Spore
Nach vielen Jahren Entwicklungszeit hat Will Wright sein neustes Game fertiggestellt. Nach den Erfolgen SimCity und Die Sims folgt Spore. Ein weiterer Erfolg? Dass wird sich zeigen. Die Erwartungen sind auf jeden Fall sehr hoch!
getestet von Kevin Reymann
Von Ursuppe bis Galaxie
Im Game hat man die Aufgabe aus einer einzigen Spore eine Spezies und schließlich eine ganze Galaxie zu erschaffen und zu kontrollieren. Unterteilt ist das Game in fünf Phasen. Sobald man das Ziel einer Phase erreicht hat, kann man eine neue Zivilisation hier auch beginnen und muss nicht immer wieder in der Zellphase starten.
Zellphase
Ein Asteroid rast auf die Erde und bringt ein paar Zellen mit. Diese tummeln sich nun in der Ursuppe und haben eigentlich nur zwei Aufgaben: nicht gefressen werden und selber fressen. Was gefressen wird, entscheidet der Spieler zu Beginn. Es stehen Fleischfresser und Pflanzenfresser zur Auswahl. Nachdem auch der Name festgelegt wurde, kann die Jagt nach dem Futter beginnen. Ich entschied mit für einen Pflanzenfresser. Der Grund: im Spiel heißt es, dass jede Entscheidung des Spielers den gesamten Spielverlauf beeinflussen wird. Ich hoffe so auf eine friedliche Art und Weise irgendwann eine Zivilisation des Handelns zu erreichen. Später dazu mehr. Erst einmal mache ich jagt nach kleinen grünen Pflanzen, die mich wachsen lassen und mir DNA-Punkte geben. Außerdem gilt es, kleine Zellteile zu finden. Mit diesen kann man im Zelldesigner seine Zelle aufpeppen (im Eintausch gegen die DNA-Punkte), etwa mit Stacheln zur Abwehr oder besseren Flossen um schneller schwimmen zu können. Dies ist auch nötig. Denn es gibt viele Feinde in der Ursuppe und anfangs kann man ihnen doch nur sehr schwer entkommen. In den Zelldesigner gelangt man, indem man sich mit einer Zelle seiner Art paart. Nette Idee! Nachdem ich nun ein paar Mal gestorben bin (große Auswirkungen gibt es erst mal nicht wenn man das zeitliche segnet, man erlebt einfach eine Wiedergeburt mit den bisher gesammelten Zellteilen und Benutzermodifikationen) habe ich endlich genug gefressen und die Fähigkeit erreicht, an Land zu gehen. Ich konnte entscheiden, ob ich nun die beiden von mir noch nicht gefundenen Zellteile suche oder die Ursuppe sofort verlasse. Ich suchte. Und suchte… und suchte. Vergeblich. Vielleicht kann man die Zellteile nach der Erfüllung der Bedingungen in der Zellphase einfach nicht mehr finden. Ich ging also an Land…
Kreaturphase
Im Prinzip ist es an Land genauso wie in der Ursuppe. Ich bin zwar nicht mehr alleine sondern habe ein paar Artgenossen die mich begleiten, aber ich suche noch immer nach DNA-Punkten und pflege Kontakte zu anderen Völkern. Immer wieder bekomme ich Aufgaben gestellt, ich soll mich mit X anfreunden oder Y besiegen. Mit den DNA-Punkten verändere ich meinen Körper nach meinem Wunsch. Irgendwann habe ich soviel "Bewusstsein" angesammelt, dass ich die Phase beende. Ich darf ein letztes Mal in den Designer um meinen Körper anzupassen, dann heißt es aufsteigen.
Stammesphase
Kreaturphase+Feuer=Stammesphase? Fast. Ich bin Oberhaupt meines Stammes und erledige nach wie vor Aufgaben desselben Typs wie in der Kreaturphase. Nun suche ich aber keine DNA-Punkte mehr. Ich bekomme von anderen Völkern, in Frieden oder Freundschaft obliegt mir (meistens), bestimmte Gegenstände um mein Hauptlager aufzupeppen oder meiner Spezies einen neuen Hut zu verpassen. Ich habe bis hier hin geschafft meine Art Friedlich durch das Spiel zu führen. Doch die Aufgaben haben nicht selten gelautet "Manche Spezies sind von Grund auf Böse - vernichte sie". Um weiterspielen zu können habe ich die Aufgaben erledigt. Nach Beendigung der Phase (mein Hauptlager hat eine bestimmte Größe erreicht) wurde ich in die Kategorie "Arbeitsarm" in der Timeline eingeordnet. Das ist ein Mittelding zwischen Friedlich und Feindlich.
Zivilisationsphase
Obwohl ich erst einige Stunden spiele, bin ich bereits in der vorletzten Phase. Andere Völker haben bis auf die Farbe das gleiche Aussehen wie ich. Alle haben Städte, Autos und manche sogar Boote oder Flugzeuge. Es geht darum mit seiner Stadt Geld zu erwirtschaften, Handelsbeziehungen aufzubauen oder Krieg zu führen und andere Städte einzunehmen. Beendet ist diese Phase, wenn mir der ganze Planet gehört. Im Designer kann ich Autos, Häuser und Boote bauen. Die kann ich in meiner Stadt platzieren. Das Ganze ist vergleichbar mit einer Demo von SimCity. Wirtschaftskreisläufe sind praktisch nicht vorhanden. Es ist alles sehr simpel und fast langweilig gehalten. Ich konzentriere mich also die Erde zu erobern. Friedlich ist die Mission, die ich mir gesetzt habe. Ich schaffe es auch zwei andere "Länder" dazu zu bewegen, sich mit mir zu verbünden. Doch dann ist Ende. Friedliche Beziehungen wollen nicht alle Länder. Das "Rote-Volk" will Krieg. Ich habe zwei Autos mit Rakten und, ich frage mich noch immer wieso, gewinne die Schlacht gegen diverse stationäre und mobile Waffen. Die von mir eingenommene Stadt war militärisch und bleibt es auch. Ich habe nun militärische Fahrzeuge und Boote. Es kommt, wie es nicht kommen sollte - eine Stadt nach der anderen wird mit den paar Booten die ich besitze übernommen. Irgendwann werden meine beiden Verbündeten und mein Volk in eine Fusion geführt und die Phase ist beendet. Der Planet gehört mir und meine Spezies stellt ein Raumschiff fertig, welches im Designer erschaffen werden kann.
Weltraumphase
Hier geht es nun darum mit anderen Welten zu Handeln, Krieg zu führen, zu Kolonisieren und so weiter… Diese Phase dauert am längsten und ist auch die interessanteste. Was mich aber stört ist, dass ich nicht in großen Dimensionen arbeiten kann. Noch immer muss ich die Städte auf den Planeten aufbauen und einzelne Raumschiffe durch die Gegend schicken.
Das Ende
Das wars eigentlich schon. Die einzelnen Phasen sind teilweise sehr interessant, teilweise etwas öde. Multiplayer-Eigenschaften gibt es nur rudimentär. Schade, da dieses Web 2.0-Game ideal dafür geeignet ist. Spieler stellen ihre Kreaturen in Communitys wie YouTube vor. Doch das produktive Multiplayerspiel gibt es nicht. Das Spiel nimmt sich zwar via Zufallsgenerator die von anderen Spielern Entwickelten Kreaturen und fügt sie in das Spiel ein. Doch sie werden nur durch eine KI gesteuert. Hier gibt es viel Potential für ein (sinnvolles!) Addon.
Ein weiterer Kritikpunkt ist wohl der Kopierschutz. Das Spiel lässt sich ohne Eingreifen von Maxis nur drei Mal (auf verschiedenen PCs) installieren. Öfter ist dies nur mit Einwilligung durch Maxis/EA-Games möglich - natürlich nicht kostenlos. Außerdem muss das Spiel online aktiviert werden. Hier stellt sich mir die Frage, was ist, wenn die Server von EA dazu irgendwann abgeschaltet werden? In der Spielecommunity sorgt gerade dieser Punkt für viel Unmut. Amazon.com und Amazon.de haben zum Beispiel aufgrund dieses Kopierschutzes mehr negative als positive Kritiken.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass Spore eigentlich recht gut ist (bis auf ein paar Ausnahmen, auf welche ich hier zugegeben deutlicher, als auf die Vorzüge eingegangen bin). Stören ist aber auf jeden Fall die relativ kurze Spieldauer. Das Spiel kann zwar unendlich weiter gespielt werden, doch nach Beendigung der Weltraumphase fehlt irgendwie der Anreiz. Addons wurden bereits angekündigt. Ich bin gespannt, ob es IKEA-Packs gibt um die Stammeslager besser einzurichten oder ob diese wirklich interessante Funktionen in das Spiel mitbringen.
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