Übersoldier 2
getestet von Karsten Schindler
Der Einstieg in "Übersoldier 2" erfolgt sofort und prompt - über eine wilde Verfolgungsjagd! Erklärungen gibt es erstmal nicht! Man steht auf einem Jeep und schießt auf verfolgende Autos, LKWs oder Motorräder. An einem verschlossenen Zugang angekommen beschützen wir unsere Mitstreiterin, die den Jeep für uns gefahren hat und kämpfen uns durch allerlei Getümmel, bis wir endlich nach einiger Zeit einen alten Mann mit Augenklappe treffen, der uns so langsam das Problem erklärt.
Handlungsabriss
Aus einer Fabrik wurde eine große Menge von K9, einer Art Droge, entwendet. Nach und nach kommt Karl Stolz, so der Name des "Helden" der Geschichte, der Sache auf den Grund und stellt fest, dass durch dieses Mittel fleißig bereits verstorbene Soldaten als Elite-Krieger wieder erweckt werden. Das möchten wir jedoch nicht und Rennen den neuen Informationen hinterher. Dabei schießen wir alles über den Haufen, was uns über den Weg läuft. Wie auch immer, dadurch gewinnen wir neue Informationen, die uns anscheinend immer näher an den Drahtzieher des Bösen bringen.
Storyline des Spiels
Mit der Panzerfaust ist nach drei gezielten Treffern der Weg auch gegen diesen Koloss frei geräumt
Die Frage lautet: "Nennt man es eine Storyline, wenn man nach ca. 10 Sekunden alles erlebt hat, was es zu erleben gibt und der Rest des Spiels nur noch aus Wiederholungen daraus besteht?"
Das Spiel funktioniert nämlich folgendermaßen: Man hat entweder eine Schusswaffe (21 verschiedene gibt es zu entdecken), Granate oder ein Messer in der Hand und tötet die Leute, die einem unterwegs im Weg herumstehen. Zu lösende Rätsel gibt es nicht, alle gefühlten zwei Stunden muss man mal einen Hebel oder Schalter umlegen... Fertig!
Im Laufe des Spiels bekommt man für die besiegten Feinde Erfahrungspunkte, die man dann im Anschluss an einen Abschnitt verwenden kann, um Statuswerte unseres Karls zu steigern: Gesundheit, Energie, Schild, Genauigkeit, Emotionszeit.
Der Soldat fällt nicht weit von seinem Gerüst!
Bei dem Statuswert "Energie" handelt es sich um einen Wert, der bestimmt wie lange Karl z. B. rennen kann. Interessant sind noch die Werte "Schild" und "Emotionszeit". Karl hat nämlich eine tolle Fähigkeit: Auf Knopfdruck kann er irgendeine Art von Schild um sich herum erzeugen, der Kugeln aufhält. Deaktiviert man diesen Schild, so schleudert er alle aufgehaltenen Kugeln wieder zurück und hinterlässt ein Feld Schweizer Käse zurück.
Der Wert "Emotionszeit" erklärt sich durch Karls zweite besondere Fähigkeit. Schafft man es nämlich in kurzer Zeit vier Leuten in den Kopf zu schießen, so gelangt man in den "Überschützen-Modus", sollte man 4 Gegner direkt hintereinander mit dem Messer im Nahkampf erwischen, so wird man zum "Berserker". Je nach dem wie hoch der Wert "Emotionszeit" ist, hält die Wirkung dieser Modi länger an. Ist man "Berserker" oder "Überschütze" so ist man unverwundbar und erledigt mit einem Treffer jeden Gegner. Zusätzlich wird ganz in "Bullet-Time" - Manier die Zeit verlangsamt.
Aber wie gesagt, das war es dann auch und wenn man das einmal erlebt hat, passiert nichts Neues mehr. Der Rest des Spiel beschreibt ein schieres Gemetzel an den Gegnern, unterbrochen von kleinen Einspielern im Stil des Spieles "XIII".
Auf den Weg zum ÜBERSCHÜTZEN
2 Volltreffer hatten wir schon... ob uns dieser Gegner nun zum dritten verhilft?
3 Volltreffer.. jetzt haben wir 1 Minute Zeit, um den entscheidenden Treffer zu erzielen und dann sind wir...
Gemessen an Klassikern wie z. B. "Half-Life 2" passiert einfach zu wenig. Saß man bei "Half-Life 2" oder seinem Vorgänger manchmal Stunden vor dem Rechner, um weiter zu kommen weil man nicht wusste was bei aktuellem Rätsel zu tun ist, so geht es bei "Übersoldier 2" einfach immer geradeaus. Dies muss zwar nicht zwangsläufig jeden Spielspaß mindern, jedoch ist mir "Übersoldier 2" schlicht zu stumpfsinnig.
Grafik
Die Grafik des Spieles ist in Ordnung. Die agierenden Figuren, Waffen sind recht gut und detailreich dargestellt. Anders sieht es da mit dem Umfeld aus. Es gibt nichts spannendes zu entdecken. Keine großartigen Landschaften, keine besonderen Objekte. Eine Wand ist eine Wand ist eine Wand, ein Gegner des Typs "Soldat" ist ein Gegner des Typs "Soldat" ist ein Gegner des Typs "Soldat"... Je weiter weg von dem Geschehen sich ein Objekt befindet, desto weniger Mühe hat man sich anscheinend gegeben, die Sachen darzustellen. Die Bäume z. B. bestehen schließlich nur noch aus zwei ineinander verschachtelten grünen Baumbildern.
Sound
...Schnarch..... Monotonie, Monotono, Monotonihahihaho....
Fazit
Ich finde dieses Spiel thematisch sehr bedenklich! Mir missfällt einfach die Tatsache, dass man sich im Themenfeld des dritten Reiches bewegt und dabei Sonderpunkte für Kopfschüsse sammeln kann! Aus diesem Grund fällt es mir auch relativ schwer "fröhliche" oder lockere Kommentare zum Spiel zu schreiben... Ich sehe schlicht keinen Grund das Thema dieses Spiels in den zweiten Weltkrieg zu verlagern. Es hat keinen zwingenden Grund Zombie-Soldaten mit Überkräften eben dann auch noch in Deutschland agieren zu lassen. Hätte so etwas nicht auch in einem imaginären "Katunkadata" stattfinden können?
Meine moralische Hemmschwelle ist dann ebenfalls auch noch irgendwie zu hoch um mich, egal unter welchen historischen Umständen, daran zu freuen, wenn ich besonders toll in den Kopf geschossen habe. Aber dies ist eine persönliche Einstellung und hat erst mal nichts mit dem Spiel zu tun. Für mich sollte sich nur jeder Spieler dieser Tatsache bewusst werden, und sich auch fragen "Möchte ich das?"
Mir fällt es schwer unter diesem Hintergrund dieses Spiel "zur Entspannung" zu spielen! Bleibt zu hoffen, da dieses Spiel verständlicherweise keine Jugendfreigabe erhalten hat, sich die Erwachsenen, die dieses Spiel spielen auch dem thematischen Zusammenhang bewusst sind!
Das Spiel selbst ist einfach ein Low-Budget Produkt. Das macht es erst mal nicht schlecht (aber auch nicht gut). Wenn man auf Ego-Shooter steht und dabei nicht von nervigen Rätseln und Quests abgehalten werden will, also einfach mal durch die Gegend rennen und seine Treffsicherheit erproben möchte, dann ist dieses Spiel völlig tadellos in spielerischer Hinsicht zu genießen. Die Grafik ist nicht schlecht, jedoch sieht man bei fast zeitgleicher Erscheinung eines Spieles wie "Crysis" oder halt eben "Übersoldier2" wie groß die Unterschiede einer Grafikengine sein können. Dafür bleibt der Hardware-Appetit des Spieles aber auch sehr gering und sollte auf einem Gros der Rechner einwandfrei laufen!
Zum "einfach mal spielen" ist dieses Spiel meiner Meinung nach schon geeignet, auf die Suche nach Langzeit-Spaß, Hintergründigkeit und großer Abwechslung wird man jedoch bei "Übersoldier 2" keine Antwort finden. Dennoch ist die Atmosphäre des Spiels schlüssig. Der relativ günstige Preis von um die 20€ könnte dem einen oder anderem aber vor dem Regal eine Antwortmöglichkeit auf die Frage: "Soll ich, oder soll ich nicht?" bieten!
Links:
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