Die webbeat-Rubrik "Reallife" meldet: |
|
26.04.08, 14:05 Uhr
|
Plazitus
Benutzer
registriert seit:
Jul 2006
|
Auf der anderen Seite kenne ich nicht, aber Kirschblüten hat allen Preis auf jeden Fall verdient. Allein schon im Zuge des deutsch-japanischen Verständnisses hat dieser Film alle Ehrungen verdient. 
Die Welle, nun ja, zweifellos ein psychologisch anspruchsvolles Sittengemälde. Allerdings geht doch die Botschaft des Films ziemlich verloren. Der dargestellte Tim zum Beispiel hat in diesem neu gegründeten Zusammenhalt zum ersten Mal Einigkeit und Freundschaft erfahren. Durch das brachiale Ende des Films wird dieser Aspekt jedoch völlig korrumpiert. Man sah ja zur Genüge, dass er von Mitschülern und diesen herutergekommenen Streunern vorher ausgenutzt und verspottet wurde. Durch die Welle aber erfuhr er endlich Freundschaft und Zusammenhalt. Da unsere Gesellschaft viele solche Außenseiter kennt, wäre ein solches Programm gar nicht zu verachten.
Nur mal als Beispiel, was auch der Film so artikulierte: Durch den täglichen Wettkampf, wer am besten gekleidet ist, wird jeden Tag unnötig viel Energie verschwendet, außerdem erzeugt dieser Klassenkampf Neid und natürlich Stolz. Dem könnte man entgegenwirken, indem man einfach wieder Schuluniformen einführt. Die Energien der Schüler und Studenten würden so viel mehr in Kreativität und Gemeinsinn fließen können. Ein Angleichnis der Jugend würde mit dieser sinnlosen Rivalität unter den einzelnen Gruppierungen endlich aufräumen.
|
|
|
|
|
26.04.08, 14:29 Uhr
|
Jeanette
unregistriert
|
@ Plazitus: Ehm... die Aussage von "Die Welle" ist aber eigentlich, dass radikale Ideologien oder Diktaturen mit dieser "Alle sind gleich"-Methode nur den Boden bereiten für späteres. Dann nämlich gibt es neue "Ungleiche", alle, die nicht der "Welle" angehören, und die man dann auch verspotten und ausgrenzen darf. Es gibt also neue "Tims", auf die sich der eigene Zorn (nun durch die "Welle" gerechtfertigt) richten darf. Ja, Tim hat in der "Welle" Kameradschaft erfahren, aber nur, indem auch er schließlich auf andere herabblicken konnte und sich als "was besseres" fühlte. Das hat mit dem Abschaffen der sinnlosen Rivalität wenig zu tun. Im Gegenteil, es wird nur eine Rivalität durch eine andere ersetzt. Tim hat das Glück, in dieser neuen Rivalität auf der "richtigen Seite" zu stehen. Was ist mit jenen, die nicht so viel Glück haben?
|
|
|
|
|
26.04.08, 14:57 Uhr
|
SwGott
unregistriert
|
Der Film "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin, hat verdient soviel Auszeichungen bekommen, dass ist für mich der mit abstand beste Deutsche Film seit langem, wer ihn noch nicht kennt sollte spätestens jetzt blind links zugreifen. Es lohnt sich wirklich, nicht nur allein wegen den Kulturellen unterschieden die Fatih Akin so brillant in Szene gesetzt hat, zwischen der Türkei und Deutschland, sondern einfach nur um die Welt wieder ein kleines bisschen besser Verstehen zu lernen.
@Plazitus Für viele Mädchen ist die Straße eben ein Laufsteg, viele Jugendliche Profilieren sich durch ihr Auftreten, durch ihren äußerlichen Anschein. Hier entscheidet sich nämlich, wer cool ist und wer nicht, wer hart ist und wer "emo", wer in ist und wer peinlich. Die Jugendlichen entschlüsseln Kleider wie Codes, sie glauben an den Turnschuhen zu erkennen, was für Musik jemand hört, an der Handtasche, womit er seine Freizeit verbringt - nichts ist so wichtig wie das richtige Outfit. Paris und Mailand existieren nicht in dieser Modewelt; die Trends, die die meisten Jugendlichen kopieren, stammen nicht aus Frauenzeitschriften oder von Designern. Sie stammen aus Musikvideos von Sido und Bushido, von Rihanna und LaFee, von den Billigketten im Einkaufszentrum. Im Unterricht holen die Mädchen gern ihr Haarspray aus der Handtasche und ihren Puder, reden über Jungs und lästern über Mädchen. Am Nachmittag chatten sie auf Internet-Seiten wie Jappy und MSN, gehen zusammen in den Jugendclub um die Ecke zum Kickern und zum Tanzen. Meistens aber tun sie eines: Sie machen sich schön. Weil das eben so ist mit 13-18, weil einem dann die Typen mit den Baseballcaps und den dicken Silberketten hinterher- schauen. Vielleicht auch, weil man nichts Besseres vorhat in diesem Alter, oder eben weil man mit schlechten Klamotten für asozial gehalten wird. Dann wird man einfach fertig gemacht. Es ist nicht leicht, immer mitzuhalten. Der Mechanismus, durch den Jugendliche zum Außenseiter werden, funktioniert einfach und schnell: Wer kein Geld hat, kann keine angesagten Kleider kaufen, wer keine angesagten Kleider kaufen kann, wird als asozial bezeichnet. Und wer asozial ist, gilt als Freiwild in der Schule, wird gemobbt und verspottet. Der Druck ist enorm. Wie Besucher einer Pariser Modenschau sitzen die Cliquen an Bahnhöfen, Discotheken und vielen anderen Plätzen wo große Menschenmengen anzutreffen sind, sitzen in ihren Marken Klamotten da und begutachten ihren Laufsteg. Kommentare wie:“Guck mal, wie sieht der denn aus, so kann man doch nicht rumlaufen, aber der da hat ne super Jacke“ gehören zum Alltag. Sie lachen viel und laut. Und wie immer teilen sie ihre Welt in cool und uncool, in hart und emo, in bombe und in asozial auf. Sie sind schließlich Jung, da macht man das so. Deshalb sollte man nicht etwa in der Schule ansetzen sondern viel weiter oben, um auch wirklich Erfolge ein zu fahren.
|
|
|
|
|
26.04.08, 15:51 Uhr
|
Plazitus
Benutzer
registriert seit:
Jul 2006
|
Zitat: Zitat von Jeanette
Tim hat das Glück, in dieser neuen Rivalität auf der "richtigen Seite" zu stehen. Was ist mit jenen, die nicht so viel Glück haben?
Jeder ist seines Glückes Schmied. SwGott hat ausfürhlich aufgeschrieben, was Schüler und Heranwachsende bewegt und aus welchen Motiven sie handeln. Ich kann das nur bestätigen. Und gerade deshalb wäre einträchtige Kleidung der wahrscheinlich beste und nützlichste Schritt weg von diesen jämmerlichen und eigentlich total lächerlichen modischen Ausflügen, die 13-18 (20?)jährige durchmachen. Und wie SwGott auch schrieb, sie haben ja gar keine andere Wahl, als sich diesem Zwang zu beugen, um akzeptiert zu werden. Eine vereinheitlichung der Kleider würde da nicht nur bestehende Barrieren einreißen, sondern auch die Zwänge beseitigen und junge Menschen die Gelegenheit geben, ihre Kreativität und ihre Energie in nützlichere Bahnen zu lenken.
Und nochmal dazu:
Zitat: Was ist mit jenen, die nicht so viel Glück haben? Die Gemeinschaft schließt niemanden aus. Alle Tims dieser Welt wären willkommen und würden in Eintracht aufgenommen.  Wie gesagt, das Ende des Films hat die Aussage verfremdet, aber Fakt bleibt, dass innerhalb dieser Gemeinschaft niemand ausgeschlossen, benachteiligt oder verspottet wurde. Es herrschte Eintracht.
|
|
|
|
|
26.04.08, 16:07 Uhr
|
hisdudeness
Benutzer/in
registriert seit:
Mai 2007
|
Lieber Plazitus, das Ende von "Die Welle" korrumpiert nicht was vorher geschehen ist, sondern enthüllt erst die Gründe, die hinter z.B. der Einheitskleidung stehen: Uniformierte Menschen, uniformierte Gedanken, Abgrenzung von anderen. In der Tat ist jeder seines Glückes Schmied, in diesem Fall würde "Glück" aber Totalitarismus heißen.
|
|
|
|
|
26.04.08, 18:50 Uhr
|
Fate2k4
unregistriert
|
SwGott ma nich Spiegel online ihr copyright klauen das gibt ärger in der heutigen Medienwelt.
s.a Abmahnanwälte^^
|
|
|
|
|
26.04.08, 18:51 Uhr
|
Plazitus
Benutzer
registriert seit:
Jul 2006
|
Nun ja, der Film hinterlässt natürlich Interpretationsspielraum. Aufgrund des drastischen Endes, wird nachträglich noch viel ins Schlechte verkehrt. Aber so muss es ja nicht kommen.
|
|
|
|
|
27.04.08, 05:02 Uhr
|
hisdudeness
Benutzer/in
registriert seit:
Mai 2007
|
So viel Interpretationsspielraum nun auch nicht!
|
|
|
|
|
27.04.08, 12:02 Uhr
|
Plazitus
Benutzer
registriert seit:
Jul 2006
|
Ich kann mich nur wiederholen.
Zitat: Zitat von Plazitus Die Gemeinschaft schließt niemanden aus. Alle Tims dieser Welt wären willkommen und würden in Eintracht aufgenommen. Wie gesagt, das Ende des Films hat die Aussage verfremdet, aber Fakt bleibt, dass innerhalb dieser Gemeinschaft niemand ausgeschlossen, benachteiligt oder verspottet wurde. Es herrschte Eintracht. Man hat ja deutlich gesehen, dass man sich plötzlich gegen dieses widerwärtige Drecksgesindel zu behaupten wusste, die unter Brückenführungen lauern und mit Frabeimern werfen. Es wird immer rivalisierende Gruppen von jungen Leuten geben. Lächerlich aber es ist so. Wobei bei diesen Herumlungerern auch ein paar ältere Zurückgebliebene dabei waren  Durch Schuluniformen würde man alle auf dieselbe Stufe stellen. Daraus folgt: Eintracht und Gemeinschaftsdenken. Energien, die vorher an Schminke und richtige Klamottur verschwendet wurden, könnten in kreative und gemeinnützige Bahnen glenkt werden.
|
|
|
|
|
27.04.08, 13:39 Uhr
|
hisdudeness
Benutzer/in
registriert seit:
Mai 2007
|
Zitat: Zitat von Plazitus
Durch Schuluniformen würde man alle auf dieselbe Stufe stellen. Daraus folgt: Eintracht und Gemeinschaftsdenken. Energien, die vorher an Schminke und richtige Klamottur verschwendet wurden, könnten in kreative und gemeinnützige Bahnen glenkt werden.
Das ist leider ein Fehlschluss. Gerade in Großbritannien, wo die überwiegende Zahl der Schüler Uniformen trägt, erreicht die Gewalt unter Jugendlichen einen traurigen Rekord in Europa.
|
|
|
|
|
27.04.08, 18:22 Uhr
|
fabelbish
wasserfeste metathese
registriert seit:
Jul 2006
|
Zitat: Zitat von Plazitus
Durch Schuluniformen würde man alle auf dieselbe Stufe stellen. Daraus folgt: Eintracht und Gemeinschaftsdenken. Energien, die vorher an Schminke und richtige Klamottur verschwendet wurden, könnten in kreative und gemeinnützige Bahnen glenkt werden.
Herr, wirf Hirn vom Himmel.... http://de.wikipedia.org/wiki/The_Third_Wave und wer des englischen mächtig ist http://www.vaniercollege.qc.ca/Auxiliary/Psychology/Frank/Thirdwave.html
"keine Riederwede, es wird gegessen, was auf den MetatheTisch kommt!"
Beitrag geändert von fabelbish [27.04.08, 18:26 Uhr]
|
|
|
|
|
28.04.08, 16:42 Uhr
|
Modern
Offizieller erster Gesandter der Dämonsion Perv und staatlich geprüfter (IHK) Wiedergänger
registriert seit:
Jul 2006
|
@Plazitus: Die Welle beruht auf einer wahren Geschichte und somit lautet die Botschaft in erster Linie wie anfällig unsere Gesellschaft ist, denn genau dieser Beweis wurde angetreten. Deine Reaktionen klingen als ob auch Du eine gewisse Anfälligkeit auf diese Art der Manipulation hättest - nicht das Ende war brutal (ausser im Sinne das die Wahrheit manchmal weh tut), sondern alles davor. Nenn Tims "Einigkeit und Freundschaft" beim Namen: Kameradschaft, so wie auch in der SS und bei den Reichsjugendorganisationen ...
@fabelfish: danke, dass Du noch mal drauf hingewiesen hast, dass wir hier von keiner Fiktion reden.
"Don't talk to strangers 'cause they're only there to do you harm
Don't write in starlight 'cause the words may come out real
Don't hide in doorways you may find the key that opens up your soul
Don't go to heaven 'cause it's really only hell"
R.J. Dio
|
|
|
|
|
28.04.08, 17:31 Uhr
|
Plazitus
Benutzer
registriert seit:
Jul 2006
|
Man kann sich alles hindrehen.
|
|
|
|
|
28.04.08, 18:44 Uhr
|
hisdudeness
Benutzer/in
registriert seit:
Mai 2007
|
Man kann sich auch aus allem rausreden ...
|
|
|
|
|
28.04.08, 22:24 Uhr
|
Plazitus
Benutzer
registriert seit:
Jul 2006
|
Was soll das denn jetzt! Ich habe hier nur ein paar Fakten und einen persönlichen Gedanken geäußert! Ich habe es nicht nötig, mich irgendwo rauzureden. Unterstellungen sind immer die mieseste Form der Artikulation.
Beitrag geändert von Plazitus [28.04.08, 22:34 Uhr]
|
|
|
|
|
28.04.08, 23:56 Uhr
|
Jim Profit
Oh, I spent years living in a box.
registriert seit:
Okt 2006
|
Leute, ich bin beeindruckt, was für eine sachliche und fundierte Diskussion Ihr hier über "Die Welle" führt. Richtig wohltuend nach einer unterirdischen Diskussion über Musik, die ich gerade im heise-Forum gelesen habe.
@Plazitus und hisdudeness: Ich habe nicht den Eindruck, daß sich hier jemand etwas "hingedreht" oder sich aus etwas "rausgeredet" hat. Vielmehr ist die Welt nun mal nicht schwarz-weiß, dadurch gibt es so spannende Diskussionen wie hier.
When a crisis hits, the key is, never be afraid to improvise.
|
|
|
|
|
29.04.08, 09:32 Uhr
|
Modern
Offizieller erster Gesandter der Dämonsion Perv und staatlich geprüfter (IHK) Wiedergänger
registriert seit:
Jul 2006
|
Zitat: Zitat von Plazitus
Was soll das denn jetzt! Ich habe hier nur ein paar Fakten und einen persönlichen Gedanken geäußert! Ich habe es nicht nötig, mich irgendwo rauzureden. Unterstellungen sind immer die mieseste Form der Artikulation.
Und ich habe nur festgestellt, dass Du offensichtlich den Film nicht verstanden hast...
"Don't talk to strangers 'cause they're only there to do you harm
Don't write in starlight 'cause the words may come out real
Don't hide in doorways you may find the key that opens up your soul
Don't go to heaven 'cause it's really only hell"
R.J. Dio
|
|
|
|
|
29.04.08, 11:30 Uhr
|
Plazitus
Benutzer
registriert seit:
Jul 2006
|
Falsch! Du hast nur nicht verstanden, worauf ich hinaus wollte!
Mein Schulzeit ist rein zufällig noch nicht so lange her wie deine, deshalb weiß ich noch sehr gut, was dort passiert. Auch zu meiner Zeit gab es Schüler, die von sogenannten Cliquen und Gangs drangsaliertt wurden. Ein gerechter Zusammenschluss, um dieses selbstherrliche Gewürm mal geschlossen in die Eingeweide zu treten, wäre da für viele äußerst wünschenswert gewesen. Aber das ist nur ein Punkt von vielen, der für eine gewisse Angleichung aller Schüler spricht.
|
|
|
|
|
29.04.08, 12:39 Uhr
|
Modern
Offizieller erster Gesandter der Dämonsion Perv und staatlich geprüfter (IHK) Wiedergänger
registriert seit:
Jul 2006
|
Zitat: Zitat von Plazitus Ein gerechter Zusammenschluss, um dieses selbstherrliche Gewürm mal geschlossen in die Eingeweide zu treten, wäre da für viele äußerst wünschenswert gewesen.
Bei solchen Aussagen kriege ich echt Angst, denn ähnliche Sprüche hört man leider auch von den Jungs mit Springerstiefeln und Bomberjacken...
"Don't talk to strangers 'cause they're only there to do you harm
Don't write in starlight 'cause the words may come out real
Don't hide in doorways you may find the key that opens up your soul
Don't go to heaven 'cause it's really only hell"
R.J. Dio
|
|
|
|
Wir wünschen in Einträgen selbstverständlich keine Beleidigungen, keine Gewaltverherrlichungen, keine politische Propaganda, keine Schimpfworte, keine urhebergeschützten Texte oder Dateien bzw. Links die zu solchen führen. Zudem behält sich SF-Radio.net vor, jederzeit ohne Angabe von Gründen, Einträge ganz oder teilweise zu löschen.
|