]
    http://www.ngc6544.de/eintrag/plaedoyer-fuer-heftromane/
    31.05.06, 23:14 Uhr
    Marc
    unregistriert


    JA, auch ich bin ein Heftromanleser!!!

    Werft nur den ersten Literaturstein, ich wehre mich mit bunten Titelseiten.
    Denn mit den Augen kommt die Jugend zu Buch.

    Ad astra Marc
    http://helgas-galaktische-funkbude.blogspot.com/
    http://scifi-dinner-kiel.blogspot.com/
    28.10.11, 10:15 Uhr
    WZ
    unregistriert


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    WZ
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