The Curse of Monkey Island
getestet von Dennis Pauler
Wie alles begann...
Wir erinnern uns: Der erste Teil "The Secret of Monkey Island" handelt von einem Jungen mit dem unaussprechlichen Namen Guybrush Threepwood, der gerne Pirat werden will und sich dabei in die Gouverneurin Elaine Marley verliebt. Als er die drei Piratenprüfungen endlich bestanden hat, wird Elaine vom Geisterpiraten LeChuck entführt. Guybrush folgt ihm nach Monkey Island und vernicht den Schurken im Showdown mit einer Flasche Malzbier.
Im Nachfolger "Le Chuck's Revenge" ist Guybrush auf der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz "Big Whoop", als sich plötzlich sein größter Alptraum bewahrheitet: LeChuck ist wieder da! Guybrush hatte zwar im ersten Teil den Geist von LeChuck vernichtet, aber er war so unvorsichtig, einem ehemaligen Handlanger von LeChuck seine Trophäe zu zeigen: LeChuck noch lebenden Bart. Mit Hilfe des Bartes gelingt es seinen Helfern, ihn wieder zum Leben zu erwecken (die kleine Unwesentlichkeit, dass sein Körper schon leicht verwest ist, stört den nach Rache sinnenden LeChuck dabei nur wenig). Laut Aussage der Voodoo-Priesterin ist Big Whoop Guybrushs einzige Chance, LeChuck zu entkommen. Gegen Ende des Spiels findet Guybrush Big Whoop, besiegt LeChuck und wacht plötzlich auf einem Jahrmarkt als kleiner Junge auf um festzustellen, dass er alles nur geträumt hat.
Der dritte Teil der Affeninsel-Saga beginnt mit einem fulminanten Zeichentrick-Intro in Disney-Qualität, das den originellen Fortgang der Geschichte beschreibt. Wir begegnen Guybrush, wie er einsam in der Karibik treibt. Offensichtlich ist das ein Bruch mit dem Ende des zweiten Teil - oder etwa doch nicht? Guybrush treibt nämlich in einem Autoscooter-Wagen und hat zwei Heliumbaloons dabei. Die wahren Hintergründe von Big Whoop bleiben jedoch erstmal verborgen und enthüllen sich erst im Laufe des Spiels.
Als wir Guybrush treffen hadert er gerade mit seinem Schicksal und ist kurz vor dem Verdursten, als er plötzlich mitten in eine Schlacht gerät. Der Zombiepirat LeChuck greift Plunder Island an und versucht die Gouverneurin Elaine Marley (mal wieder) zu überreden, ihn zu heiraten. Guybrush wird von LeChuck gefangen, schafft es aber sich zu befreien und die Schlacht zu Elaines Gunsten zu entscheiden. LeChucks Schiff versinkt und Guybrush nutzt die Gunst der Stunde um seiner alten Liebe Elaine seinerseits einen Heiratsantrag zu machen. Als er ihr einen diamantenen Verlobungsring ansteckt, den er in LeChucks Schatzkammer gefunden hat, nimmt das Unglück jedoch seinen Lauf. Der Ring war verflucht und Elaine verwandelt sich in eine Goldstatue. Und damit beginnt eine der abgedrehtesten Stories seit dem Kult-Zeitabenteuer "Day of the Tentacle"...
Guybrush nutzt die Gunst der Stunde, um Elaine einen Antrag zu machen
Technisch gesehen hat sich seit Monkey Island 2 einiges getan: Feinste Super-VGA-Zeichentrickgrafik sowie einer der besten Computerspielesoundtracks aller Zeiten (die diesmal nach echter Band klingt) schmeicheln Augen und Ohren. Da verzeiht man gerne, dass sich die 3d-Grafik auf einige gerenderte Zwischensequenzen beschränkt. Gesteuert wird Guybrush mit LucasArts' bewährtem SCUMM-System. Mit Hilfe der sogenannten "Verbmünze" baut man Minisätze, wie z.B. "Sprich mit Murray" zusammen, indem man sich erst entweder die Hand, die Augen oder den Mund aussucht und dann den entsprechenden Gegenstand oder die Person anklickt. Klickt man irgendwo ins Bild, folgt Guybrush dem Mauszeiger und läuft zur angeklickten Stelle. Obwohl der Umfang der möglichen Aktionen damit stark abgenommen hat (waren es in "Maniac Mansion" noch 15 Verben, so sind es jetzt gerademal noch vier) leidet die Komplexität des Spiel und der Puzzles erstaunlicherweise nicht darunter. Anders als z.B. der Konkurrenz Sierra gelingt es LucasArts trotz der vereinfachten Bedienung, knackige, aber dennoch logische Rätsel für den Spieler bereit zu halten.
Wie schon in den vorigen Teilen ist das Spiel in mehrere Kapitel aufgeteilt, im Gegensatz zu den beiden Vorgängern sind es hier allerdings zwei Stück mehr, nämlich sechs. Während des Spiels trifft man auf viele alte Bekannte aus Monkey Island 1 und 2 (z.B. auf Stan, den Gebrauchtwarenhändler oder auf die vegetarischen Kanibalen) und auf etliche Anspielungen auf andere LucasArts-Spiele. Auch die Schwertkämpfe aus dem ersten Teil sind wieder mit dabei, diesmal mit ganz neuen Beleidigungen (Merke: Dein Verstand muss mindestens genauso scharf sein wie Deine Klinge!).
Monkey Island 3 bleibt zwar an fast allen Stellen auch für den Neueinsteiger verständlich, bis ins letzte Detail kann man es aber nur genießen, wenn man auch die Vorgänger gespielt hat - allerdings sollte das niemanden davon abhalten, "The Curse of Monkey Island" zu spielen, sondern höchstens motivieren, sich auch noch die beiden ersten Teile zuzulegen. An fast allen Stellen ist Monkey 3 auch für den weniger geübten Spieler lösbar, allerdings sollte man auch in der Lage sein, einige etwas verrückte Ideen zu haben. Für die Adventure-Profis gibt es außerdem noch den schweren "Oberaffig"-Modus. Die Komplexität des Spiels hat seit dem letzten Teil nochmal kräftig zugelegt; im leichten Modus ist man schon gut 30 Stunden oder mehr beschäftigt, im schweren Modus kommen nochmal einige Stunden dazu.
Ein kleines Manko ist der abrupte Schluss, dem man deutlich anmerkt, dass den Designern die Zeit ausgegangen ist. Der Showdown beschränkt sich auf die wichtigsten Szenen und auch das Extro selbst ist extrem kurz geraten (die nicht verwirklichten Konzepte für den Schluß sind übrigens auf diversen Monkey-Island-Fan-Seiten im Internet zu finden).
Fazit
"The Curse of Money Island" ist ein Spiel, dass dem weniger actionlastigen Spieler trotz seines Alters tagelange erstklassiger Unterhaltung bietet. Den Entwicklern ist es recht gut gelungen, den von vielen als verkorkst angesehen Schluß des zweiten Teils (der wohl zu den Alpträumen eines jeden Spieledesigners, der eine Fortsetzung schreiben soll, gehört) zu erklären und aufzulösen. Wie auch schon seine Vorgänger ist die Gag-Dichte hier enorm - da muss so manche Kino-Komödie vor Neid erblassen.
Wer das Spiel nicht schon sein eigen nennt, sollte sich also schleunigst mal beim Software-Shop seines Vertrauens danach umsehen...
Trailer zu "The Curse of Monkey Island"
weitere Artikel aus dem Ressort Games
Wie eine Videospiel-Figur die Welt eroberte
Die Geschichte von Super Mario
Von Boris Ottitzky. Nintendos Mario ist die dienstälteste Figur, die extra für Computerspiele entwickelt wurde. Seit nunmehr über 20 Jahren erfreuen Mario und sein Bruder Luigi jung und alt. Wir werfen einen Blick zurück auf seine Anfänge und in die Zukunft. Außerdem werfen einen Blick darauf, wo Mario außerhalb der Spielkonsolen aufgetaucht ist.
Weitere Artikel:
:: NINTENDO DS: Zwei Bildschirme für die Hosentasche
:: SECRET MARYO CHRONICLES: Super Mario auf dem PC
:: MEGA MARIO: Mario strikes back!
:: SUPER TUX: Der Linux-Pinguin auf Rettungsmission

Jagd nach der Höchstgeschwindigkeit
Need for Speed: Pro Street
Von Karsten Schindler. Mit "Need For Speed: Pro Street" ist eine weitere Fortsetzung der bekannten und Genre-prägenden Reihe in den Regalen aufgetaucht. Der Vorgänger "Need for Speed Carbon" war das wohl schlechteste NFS aller Zeiten. "Carbon" konnte nur durch tolle Schauspieler in den Sequenz-Filmchen auftrumpfen, ansonsten fiel es leider mehr durch lieblose Welten und unfair geskriptete Rennen auf. EA war mit einer Fortsetzung also deutlich in Zugzwang. Bei uns erfahrt Ihr, wie sich der neuste Teil der Reihe schlägt.
Weitere Artikel:
:: OVERSPEED: Solides Fahren mit heißen Reifen
:: STREET RACING SYNDICATE: Handheld-Straßenrennen
:: NFS UNDERGROUND 2: Rennen im Untergrund
:: IN 80 TAGEN UM DIE WELT: Zu Lande, zu Zug und zu Kamel

Engel im 5. Jahrtausend
Perry Rhodan - The Adventure
Von Dennis Pauler. Die solare Residenz wurde angegriffen, Mondra Diamond wurde entführt und Perry Rhodan steht unter Hausarrest. Der lässt sich das natürlich nicht gefallen und macht sich auf die Suche nach der Herkunft der Angreifer. Ob die engelsgleichen Illochim damit etwas zu tun haben?
Nach über 2400 Heftromanen kommt Perry Rhodan als klassisches Point'n'Click-Adventure auf den PC. Das Spiel verbindet alte Tugenden mit einer spannenden Geschichte...
Weitere Artikel:
:: EXPERIENCE 112: Viel Wirbel um Nichts
:: ANKH 3: Wettstreit um Ägypten
:: BONE GOLD: Niedliche Knochen auf der Flucht
|