Sinking Island
getestet von Falk T. Puschmann
Das Adventurespiel hat es dieser Tage nicht leicht. Lang ist die Zeit von Perlen wie "Maniac Mansion" und "Space Quest" vorbei. Heute, in der Zeit von epischen Multiplayer-Shootern oder schicken, voll skalierbaren Strategiefegern, nimmt das Adventure nur noch einen Nischenplatz ein. Adventures die Punkten wollen, müssen entweder mit Shooterelementen gekreuzt werden, oder durch Story und Atmosphäre überzeugen. Ein Spiel, das genau letzteres versucht, ist "Sinking Island" aus dem Hause Daedalic/Xider.
Zum Inhalt
Was für Ermittler Jack Norm als Routineuntersuchung eines Unfalls auf einer kleinen, malerischen Malediven-Insel beginnt, entpuppt sich schnell als verwobenes Mordkomplott. Wer hat den Millionär und Hotelmagnaten Walter Jones auf dem Gewissen? Jeder der 10 Inselbewohner scheint ein Motiv zu haben. Der unsympathische Anwalt Hubert de Nolent, der frisch entlassene Architekt Lorenzo Battaglieri, der eingeborene Kolio oder seine Tochter Baina, die nach einem Unfall mit Jones stumm ist, oder etwa ein Mitglied des Jones-Clan oder deren Anhängsel? Dabei kämpft Jack Norm auch gegen die Zeit, denn ein tropisches Unwetter bricht über die Insel herein. Kann er den Fall rechtzeitig lösen?
Zum Spiel
"Sinking Island" ist ein klassisches Mördermystery in exotischer Kulisse. Neu dabei ist ein ausgeklügeltes Ermittlungstool, mit dem alle vorliegenden Aussagen, Indizien und Fakten geprüft, verknüpft und zu einer Beweiskette zusammengesetzt werden können. Der Rest des Spiels gestaltet sich in adventuretypischer Point&Click-Manie. Dabei bewegt sich die Spielfigur allerdings recht hölzern und auf festen Pfaden durch dafür um so detailreichere Insellandschaften. Kein Wunder, stammt das Spiel doch aus der Feder des französischen Künstlers und Spieleautors Benoit Sokal, den viele sicher noch von seinen beiden erfolgreichen Siberia-Abenteuern im Gedächtnis haben werden.

Allerdings gehört zu einem guten Spiel neben schicker Grafik auch das Gameplay und das Interface mit dazu, und hier versagt "Sinking Island" leider auf fast der ganzen Linie. Es sind viele Kleinigkeiten, die allerdings die Langzeitmotivation und den Spielspass recht schnell abtöten und am Ende ist es mehr ein Gedulds- als ein Kriminalspiel. So sind ist die Insel und das gigantische Hotel sehr schön anzusehen und die Hintergrundmusik von Christophe Jaquelin stimmig, aber das sture Navigieren durch Dialoge, die man einfach nur stur abarbeiten könnte, da es hier keine Alternativen gibt. Zudem lassen sich die vielen sehr umfangreichen Dialoge auch nicht abbrechen oder abkürzen und müssen immer komplett angehört werden. Auch die langen Strecken von Punkt a.) nach Punkt b.) hätten mittels Kartenfunktion dem geneigten Spieler das Leben massiv erleichtert, gerade wenn man z. B. auf dem Hotel steht und verärgert feststellt, dass man ein Indiz am Strand vergessen hat. Da macht auch das raffinierteste Spurenanalysetool, das ähnlich dem klassischen Gesellschaftsspiel "Mastermind" dem Spieler einen Hinweis gibt, wieviele Fakten noch falsch sind, kaum einen Unterschied. Und dann ist da die Geschichte, die viel zu langsam vor sich hintröpfelt und zu einer weiteren Geduldsprobe wird.
Dabei hätten viele Kleinigkeiten, wie z. B. das Reisesystem, leicht umschifft werden können, und wären vielleicht nachträglich noch durch einen Patch behebbar. Ansonsten zeigt das Spiel - bei aller negativen Kritik - nämlich durchaus gute Ansätze. Dabei werden passionierte und mit einem guten Zeitpolster ausgestattete Profi-Rätsler sicher auf ihre Kosten kommen, nur Adventure-Neulinge sollten lieber erst ein wenig Erfahrung sammeln, denn wie gesagt leidet die Langzeitmotivation unter den vielen kleinen Ärgernissen.
Fazit
|
Bewertung
|
| Grafik: |
 |
| Sound: |
 |
| Gameplay: |
 |
| Atmosphäre: |
 |
| |
| 60 |
 |
|
Am Ende bleibt ein sehr guter Ansatz, der allerdings von vielen Unstimmigkeiten überschattet wird. Eine Kartenfunktion, die Möglichkeit, Dialoge abzukürzen bzw. noch besser, diese interaktiver zu gestalten, hätten dem Titel gut getan. So bleibt eine schöne Atmosphäre, die durch harmonisch animierte Hintergründe und Musikkulisse überzeugt. Wer Krimis mag, über eine Engelsgeduld oder viel Adventureerfahrung verfügt und überdurchschnittlich viel Zeit hat, kann aber durchaus einmal anspielen.
Links:
:: Offizielle Website zum Spiel
:: "Sinking Island" bestellen
|