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Als die Enterprise einem Frachter, welcher von Nausicaanern überfallen wurde, Hilfe bei den Reparaturen anbietet, wird sie vom Ersten Offizier schroff abgewiesen. Was hat die Besatzung zu verbergen?
Das irdische Frachtschiff "Fortunate" ist verschollen. Die Sternenflotte schickt ihr neustes Schiff los, um den Verbleib des Frachters zu klären. Tatsächlich werden Captain Archer und seine Crew bald fündig, - die "Fortunate" wurde überfallen, der Captain schwer verletzt. Das Kommando hat der Erste Offizier Ryan übernommen, der sich - während Dr. Phlox seine Künste an dem Captain des Frachtschiffes unter Beweis stellt - schnell mit Travis Mayweather anfreundet, der ebenfalls auf einem Frachter aufwuchs. Anders als Mayweather kann sich Ryan keine Zukunft in der Sternenflotte vorstellen und aufgrund dieser differenzierenden Einstellungen kommt es zwischen beiden Männern zum Streit. Da entdeckt T´Pol plötzlich ein nicht-menschliches Lebenszeichen an Bord der "Fortunate". Ein nausikanisches...
von Christina Rodriguez
Wie bereits mehrmals in Star Trek geschehen, liegt auch dieser Episode das Thema Rache zugrunde. Ähnlich wie im Kinofilm "First Contact" könnte hier die Analogie zu Melvilles Figur des Captain Ahab gezogen werden: Der Mann, der für seine Rache alles aufs Spiel setzt und schließlich sowohl den verhassten Wal als auch seine treue Crew mit in den Tod reißt.
Doch dies ist Star Trek, oder genauer gesagt: Enterprise. Am Schluss siegt hier stets die Vernunft, und der Erste Offizier Ryan gibt nach. Eine Entscheidung, die zwar das Leben aller Beteiligter rettet, letztendlich jedoch sehr unrealistisch wirkt. Ein Mensch, der sich über lange Zeit in einen derartigen Fanatismus gesteigert hat, wird sicherlich nicht aufgrund einiger beschwichtigender Worte einsehen, dass seine Handlungen falsch sind. Die logische Konsequenz der Handlung wäre gewesen, zu zeigen, wie Ryan zugunsten seines fanatischen Rachedurstes seine gesamte Mannschaft mit in den Tod nimmt.
Zugegeben, ein derart tragisches Ende hätte die Episode tatsächlich nur zu einem weiteren Abklatsch der Moby Dick-Thematik gemacht. Andererseits ist das Thema Rache an sich wirklich nichts Neues in Star Trek. Die TNG-Episode 4x12 "The Wounded" bspw. befasst sich mit einem Starfleet-Captain, der einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Cardassianer startet und - wer hätte das gedacht - nach gutem Zureden eines alten Bekannten (Chief O'Brien) schließlich die Waffen niederlegt.
Die Ähnlichkeit zu früheren Episoden lässt den Verdacht aufkommen, dass die Enterprise-Autoren möglicherweise über keine Kenntnis der alten Star Trek-Folgen verfügen. Dies wäre fatal, weil davon ausgegangen werden muss, dass ein Großteil des Publikums mit den vorhergegangenen Serien und Filmen bestens vertraut ist. Bleibt zu hoffen, dass dem Zuschauer in zukünftigen Episoden keine "ollen Kamellen" mehr serviert werden.
Positiv ist zu bewerten, dass nun endlich ein wenig Licht auf Mayweathers Vergangenheit geworfen wird. Die Szene, in der er sich anschickt, einen von Archers Befehlen in Frage zu stellen, lässt ihn allerdings als zu brav und angepasst erscheinen. Es ist offensichtlich, dass sich Mayweather zu einhundert Prozent mit der Sternenflotte identifiziert und niemals wirklich mit kopflosem Outlaw-Verhalten wie dem von Ryan sympathisieren würde. Das Gespräch zwischen ihm und Archer dient nur dazu, dem Publikum den moralischen Satz der Woche zu servieren - nämlich dass die fremdartige Herkunft der Nausicaaner sie nicht weniger menschlich macht. Danke für dieses Gespräch, Captain. Gähn. |