Terrorist Takedown: Covert Operations
getestet und vertont von Steffen Schindler
Wann ist ein Ego-Shooter eigentlich gut? Ein Ego-Shooter wird für mich gut, wenn er mit einer ausreichenden Einleitung inklusive eines "Trainings" beginnt. Ich muss quasi so heiß gemacht werden, dass ohne mein Zutun ein unterjochtes Volk nicht befreit werden kann und ich der einzige bin, der so eine Mission mit Erfolg zu erfüllen vermag. Blut, Schweiß und Pulverdampf müssen schon zu riechen sein und die Kameraden, die an meiner Seite stehen, nur auf mich vertrauen, weil ich der einzige bin, der Sie unversehrt in die Heimat zu Frau und Kind bringen kann. Ich will die Angst des Gegners in seinen Augen sehen, wenn ich wie die Apokalypse über die Erde ziehe, um das Antlitz unseres Erdenballs von dem menschlichen Unrat zu befreien. Die Grafik und der Sound müssen so bestechen, dass ich auf die Knie falle und nach jeder erfüllten Mission Manowars "Warrior‘s Prayer" rezitiere.
All diese Voraussetzungen erfüllt das Spiel nicht. Man steht auf einmal irgendwo in irgendeinem Dschungel. Man hat noch nicht einmal Zeit, sich mit den geographischen Gegebenheiten bekannt zu machen, denn es ertönt das Kampfsignal "Vector 2, sie kommen".
Wer ist Vector 2??? Wer kommt??? Warum kommen sie??? Und was soll ich jetzt hier??? Nachdem ich zum dritten Mal niedergemetzelt wurde, hab ich dann auch ungefähr verstanden, wie ich an meine Waffen komme, beziehungsweise, wo ich mich erstmal aufrüsten kann. Gesteigert werden diese Glücksgefühle dann, wenn man nach dem sechsten Versuch herausgefunden hat, wie man es schafft das stationäre Maschinengewehr zu benutzen. Ab dem Zeitpunkt hat man für die nächsten zwei Minuten schon gewonnen, da man nach dem dreizehnten Neubeginn genau weiß, dass Irgendjemand, der offensichtlich der Gegner sein muss, zuerst hinter einem umgestürzten Baumstamm zwischen dem vierten und fünften Farnstrauch von rechts auftaucht. Auch ist es jetzt gewiss, das gleich von links ein Panzer gefahren kommt, der, nach dem man ca. 40 offensichtliche Gegner niedergemäht hat, mit einer zur Perfektion getrimmten Niedermähtaktik auch gleich platt gemacht wird.
Ein Hummer kommt selten allein...
Puh, kurze Verschnaufpause..... Der Gegner kommt von links, also muss man jetzt auf die andere Seite eilen, weil von da kommt wieder irgendwer von irgendwo um irgendwas zu wollen. Also geht es weiter. Es wird ein bisschen in der Gegend rumgeballert und mittlerweile fühlt man sich befähigt, irgendwo einen Dschungel zu retten, weil man merkt, dass die Kameraden aber auch gar keine Ahnung von der Bedienung von Schusswaffen haben. Zu unser aller Rettung kommt ein Hummer angefahren, der auch nach dem siebten Sterben immer am linken Hinterrad eines LKWs explodiert. Warum der jetzt nun explodiert, weiß man nicht genau, jedenfalls ist das dort angebrachte MG noch intakt. Gut, dass irgendein Gegner mit irgendeiner besonderen Waffe so schlecht schießt, dass nur der Hummer sich in alle Himmelsrichtungen verteilt, das MG aber vollkommen intakt bleibt, so dass es auch gleich benutzt werden kann. Die Niedermähtaktik wird zur Meisterschaf ausgebaut und die nächste Minute ist schon mal gerettet. Leider wird dieser kleine Sieg dadurch geschmälert, dass sich das Spiel zum erstenmal aufgehängt hat. Gut, Spiel wird wieder geladen und noch mal, Gegner kommt von rechts, Hummer kommt vorgefahren, linkes Hinterrad von dem LKW, BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOMMMMMMMMM.
An das MG!
Ein Hubschrauber im Anflug
Ich kann das MG benutzen, rette zum wiederholten Mal diverse Helden meiner Einheit, da ich befürchte, dass die sich selber abschießen, wenn ich nicht eingreife. Als Oberspezialkommandantenausbildungsgeneralfeldmarschall hat man schließlich auch eine Fürsorgepflicht..... Jetzt kommt Spannung ins Spiel, schnell speichern und LET’S GET READY TO NEUSTART!!!!!!! Gut, dass man vorher gespeichert hat.
Also zurück in den Dschungel und man findet seine Kameraden noch wohlbehalten an dem Ort der Ereignisse. Die Spannung steigt, da sich zu dem kleinen Tête-a-Tête auch ein Kampfhubschrauber einfindet. "Vector 2, an das MG.....feindliche Hubschrauber fliegen ein."
Juhu, die Stimmung wird groß und wächst ins Unermessliche, da man das MG ja schon perfekt beherrscht. Jetzt kommt etwas, was mich begeistern lässt, was für mich quasi klar macht, warum Hitler Russland nicht halten konnte, die Japaner in Pearl Harbour einfliegen konnten und warum die USA in Vietnam keine Wurst vom Brot gezogen haben.
Man kann mit gutem Gewissen mit einem MG einen Panzer zum Explodieren bringen, aber bei einem Hubschrauber ist das nicht möglich. Ich habe zwei Minuten auf diese Dinger geballert und es ist nichts passiert.
Nach einer kurzen Verschnaufpause, da das Spiel sich wieder aufgehängt hat, kann man mit klaren Gedanken wieder seine Basis verteidigen. Da man jetzt abwägen kann, was so alles passiert, kann man sich auch auf die Suche nach Alternativen begeben. Das Herz des Spielers hüpft bis zum Großhirn... Eine Kiste mit Panzerfäusten! Yes, jetzt geht es den Hubschrauberpiloten auch an den Kragen. Also, Vector 2 wieder ans MG, aber nicht mit mir. Ich rüste mich mit 20 Panzerfäusten aus und beginne meinen Rachefeldzug für die zwei Minuten verlorener Lebenszeit am MG.
Das nüchterne Erwachen beginnt nach der 20. Panzerfaust. Es sind inzwischen drei Hubschrauber und sie gehen nicht kaputt. Schweigen........ Das Spiel hat sich wieder aufgehängt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich etwas gemacht was ich vorher noch nie gemacht habe....... Ich habe "Terrorist Takedown" deinstalliert und von meiner Festplatte getilgt. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Die Grafik ist zwar nicht sonderlich schlecht, auch der Sound ist akzeptabel, aber der Spielspaß ist quasi nicht vorhanden. Aktionen sind vorhersehbar und teilweise in einer abstrusen Art total unlogisch. "Terrorist Takedown" gehört zu den Spielen, die man im Real bei den 10€-Spielen findet, sich das Cover anschaut und mal mitnimmt. Zuhause stellt man dann fest, dass ein adrettes Cover nicht unbedingt auch auf das Spiel zutrifft und man die besagten 10€ lieber einem dieser Kinder aus den Kettenmails schicken würde (die mit drei Armen und vier Beinen, die obendrein noch ohne Augen geboren wurden und aus Armutsgründen als Augenersatz zwei Knöpfe angenäht bekommen haben).
Fazit
Wer möglichst sinnlos durch die Gegend rennen möchte und einfach nur ballern will ist bei "Terrorist Takedown: Covert Operations" bestens aufgehoben. Für den anspruchsvolleren Spieler, der zwischendrin auch mal mitdenken möchte ist dieses Spiel nichts und er sollte, anstatt Geld hierfür auszugeben, lieber der Freundin ein paar Blumen oder nette Dessous schenken und dann frei nach dem Motto "Liebe statt Hiebe" im heimischen Bett walten. Das macht dann auch nicht dumm und der nächste Amoklauf könnte schon verhindert sein.
Trailer zu "Terrorist Takedown: Covert Operations"
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