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Die webbeat-Rubrik "Kino" meldet:


FFF-Kritik: Killer Joe





Chris (Emile Hirsch) hat es nicht leicht im Leben. Seine Familie ist klassischer "Trailer Park Trash", seine Mutter klaut seine Drogen, und er hat 6000 Dollar Schulden bei einem Kredithai. Aber Chris ist nicht blöd (glaubt er). Und so kommt er auf eine Idee, mit der er schlagartig all seine Probleme lösen könnte: Mama umbringen und die Lebensversicherung einkassieren. Sein Vater und seine Stiefmutter finden die Idee super, also heuert Chris einen Detective an, der sich nebenher erfolgreich als Profikiller verdingt: Killer Joe.

Dass das nicht gut gehen kann, ist von Anfang an klar, wie katastrophal dieser Plan scheitert, erschließt sich erst im Verlauf des Films. Ich habe den Trailer im Anschluss an diesen Absatz eingefügt, aber er spoilert derartig, dass man ihn nur sehen sollte, wenn man den Film schon kennt oder kein Interesse hat, ihn zu sehen, was schade wäre. Hier ist er:



Für Filme wie Killer Joe gehe ich auf das Fantasy Filmfest. Ich hatte mir die Karte eigentlich nur geholt, weil ich einen neuen Film von William Friedkin nicht verpassen wollte, aber ich hatte etwas völlig anderes erwartet. Killer Joe ist definitiv kein Film, den man an einem Sonntag Nachmittag mit der ganzen Familie sehen kann, außer man hat eine extrem coole Familie; er ist brutal, verdorben, seltsam und mehr als alles andere absurd.
Der Typ, der neben mir saß, schüttelte den ganzen Film über immer wieder den Kopf, als könne er nicht ganz glauben, was sich da vor ihm abspielte, meinte aber am Ende nur: "Mann, war der geil."

Killer Joe ist phänomenal besetzt. Matthew McConaughey spielt Joe Cooper mit psychopathischer Coolheit, und Friedkin leuchtet seine Augen so aus, dass sie eiskalt wirken. An einem Punkt kommentiert Dottie, Chris' kleine Schwester, das mit den Worten: "Your eyes hurt."

Aufgrund seines Bekanntheitsgrades steht McConaughey natürlich im Vordergrund, aber Thomas Haden Church stiehlt ihm als Ansel, Chris' weder mit materiellen noch geistigen Gütern gesegneter Vater, fast die Show. Im Verlauf des Films wird er immer einsilbiger und als Zuschauer spürt man, dass ihm gerade klar wird, dass jede Entscheidung, die er in seinem Leben getroffen hat, falsch war.

Die Figur, um die sich alles dreht, ist Dottie (Juno Temple). Wir erfahren nicht, wie alt sie ist, an einer Stelle sagt sie nur, sie fühle sich wie zwölf. Das passt auch zu ihrer naiven, kindlichen Unschuld, die Joe so sehr anzieht, dass er eine seiner wichtigsten Regeln bricht. Dottie schlafwandelt, redet mit sich selbst und übt Kung-fu vor dem Fernseher, aber was genau in ihrem Kopf vorgeht, überlässt Friedkin der Einschätzung des Zuschauers.

In den USA bekam Killer Joe eine NC-17-Freigabe und kein R. Schuld daran sind einige Nacktaufnahmen und die wohl krasseste Szene des ganzen Films, in der einem Hähnchenschenkel eine zentrale Rolle zukommt. Diese Sequenz hat bei Zuschauern anscheinend einen so großen Eindruck hinterlassen, dass YouTube, wenn man "Killer Joe" eingibt, direkt unter "Killer Joe Trailer" "Killer Joe Chicken Scene" vorschlägt. Zu recht.

Das bringt uns zur letzten wichtigen Rolle des Films: Sharla (Gina Gershon), Chris' Stiefmutter. Sie ist eine harte Frau mit einer aggressiven Sexualität, die sie wie eine Waffe einsetzt. Wie auch bei allen anderen Figuren erfahren wir nichts über ihren Hintergrund, aber ihr Verhalten verrät uns, wie sie so geworden ist.

Dieser erzählerische Minimalismus ist eine weitere Stärke des Films. Wir brauchen als Zuschauer keine Rückblicke oder Monologe, die uns die Figuren nahe bringen. Wie sie miteinander umgehen und reden, reicht, um sie zu verstehen.

Killer Joe basiert auf einem Theaterstück und das merkt man dem Film vor allem in den letzten fünfzehn Minuten, die nur noch im Trailer spielen, auch an. Das soll jedoch kein Kritikpunkt sein, denn was sich dort bis zu dem perfekt auf den Punkt gebrachten Ende abspielt, ist eine klaustrophobische und fesselnde Tour de Force, die keinen größeren Rahmen braucht.

Wer einen Film abseits aller Klischees sucht, der gelungen ist und dank seines beißenden schwarzen Humors auch noch Spaß macht, wird von Killer Joe nicht enttäuscht werden. Einen deutschen Verleih hat er noch nicht, aber ich nehme an, dass er zumindest auf DVD/BluRay erscheinen wird.

5/5

Quelle:
Die Meldung wurde am 23.08.2012 02:04 Uhr durch Claudia Kern veröffentlicht.






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    31.10.12, 14:19 Uhr
    Susanne Döpke
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    Auntie Em, hate you, hate Texas, took the dog.
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