Lost - Via Domus
Nach dem großen Erfolg der "Robinson Crusoe"-meets-"Die geheimnisvolle Insel"-Serie Lost in ihrem Erzeugerland, den USA, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Mystery-Reihe ihren Weg auf heimische PCs finden würde. Streng genommen ist "Lost - Via Domus" aber nicht das erste Spiel. Bereits früher veranstalteten die Macher kleine Web-Adventures, in denen die geneigten Zuschauer ein wenig tiefer in bestimmte Handlungsstränge eintauchen konnten, und zumeist mit netten kleinen Insights belohnt wurden. So ist der neue Titel streng genommen auch nur eine Fortführung bzw. Erweiterung eben jenes Konzeptes.
getestet von Falk T. Puschmann
Der Spieler schlüpft in die Rolle eines von Amnesie geplagten Fotografen, der zusammen mit den bekannten Seriencharakteren ums Überleben und den Wiedererwerb seiner Vergangenheit kämpfen muss. Dabei wurde bei der Grafik sehr viel Liebe aufs Detail gegeben und so sehen wir viele aus der Serie bereits bekannte Orte wieder und können uns dort ein wenig umsehen. Die Texturen sind dabei besonders gelungen und so offenbart sich dem Besitzer einer hochgezüchteten Spielemaschine ein echtes Eye-Candy. Aufpassen müssen allerdings Besitzer von Notebooks, den hier stoßen viele Geräte trotz mobiler GeForce- oder Radeon-Power an ihre Limits. So wird auch explizit auf der Packung darauf hingewiesen, dass Notebookgrafikkarten offiziell nicht unterstütz werden. Auf unserem Testsystem - einem Dual-Core 1,66 Mhz Notebook mit 2 GB Arbeitsspeicher und mobiler nVidia GeForce Karte, wurde der Spielfluss trotz Deaktivierung aller Details oft von Hängern beeinträchtigt.
Ansonsten hat man sich auch bei den anderen Bereichen wie Musik, Effekte und Sprache sehr viel Mühe gegeben. Außerdem lässt sich die Spielsprache per Option wechseln, so dass man wahlweise z.B. die deutsche Synchro oder das Überseeoriginal hören kann. In beiden Fällen wurde auf die Orginalbesetzung zurückgegriffen, was für eine kräftige Portion Atmosphäre sorgt. Abzüge gibt es hier trotzdem, denn die Animation der Akteure ist teilweise sehr stockend, was regelmäßig für kräftigen Stimmungseinbruch führt.
Außerdem wird der exzessive Losti auch über den einen oder anderen Abfolgefehler stolpern, der aber dank eines Twists am Ende - den wir hier verständlicherweise vorenthalten - wieder grade gebogen wird. Die Story selbst ist aufgeteilt in sieben kleine Episoden, die jeweils wie eine Lost-Serienfolge mit Vorspann und "Lost"-Endschriftzug versehen wurde. Man merkt schnell, dass sich das Spiel vor allem an die Gelegenheitsspieler unter den Serienfans richtet, denn der erfahrene Zocker hat das gute Stück an einem Abend durch.
Locke ist mysteriös wie immer
Die erzählte Geschichte wird über besagte Episoden quer durch die ersten drei Staffeln von "Lost" geführt und klinkt sich - wie man das schon in der 14. Episode der 3. Staffel gemacht hat - in bekannte Ereignisse der Serie ein. Dadurch wird das Spiel allerdings für alle "Lost"-unkenntlichen Spieler unattraktiv, da die einzelnen Charaktere und Begebenheiten grundsätzlich nur kurz angerissen werden.
Zwei weitere kleine Haare in der Suppe sind zum einen, dass die Spielwelt zwar sehr detailliert ist, aber relativ leer. Wir treffen so z.B. auch im Camp unserer Überlebenden nur jeweils 2-3 Charaktere gleichzeitig. Auch die Dialoge verlaufen, wie das restliche Spiel, extrem Linear, so dass ich als Vielspieler kaum den Begriff Adventure verwenden möchte. Denn es finden neben allerlei Denksportaufgaben, kleinen Minispielen und Actionszenen nur rudimentär klassische Point & Klick Rätsel statt.
Ein Minuspunkt gibt es im speziellen für die deutsche Übersetzung der Dialoge. Hier ergeben manche Passagen recht wenig Sinn.
Fazit
Auch die Luke lädt zum Erforschen ein...
"Lost - Via Domus" ist vor allem kurzweilige Unterhaltung für "Lost"-belesene Gelegenheitsspieler, die aber nichtsdestotrotz über eine starke Grafikkarte und eine solide Rechenleistung verfügen. Wer die Fernsehreihe schon nicht mochte, sollte einen Bogen um den Titel machen und lieber bei anderen Adventures zuschlagen. Fans der Reihe sollten einmal reinschnüffeln, denn gerade die Möglichkeit, bestimmte Orte, wie "Black Rock" und weitere Handlungsorte wie die Luke besuchen zu können, sorgt für Lostiges Feeling. Aber nicht traurig sein, wenn es schnell vorbei ist. Die nächsten Folgen aus USA kommen ja - dort ist die Ausstrahlung der 4. Staffel in vollem Gange.
Und wie schon gesagt, werden hier zwar einige Handlungsstränge der Serie etwas genauer dargestellt, wirklich neues gibt es eigentlich nicht bzw. wenig. Aber das Konzept kennt man ja als "Lost"-Zuschauer sowieso schon.
Also nicht verloren gehen!
Trailer zu "Lost - Via Domus"
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