Die Siedler - Aufstieg eines Königreichs
getestet von Kevin Reymann
Der nächste Teil der "Siedler"-Reihe ist erschienen. Aufstieg eines Königreichs beginnt ähnlich wie alle vorherigen. Der Spieler bekommt, egal ob Kampagne oder freies Spiel, zunächst drei Gebäude auf der Karte präsentiert: eine Burg, ein Lagerhaus und eine Kirche. Alle gilt es im Laufe des Spiels auszubauen, damit der gewählte Ritter befördert wird. Und da sind wir schon bei einer Besonderheit, die diesen Siedler-Titel von den bisherigen abgrenzt: die Ritter. Jeder Spieler sucht sich zu Spielbeginn einen Helden aus, der auch gleichzeitig im Spiel den ersten Soldaten darstellt. Mehr noch, er kann nicht wie die gewöhnlichen Soldaten sterben. Jeder Ritter, ob nun Marcus, Elias oder einer der anderen, hat eine andere Fähigkeit. Elias z. B. sorgt dafür, dass Siedler in seiner Umgebung zu Essen finden. Etwas sehr nützliches, wie ich feststellen musste. Dazu gleich mehr.
Zunächst noch ein paar allgemeine Worte. Gleich zu Beginn stellt man fest, dass der Titel "Die nächste Generation" in diesem Titel nicht fortgesetzt wurde. Stattdessen knüpft man an "Das Erbe der Könige" an. Die so viel kritisierten, menschlicher aussehenden Siedler sind zurück. Der besonders bei den Siedler-Fans der ersten Stunde so beliebte "Wuselfaktor" ist gleich Null (bis auf eine Ausnahme, auf die ich ebenfalls weiter unten noch eingehe). Aber auch die kriegerischen Aspekte wurden nicht so intensiv behandelt wie in "Erbe der Könige". Bei "Aufstieg eines Königreichs" beschränken sich die Entwickler fast ausschließlich auf das klassische Siedeln.
Ein zeitintensiver Beginn
 Marcus im Einsatz
Doch bis ich soweit war, verging einige Zeit. Ich nahm an, die Grundlagen erlernt man so schnell wie in den vergangenen Versionen, doch ich sollte mich irren. Keine Siedlung ohne Rohstoffe und auch keine Siedlung ohne Nahrung. Nachdem ich die Holzfällerhütte gebaut hatte, errichtete ich eine Hütte für den Jäger. Auch ein Fischer fand in meiner Siedlung schnell seinen Platz. Doch die Siedler aßen nichts von meinem Erlegten und Gefangenen. Ich begab mich auf die Suche nach der Ursache und irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: die Siedler essen natürlich keine Rohen Tiere und Fische. Eine Metzgerei und eine Räucherei brachten dann Abhilfe.
Natürlich war dies ein dummer Anfängerfehler. Aber dabei konnte ich zwei Dinge feststellen. 1. Das Handbuch ist sehr dünn und hat nur wenige Informationen. 2. Auch eine total heruntergewirtschaftete Siedlung (Siedler nicht zufrieden, sie streiken und folglich erwirtschafte ich kein Geld mehr), geht nicht "kaputt". Die Siedler versammeln sich auf dem Marktplatz und das war´s. Die Gebäude werden nicht niedergebrannt, nicht einmal Schilder werden in die Luft gehalten, um auf die mangelnden Bedürfnisse aufmerksam zu machen.
Nachdem das Problem aus der Welt geschaffen war, verlief das Spiel vorerst wie geschmiert. Die Siedlung wächst. Meinem Ritter werden neue Titel verliehen und es werden neue Gebäude freigeschaltet.
Auf in den Kampf
 Wuselfaktor im Krieg
Zeit, eine Armee aufzubauen. Nachdem ich herausgefunden habe, dass die Soldaten in Kasernen ausgebildet werden und ich auch eine Mine mit Eisenerz für die Schwerter gefunden habe, liefen die ersten Soldaten "vom Stapel".
Auf der Spielkarte lauern überall Banditen. Diese fordern regelmäßig 200 Goldstücke, damit sie mich in Ruhe lassen. Auf Dauer ganz schön teuer und eine gute Gelegenheit, die Soldaten mal in Aktion zu sehen. Ich wähle meine Truppe, einschließlich meines Ritters, aus und schicke sie zu den Lagern der Banditen. An dieser Stelle habe ich das erste Mal erlebt, dass der Testcomputer an seine Grenze gerät, und das, obwohl die Systemanforderungen bei weitem erfüllt werden (Pentium IV 2 GHz bzw. AMD Athlon 2000+ mit 1024 MB RAM und einer 128 MB Grafikkarte). Hier bekommt der auf der Packung abgedruckte Satz, das Spiel laufe mit höherer Leistung flüssiger, seine Bedeutung. Dennoch wurden die Banditen erledigt und ich übernahm ihre Territorien. An dieser Stelle noch einmal zum Wuselfaktor. Dann, wenn die Wirtschaft floriert, ist dieser zwar fast vollkommen ausgeblieben, aber dafür bei den Soldaten vorhanden. Leider zum Negativen. Die Auswahl eines bestimmten Bataillons erfordert eine geschickte Hand an der Computermaus.
Hier sind wir bei einem weiteren Punkt, der mir aufgefallen ist. Wie auch in "Die Siedler - Das Erbe der Könige" hat man auf die "Fähnchen", die sein Territorium definieren und auch die Bauplätze anzeigen, verzichtet. Stattdessen gibt es einfache, feste Grenzen. Egel wo man innerhalb dieser Grenzen seinen Außenposten positioniert, das eigene Land wird um einen vorher definierten Bereich erweitert. Natürlich ist dies auch nur eine Kleinigkeit, die man verändert hat, doch diese summieren sich langsam. Leider nicht zum Positiven.
Meine Siedlung wächst und gedeiht. Ich habe Handelsbeziehungen mit allen drei weiteren Spielern auf der Karte aufgebaut und auch mein Ritter wurde in den höchsten Rang befördert. Meine Siedlung hat sowohl das Siedlerlimit, als auch das Soldatenlimit erreicht. Auch die Wünsche (Wohlstand und Dekoration) aller Siedler wurden neben den Bedürfnissen befriedigt. Die Steuergelder sind auf einem Minimum und der Sold der Soldaten auf der maximalen Stufe. Dennoch erwirtschafte ich genug, um mir bei meinen Handelspartnern auch Rohstoffe zu kaufen, die ich selber nicht abbaue, z. B. Salz.
Heirate mich
 Dorffestival
Neu in diesem Siedler-Titel sind die Frauen. Der Spieler hat die Möglichkeit, auf dem Marktplatz Feste zu feiern. Bei diesen Festen können sich die Siedler eine Frau suchen. Die sorgt dann für Nahrungsnachschub in den Häusern der Arbeiter, was die Effizienz erhöht. Ich habe es weder in einer Kampagne, noch in einem freien Spiel geschafft, alle Männer zu verheiraten. Einige wollen wohl Single bleiben...
Die verschwundene Kriegserklärung
Da das Spiel eigentlich erfolgreich beendet ist, will ich mich nun daran machen, die guten Beziehungen mit den Nachbarn auf eine harte Probe zu stellen. Ich marschiere mit all meinen Bataillonen und einigen anderen Dingen wie Kanonenwagen in eine mir angrenzende Stadt. Keine Gegenwehr. Auch ein Erstschlag ist nicht möglich. Als ich die Stadtmauer der Fremden einreißen wollte, haben sich meine Soldaten auf der selbigen positioniert und verteidigen nun die fremde Stadt. Ich muss wohl als erstes die Diplomatischen Beziehungen etwas beschädigen, bevor ich an Krieg denken kann. Doch wie? Das Handbuch zeigt auch hier wenig Kooperation. In der Community auf Siedler.de wurde ich dann fündig, dass dies gar nicht möglich ist. Ausgesprochen schade.
Etwas Gemüse gefällig?
Für die Vegetarier unter uns hat Ubisoft sich etwas Neues einfallen lassen. Erstmals wird nach dem Release dieses Spiels eine Vegetarier-Version erscheinen, die auf jegliche Jagd von Tieren und Fischen verzichtet. Diese Version soll es kostenlos zum Download geben.
Ein grafisches Meisterwerk
 Die Siedlung im Winter
Bevor ich zum Fazit komme, ein paar Worte zur technischen Umsetzung. Neu ist das Wetter beziehungsweise die Jahreszeiten. Diese werden grafisch sehr anspruchsvoll dargestellt. Auch die Tatsache, dass ich bestimmte Rohstoffe nicht abbauen kann, solange Winter herrscht, ist eine durchaus positive Eigenschaft des Spiels.
Daneben gibt es noch vier Klimazonen (der raue Norden, die mittleren Breitengrade, der Südliche Raum und die Steppen- und Wüstenlandschaften). Alle haben ihre Vor- und Nachteile, die den Verlauf des Spiels beeinflussen. Sie sind eine Bereicherung für das Spiel. Ebenfalls der Rest des Spiels ist durchaus sehenswert. Auch wenn ich die klassischen Siedler bevorzuge, so sind diese hier doch sehr detailreich, genauso wie die Gebäude und andere Objekte, was das Spiel sehr authentisch macht.
Die Spielmusik wurde von dem Brandenburger Staatsorchester aufgezeichnet. Wenn ich diese Information nicht vorab gelesen hätte, wäre es mir aber wahrscheinlich nicht aufgefallen. Das soll nicht heißen, dass die musikalische Untermalung schlecht ist, sondern dass diese genauso abwechslungsreich und passend ist, wie bei den vergangenen Titeln auch.
Fazit: Erst testen, dann kaufen...
|
Bewertung
|
| Grafik: |
 |
| Sound: |
 |
| Gameplay: |
 |
| Atmosphäre: |
 |
| |
| 88 |
 |
|
 Eine Siedlung
Leider musste ich feststellen, dass es nicht an der Karte lag, dass sich das Spiel (wenn ich die vergangenen Siedler-Titel als Vergleich heranziehe) so schnell und einfach durchspielen ließ. Weder auf anderen "Freies Spiel"-Karten, noch in den Kampagnen wurde es wirklich knifflig. Die meisten Probleme kamen dabei auf, die Abläufe und die Steuerung zu erlernen. Also ein völliger Gegensatz zu den bisherigen Titeln.
Das soll nun aber auch nicht heißen, dass bei "Aufstieg eines Königreichs" kein Spielspaß aufkommt. Man kann sich durchaus einige Stunden mit dem Spiel vergnügen! Ich denke mir aber, dass man ein bisschen mehr Zeit in die Entwicklung hätte stecken sollen. Eine Kaufempfehlung werde ich an dieser Stelle dennoch nicht aussprechen. Hier empfehle ich zunächst die Demo-Version auf siedler.de herunterzuladen und sich selber ein Bild zu machen.
Links:
:: Test: Die Siedler 2: Die nächste Generation
:: Test: Die Siedler 5: Das Erbe der Könige
:: Test: Die Siedler 5: Nebelreich
:: Die offizielle Siedler-Website
:: "Die Siedler 6: Aufstieg eines Königreichs" kaufen
|