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Die Enterprise durchdringt eine Energiebarriere am Rand der Galaxie. Der Steuermann Gary Mitchell entwickelt darauf hin übermenschliche Kräfte. Und mit seiner mentalen und körperlichen Kraft wächst auch seine Arroganz, bis er schließlich zu einer Bedrohung für die Crew wird.
Für alle, die mehr wissen möchten, steht eine ausführliche Inhaltsangabe bereit.
von Christian Siegel
"Die Spitze des Eisberges" ist nach "The Cage" bereits der 2. Pilotfilm zur Serie Star Trek - und damit in vielerlei Hinsicht einzigartig. Üblicherweise macht man einen (und zwar wirklich nur EINEN) Pilotfilm, um zu sehen, ob das Konzept funktioniert und das vorgegebene Budget auch wirklich eingehalten werden kann. Wenn der Pilotfilm den Erwartungen der Chefs nicht entspricht, war es das üblicherweise. Nicht so bei Star Trek. Obwohl sie mit "The Cage" durchaus Probleme hatten, sahen die Verantwortlichen von Desilu durchaus Potential - und gaben grünes Licht für einen weiteren Versuch. Dieser musste nun mit vergleichsweise geringem Budget auskommen - um so erstaunlicher, wie gut "Die Spitze des Eisberges" (von Ausrutschern wie dem falschen Bildschirm mal abgesehen) aussieht (zumindest für eine verhältnismäßig billige TV-Produktion der 60er). Vor allem die Effekte sind teilweise wirklich hervorragend gelungen. Insbesondere der Matte Painting-Shot der Dilithium-Minen auf Deneb IV (siehe Bild) hat es mir angetan - hier wurden die Schauspieler (man kann sie ev. rechts in der Mitte beim Eingang noch halbwegs erkennen) wirklich perfekt in den Hintergrund integriert.
Doch nicht nur Ausstattung und Effekte, auch die eigentliche Handlung vermag wirklich zu überzeugen. Die Ausgangssituation ist wirklich interessant - vor allem deshalb, da Kirk in einen moralischen Konflikt gedrängt wird: Soll/Kann er seinen alten Freund Gary Mitchell wirklich einfach so auf einem leblosen Planeten aussetzen? Doch was ist die Alternative? Wirklich sehr dramatisch und durchaus spannend. Etwas aufgesetzt wirkt hingegen der Faustkampf am Ende: Roddenberry & Co. hatten wohl befürchtet, nach dem ebenfalls schon erstaunlich actionarmen "The Cage" bräuchten sie diesmal unbedingt einen ordentlichen Showdown, um die Geldhaie auch wirklich zu überzeugen. Jedenfalls ist es genau dieser Endkampf, der den Eindruck der Folge dann doch ein wenig drückt - nicht nur, weil er zum Rest der Handlung nicht so recht passen will, sondern auch, da die Inszenierung leider zu wünschen übrig lässt - allzu oft merkt man, dass man hier nur William Shatner's Stuntdouble vor sich sieht. Auch wirkt es nicht sonderlich klug von Kirk, sich auf einen Nahkampf einzulassen, wenn doch direkt daneben das Phasergewehr liegt... aber was soll's, angesichts der Qualität der restlichen Folge sind diese wenigen Minuten nun wirklich zu verschmerzen.
Zuletzt muss noch auf den Gaststar dieser Folge eingegangen werden: Gary Lockwood, der nur wenig später als Frank Poole für Stanley Kubrick in 2001 auf eine Odyssee in den Weltraum ging, liefert als langsam dem Größenwahn verfallender Gary Mitchell wirklich eine beeindruckende Performance ab - bei der allerdings auch der Zufall wieder einmal seine Hand im Spiel hatte. So waren Lockwood die silbrigen Kontaktlinsen höchst unangenehm. Vor allem hatte er Probleme damit, durch die kleinen Löcher in den Linsen hindurchzusehen - weshalb er in seinen Szenen meist den Kopf angehoben hat, um quasi darunter vorbeizuschauen. Eben dadurch wird Gary Mitchell in den Szenen nach seiner Verwandlung eine gewisse Arroganz und ein Gefühl der Überlegenheit verliehen - generell wirkt dieser seltsame Blick recht unnatürlich und damit irgendwie beunruhigend... nicht mehr menschlich. Damit steht er deutlich im Kontrast zu Elizabeth Dehner, die auch nach ihrer Verwandlung noch einen relativ normalen Blick beibehält - was wiederum als Symbol dafür dienen kann, dass sie im Gegensatz zu Mitchell ihre Menschlichkeit (noch) nicht verloren hat. In diesem Fall hat also ein eigentlich für alle Beteiligten eher ärgerliches Problem der Darstellung einer Figur geholfen... was jetzt allerdings NICHT heißen soll, dass die Kontaktlinsen die ganze Arbeit für Gary Lockwood erledigt hätten und er eigentlich nur mehr durch die Folge schlafwandeln musste. Sicher war dies ein höchst glücklicher Zufall, doch auch davon abgesehen ist Gary Lockwood hier wirklich eine großartige Arbeit gelungen. Er arbeitet den Kontrast zwischen dem früheren/guten und dem späteren/bösen Mitchell wirklich sehr gut heraus, und lässt seine Verwandlung langsam vor allem zu Beginn eher subtil vonstatten gehen, so dass dem Zuschauer die Veränderung wirklich anschaulich vermittelt wird. Sicher einer der besten Gastauftritte, die "Raumschiff Enterprise" zu bieten hat...
Fazit: "Die Spitze des Eisberges" ist ein wirklich gelungener Einstieg in die Serie - auch wenn man eher in die Handlung geworfen wird und die Figuren erst mit der Zeit kennen lernt. Nichtsdestotrotz (oder gerade deshalb?) gelingt es dem Pilotfilm, ab der ersten Minute zu "faszinieren"...
Bewertung:  |