Nibiru - Der Bote der Götter
getestet von Dennis Pauler, vertont von Maren Pauler
Martin Holan ist ein Archäologe, der seine meiste Zeit hinter einem PC oder in staubigen Archiven verbringt - nicht gerade sonderlich aufregend. Da kommt ihm ein Ausflug nach Prag gerade recht. Sein Onkel, ein Archäologie-Professor, informiert ihn über ein geheimes deutsches Projekt aus dem zweiten Weltkrieg: Nibiru. Was es genau damit auf sich hat, bleibt zunächst vage, auf alle Fälle hat es aber etwas mit Außerirdischen zu tun. Forschten die Deutschen etwa an einer neuen Wunderwaffe? Hinweise darauf sind jedenfalls in einem kürzlich entdeckten Tunnelsystem aus dem zweiten Weltkrieg aufgetaucht – doch die Zeit drängt. Martin scheint nicht der einzige zu sein, der dem Geheimnis auf der Spur ist. Seine Kontaktperson wird getötet und auch er selbst muss sich auf seiner Reise um die Welt vorsehen. Fremde Länder und mystische Orte liegen auf seinem Weg, doch die Gefahren sind zahlreich...
Willkommen im Jetzt
Martin recherchiert nicht nur in staubigen Archiven...
Nibiru bringt das klassische Point-and-Click-Adventure-Genre auf aktuellen Stand: Die Grafik ist hoch aufgelöst, schön anzusehen und detailreich – da die Hintergründe aber alle gerendert sind, sind sie manchmal etwas steril. Die Charaktere sehen sehr realistisch aus und sind schön flüssig animiert – allerdings scheinen sie durch die drohende Gefahr etwas verkrampft zu sein. Martin läuft, als hätte er einen Stock verschluckt und schlägt dabei Haken wie ein Hase. Die Lippenbewegungen sind nicht wirklich synchron, sodass manche Gespräche an schlecht übersetzte Verkaufshows erinnern. Wenn man sich aber mal daran gewöhnt hat, dann stört das nicht sonderlich. Die sparsam eingesetzte Musik trägt viel zur mystischen Atmosphäre bei und die Soundeffekte gehören zum Besten, was man in Adventures bisher gehört hat. Auch die Sprecher sind, wie beim Publisher Anaconda gewohnt, wieder erstklassig.
...sondern auch in geheimnisvollen unterirdischen Tunneln.
Leider hat die Story jedoch einige Längen. So wird zwar immer wieder gesagt, dass die Zeit drängt und Gefahr im Verzug ist, der Eindruck verwischt sich beim Spielen aber sehr schnell. Schon das Intro ist eher unspektakulär und im Spiel läuft man dann recht gemütlich von Ort zu Ort. Schade – mit den Grundelementen Archäologie, Nazis und Mystik hat Martin die besten Voraussetzungen für einen modernen Indiana Jones. Etwas mehr Action hätte dem Spiel allerdings gut getan. Auch bleibt einem der Hauptcharakter seltsam fremd. Außer seinem Beruf erfährt man kaum etwas von ihm und seine sehr zurückhaltenden Kommentare sorgen auch eher weniger dafür, dass man ihn in sein Herz schließt. Bei den anderen Personen im Spiel ist das ähnlich – meistens hat man viel zu kurz mit ihnen zu tun, um irgendeine emotionale Bindung mit ihnen aufbauen zu können.
Das Rätseldesign ist solide – allerdings ist das Spiel sehr linear aufgebaut. Bei wichtigen Gegenständen verändert sich die Farbe des Mauszeigers und weist somit darauf hin, dass es dort Handlungsmöglichkeiten gibt. Hat der Gegenstand seinen Zweck erfüllt, so verschwindet die Hervorhebung.Es werden also immer nur die Gegenstände als anklickbar gezeigt, mit denen man im Augenblick eine sinnvolle Aktion durchführen kann. Dadurch hat man kaum die Möglichkeit, ein Rätsel beiseite zu legen und erst etwas anderes auszuprobieren und der Schwierigkeitsgrad hält sich ebenfalls in Grenzen, da irgendwann simples Kombinieren von "Alles mit Allem" unweigerlich zur Lösung führt. Auf der anderen Seite hilft das aber natürlich dabei, die Story fokussiert voranzutreiben, sodass man bei Nibiru wie in kaum einem anderen Spiel den Eindruck hat, einen interaktiven Film zu spielen. Die Steuerung erfolgt ausschließlich mit den beiden Mausknöpfen und dem Inventar, Aktionsicons oder eine Verbliste gibt es nicht.
Fazit
Nibiru hat nicht unbedingt das Zeug zu einem Klassiker – im Vergleich zum seinem Quasi-Vorgänger "Black Mirror" haben sich einige Sachen sogar verschlechtert. Wer allerdings ein Adventure sucht, das nicht zu kompliziert ist und mehr auf ernsthafte Geschichten statt auf Klamauk á la "Monkey Island" steht, der wird hier bestens bedient. Zumal der andere bekannte Archäologe mit dem Hut und der Peitsche wohl so bald keine Point-and-Click-Abenteuer mehr erleben wird...
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