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Mit dem enormen Erfolg von Romanreihe und TV-Serie begann - dem Gesetz des Marktes entsprechend - ein breitgefächerter Merchandising-Zirkus. Neben toll gestalteten Shirts, Pullis, Figuren, Modellen und Requisitennachbildungen (hot: Das Drachenei als Briefbeschwerer) gibt es auch eine Comicvariante des Liedes von Eis und Feuer, die wir uns mal angesehen haben.
Die Handlung setzt - analog zur Serie - im Norden des Landes nahe Winterfell ein. Nach dem Intro, das vor allem Fantasyfans ansprechen wird, stellt die Graphic Novel das Haus Stark vor, deren Mitglieder sich als zentrale Figuren dieses Bandes herausstellen. Zügig schreitet die Handlung voran. Bald erreicht Eddard Stark die Nachricht vom plötzlichen Tod von König Robert Baratheons Hand, woraufhin der Regent umgehend seinen Besuch in Winterfell ankündigt.
Bereits jetzt ahnt Stark die bevorstehenden Entwicklungen, die ihm den Posten der Hand - ein enger Vertrauter des Königs mit weiterreichenden Weisungsbefugnissen ausgestattet - einbringen, aber auch großen Gefahren aussetzen werden. Denn das Spiel um den eisernen Thron hat gerade erst begonnen und zahlreiche Mitglieder der verschiedenen Familienhäuser streben nach der allumfassenden Macht des Königs.

Die Adaption überzeugt, denn die Übertragung des opulenten Stoffs in eine Graphic Novel gelingt nahezu verlustfrei. Ganz ohne Kürzungen kommt Autor Daniel Abraham, aus dessen Feder bereits die Comicfassung von George R.R. Martins Vampirroman Fiebertraum stammt, nicht aus. Diesen Kürzungen ist es geschuldet, dass manche Handlungsstränge stark gerafft wirken. Keine Frage, dass bei Martins umfangreichem Werk dieser Bearbeitungsschritt für den Comicautoren obligatorisch ist und natürlich großen Einfluss auf das Gelingen des Endproduktes hat.
Erfreulicherweise beweist Abraham ein Gespür für die Windungen und Wirrungen der Geschichte. Er schafft es über die gesamte Länge dieses ersten Bandes, die Story voranzutreiben und die Spannung aufrecht zu erhalten. Vor allem Comiclesern, die bisher weder mit Roman oder Fernsehserie in Kontakt gekommen sind, wird der Einstieg in das intrigante Spiel um den Eisernen Thron schmackhaft gemacht. Kenner der die Materie erwarten keine inhaltlichen Neuigkeiten. Dennoch lohnt sich der Griff ins Comicregal für diejenigen, die sich mit den unterschiedlichen Medien auseinandersetzen möchten und sich für Interpretationen des Vorlagenstoffes interessieren. Obwohl die Comics einen Großteil der Komplexität von Martins Geschichte aufgreifen, blieben die vielen Facetten der Figuren nur wenig ausgeschmückt. Diese Stärke der Serie findet sich nur ansatzweise wieder. Das schadet zwar nicht dem Haupthandlungsstrang, im Vergleich zur Serie weisen die Figuren dadurch allerdings weniger Tiefe auf.
Hier ist erkennbar, wo Abraham den sprichwörtlichen Rotstift ansetzten musste. Er kann auf die Charaktere nicht genauso ausführlich eingehen, wie es in der Fernsehserie und insbesondere in der Romanvorlage möglich ist. In Martins Bestseller-Romanen sind alle Protagonisten sauber charakterisiert, erklärt und in ihren Handlungen nachvollziehbar. Der Comic hingegen konzentriert sich auf die Grundzüge der Handlung. Wohl aus diesem Grund hat Abraham nur eine rudimentäre Vorstellung der Personen für seine Adaption für ausreichend befunden.

Zeichner Tommy Patterson (Farscape) meistert die schwierige Aufgabe der visuellen Gestaltung seiner Panels hervorragend. Seine Darstellung der unterschiedlichen Landschaften und Handlungsorte unterstützt stets die Erzählung und nimmt damit eine wichtige Funktion wahr.
Auch weil er sich beim Figurendesign nur wenig an den Seriendarstellern orientiert und seinen eigenen Stil findet, ist dieser Comic alles andere als ein im Fahrwasser der erfolgreichen Serie produziertes Vehikel. Auf diese Weise gewinnt die Graphic Novel an Eigenständigkeit und hebt sich von den vorhandenen medialen Interpretationen ab. In ihrer expliziten Darstellung in Sachen Gewalt und Freizügigkeit stehen die Zeichnungen den Fernsehbildern in nichts nach. Insgesamt ist die Optik ansprechend und künstlerisch wertig. Zahlreiche aufwändig gezeichnete Panels strotzen nur so von Details . Als Beispiel stechen diverse Szenerien im prächtigen Königsmund oder der kargen Ödnis, in der Daenerys Targaryen zur Khalessi reift, ins Auge.
Colorist Ivan Nunes ergänzt Pattersons Arbeit nahtlos. Seine Art der Farbanwendung sorgt für stimmungsvolle und atmosphärisch ausgeprägte Sequenzen. Daher wirkt die Mischung aus Fantasy-Elementen und "realistischen" Settings glaubhaft, was den Leser schnell anspricht und in die Geschichte hineinzieht. Zu Beginn dieses ersten Game of Thrones Comics findet sich eine Personenübersicht. Die Portraits sorgen dafür, dass der Leser sich unter den zahlreichen Charakteren schnell zurecht findet. Zudem gönnt Panini seiner Ausgabe interessante Extras: Christian Endres' Einführung und biografische Angaben zu Romanautor George R.R. Martin, Comicautor Daniel Abraham und Zeichner Tommy Patterson werden durch eine Covergalerie der einzelnen US-Hefte ergänzt. Zudem wendet sich George R.R. Martin in einem fünfseitigen Vorwort persönlich an seine Leser. Seine Erläuterungen zu dieser grafischen Adaption seines literarischen Lebenswerks sind hochinteressant und runden die Lektüre ab.
Die deutsche Fassung des ersten Bandes ist bei Paninicomics erschienen, das englischsprachige Original kommt von Bantam. Neben der Standardversion (Softcover, 196 Seiten, 19,95 EUR) gibt es eine edle Hardcoveredition mit 240 Seiten zum Preis von 39,95 EUR (großformatig, drei Cover-Varianten mit unterschiedlicher Limitierung, enthält 40 Seiten "Making of" des Comics, mit Skizzen und Kommentaren der Kreativen).
Dieser Premierenband erhält die zwischen September 2011 und Februar 2012 erschienenen ersten sechs Bände der in den USA monatlich veröffentlichten Comichefte, die den größten Teil der ersten Serienstaffel abbilden. Der zweite Comic ist für Juni 2013 angekündigt. Vorher steht die GoT-Vorgeschichte Der Heckenritter (Hard- und Softcover) an, die sich über zwei Bände streckt. Teil 1 ist seit 19. Februar im Handel, am 16. April folgt Teil 2.
Schaut hier in die Online Leseprobe zum ersten Game of Thrones Comic.
Copyright Grafiken Paninicomics
Quelle: SFR - Wir wollen den Eisernen Thron
Die Meldung wurde am 03.03.2013 09:00 Uhr durch Marcus Offermanns veröffentlicht.
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