Life on Mars
von Gisa von Delft Diskutiert über Life on Mars : Besucherkommentare (11)
| Life on Mars |
Originaltitel: Life on Mars
Deutscher Titel: Life on Mars - Gefangen in den 70ern
Produktionsland: GB
Genre: Drama, Action/Adventure, Crime
Erstausstrahlung: Januar 2006, GB
Darsteller: John Simm als Sam Tyler Philip Glenister als Gene Hunt Liz White als Annie Cartwright Dean Andrews als Ray Carling Marshall Lancaster als Chris Skelton
Crew: Claire Parker Executive Producer, Producer Jane Featherstone Executive Producer Matthew Graham Executive Producer, Creator Cameron Roach Producer Tony Jordan Creator Ashley Pharoah Creator
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Chiefinspektor Sam Tyler aus Manchester ist auf der Suche nach einem Frauenmörder - und nun ist offensichtlich auch seine Kollegin und Freundin in dessen Fänge geraten. Sam steigt ins Auto, er ist aufgewühlt und wütend, einen Moment unaufmerksam - da kracht es.
Als Sam wieder aufwacht kann er sich nur wundern - irgendwas ist äußerst merkwürdig. Was hat er überhaupt für Klamotten an? Eine Lederjacke, seltsame Hosen. Er geht auf seine Dienststelle und muss feststellen, dass ihn dort niemand kennt - und umgekehrt. Man hält ihn für einen neuen Mitarbeiter, der die Dienststelle gewechselt hat. Er erntet nur fragende Blicke, als er nach seinem Handy verlangt und auf die Frage, wo der PC sei, weist man ihm die Tür zum Klo - dort fände er das WC. Sam wird ungehalten über das dämliche Spiel, das man mit ihm treibt, doch das ändert nichts. Sam registriert schließlich, dass er sich tatsächlich in einer anderen Zeit befindet, im Jahre 1973, genauer gesagt.
Sein neuer Chef ist ein eigenwilliger Typ, der mit ebensolchen Methoden nach dem Motto: 'erst handeln, dann denken' arbeitet. Annie, eine junge Polizistin bringt ihn zu einem kleinen möblierten Appartement, wo er sich erstmal ausruhen soll. Aus dem Fernseher spricht plötzlich ein Arzt zu ihm der ihm verspricht, aus dem Koma wieder aufwachen zu können, wenn er bereit sei. Sam will Kontakt mit ihm aufnehmen, doch am Ende umklammert er nur verzweifelt das Fernsehgerät und ist immer noch in dem Raum mit den großgemusterten braunen Tapeten und dem Schrankbett.
Es hilft alles nichts, was immer auch mit ihm geschehen sein mag, Sam muss dieses "Spiel" mitspielen. Und das tut er - auch wenn sein Geist immer wieder skurrile Unterbrechungen erfährt, die darauf hinweisen, dass er sich im Koma befindet. Doch er fragt sich, ob es möglich sein kann, sich all die winzigen Details die er registriert, wirklich einzubilden.
Sam versieht schließlich seinen ganz normalen Dienst, nur jetzt in einem niedrigen Dienstgrad und mit einem gewöhnungsbedürftigen Chef. Extrem gewöhnungsbedürftig ist für ihn auch die Tatsache, dass man in Sachen Forensik noch völlig "hinter dem Mond" ist - oder auf dem Mars eben, wie ihm sein ganzes Dasein jetzt vorkommt. Dennoch gelingt es einerseits ihm, sich mit allem, inklusive Chef, zu arrangieren, andererseits profitieren sein Chef und seine Kollegen aber auch von seiner ganz anderen Herangehensweise an die Fälle. Und schließlich muss er die Sache vielleicht einfach so sehen wie der Wirt im Pub: du bist jetzt da, wo du gerade bist, also mach was draus. Und so geht Sam los und klärt die Fälle der 70er Jahre auf.
Nur so am Rande, oder: Beweisstück Nr. 1
Wenn ich jetzt ins Schwärmen gerate hat es sicher auch damit zu tun, dass ich ohnehin einen Faible für britische Produktionen habe. "Erschwerend" kommt aber hinzu, dass ich die 70ger Jahre erlebt und sie hier fabelhaft in Szene gesetzt wiedergefunden habe. Da fange ich natürlich bei David Bowies "Life on Mars" gleich an, mitzusingen und überlege, welches Stück von Pink Floyd das war, das in dem Pub gespielt wurde. Und freue mich, wenn ich mein erstes Auto - einen Saab 96 in schickem caramelbraun - auf einem Parkstreifen entdecke. Auch diese entsetzlichen Mustertapeten stehen mit noch deutlich vor Augen.
Fazit:
Life on Mars der Überraschungserfolg in Großbritannien, erhielt 2006 einen Emmy Award - und das zurecht. Mal davon abgesehen, dass auch der Zuschauer rätselt, was denn nun tatsächlich mit Sam passiert ist und dass interessante Kriminalfälle präsentiert werden, ist dieses Aufeinanderprallen zweier Welten wirklich sehenswert. Sam, der coole, mit allen Mitteln der Forensik und Polizeipsychologie gewaschene Chiefinspektor muss sich jetzt einfügen in eine Haufen saufender, rauchender, prügelnder Cops. Er muss Fälle aufklären, ohne "schnell mal eben" Fingerabdrücke identifiziert zu kriegen oder gar DNA-Analysen zu erhalten. Und dennoch will er nicht die "steinzeitlichen", mitunter animalischen Vorgehensweisen seines neuen Chefs unterstützen. Und diese Gratwanderung gelingt, auch Dank der Hauptcharaktere Sam Tyler, wunderbar dargestellt von John Simm und Gene Hunt, ebenso überzeugend gespielt von Philip Glenister. Auch ansonsten gibt es an den Charakteren und deren Besetzung nichts zu meckern.
Die 70ger Jahre Atmosphäre wurde hervorragend getroffen, die Details, einschließlich der Musik, stimmen absolut (siehe Beweisstück Nr. 1 ;)). In Atem hält den Zuschauer - gemeinsam mit Sam - nicht nur die Konfrontation mit dieser "fremden Welt" sondern auch die geschickt eingeflochtenen Szenen, die Sams Wahrnehmung als Koma-Patient darstellen - die Ärzte, die mit ihm sprechen und denen er nicht klarmachen kann, dass er sie hört und versteht und dass er will, dass sie ihm helfen. Auch diese Gratwanderung zwischen Verzweifelung und sich beherzt den Dingen stellen, die nun man sind wie sie sind, ist gut gelungen. Dazu bei trägt auch ein passendes Quentchen (britischen) Humors.
Zusätzlich erfreulich ist auch die deutsche Synchronisation, die es geschafft hat, den besonderen Charme dieser britischen Produktion zu erhalten. Hier hat sich in das gemeine Serieneinerlei wahrhaftig ein kleines Juwel geschlichen. Wie schön, dass das immer noch möglich ist.
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