Half Life 2
getestet von Tim Sommerrock, vertont von Markus Holler
Nach sechs Jahren Entwicklungszeit und mehreren Releaseverschiebungen fieberte die eingefleischte Spielergemeinde der Neuauflage des wohl erfolgreichsten PC-Spiels überhaupt entgegen. Pünktlich zum anlaufenden Weihnachtsgeschäft erschien im November der Ego-Shooter Half-Life 2, dessen Story nahtlos an den ersten Teil an knüpft. Dabei versucht Gordon Freeman mit einigen Überlebenden von Black Mesa, die Welt von der Unterjochung der sogenannten Combine, welche die Erde in einer Gewaltherrschaft kontrollieren, zu befreien.
Auch im zweiten Teil zeichnet sich Half-Life durch einen flüssigen Spielverlauf aus. Zwischensequenzen im eigentlichen Sinne gibt es nicht; in den Sequenzen, in denen die Handlung vorangetrieben wird, bleibt man stets Herr über die Steuerung und die Gesprächspartner schauen einem dabei, egal wo man steht, tief in die Augen. Nicht nur Texturen und Modelle sind hervorragend gelungen, sondern auch deren Animationen samt Mimik und Gestik. Half-Life 2 erreicht nicht ganz das Horror-Niveau von Doom 3, aber dafür ist man mitten im abwechslungsreichen Geschehen. Etliche Schock- und Lachmomente sorgen für ein beeindruckendes Spielerlebnis. Darüber hinaus besticht das Spiel durch eine sehenswerte KI. Obwohl Letztere nicht immer ganz ausgereizt erscheint, differiert das Verhalten der Charaktere je nach Spielsituation bzw. Gefahrsituation – wie im wahren Leben!
Der Spieler kann in 15 Episoden die hervorragende Grafik- und Physikengine genießen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Schon zu Beginn wird klar, dass die Grafik selbst bei mittlerem Detailgrad unglaublich realistisch erscheint. Die schier perfekt umgesetzte Spiel-Physik zeigt sich darin, dass man nahezu alle kleinen bis mittelgroßen Objekte unter den Gesetzen der Schwerkraft, der Reibung und des Auftriebs bewegen kann. Dazu gesellen sich Details, wie Einschusslöcher durch Projektile oder das realistische Zerbrechen von Gläsern und Kisten – selbst Schaukeln wiegen sich im Wind. Neben solchen amüsanten Spielereien hat die Physik-Engine zum Glück auch Einzug in den Spielablauf gehalten. Der Spieler stößt häufig auf leichtere Rätsel, in denen er zum Beispiel schwere Steine auf die eine Seite einer Wippe legen muss, damit er eine Anhöhe erreichen kann. Die beste Physik-Engine wäre nur halb soviel wert, wenn sie nicht auch bei den Waffen Verwendung finden würde. Von einer Schrotladung getroffene Gegner haut es von den Beinen, Granaten oder Raketenwerfer sorgen für kostenlosen Flugunterricht und die Gravity-Gun kann ohnehin alles, was des Physikers Herz begehrt. Heizungen lassen sich damit mühelos aus der Wand reißen, sodass man sie danach als Schutzschild verwenden kann.
Auch die Musikkulisse ist absolut filmreif. Viele zu den Ereignissen auf dem Bildschirm passende Kompositionen und punktegenaue Surround-Sounds für Schüsse und Explosionen, sowie eine sehr gute Sprachausgabe runden den überragenden Eindruck ab. Einziges Manko: um die volle Schönheit und die tollen Spezialeffekte bei einer flüssigen Spielbarkeit genießen zu können, muss man leider einen High-End-Rechner besitzen. Darüber hinaus nerven die häufigen und nicht ganz kurzen Ladepausen zwischen den jeweiligen Abschnitten mit fortschreitender Spieldauer.
Auf Grund der Zwangsregistrierung ist eine Internetanbindung ZWINGEND notwendig, um Half-Life 2 in Steam, dem Download-Portal von Valve, aktivieren und somit auch spielen zu können. Das sehr lange Freischalten des Titels sorgte bei Usern für Verunsicherung und erscheint nicht wirklich durchdacht. Da nicht nur alle Online-Käufer, sondern auch Kunden mit einer regulären Handelsversion zunächst online einen Steam-Account bei Valve anlegen mussten, um Ihr Spiel freizuschalten, war der Andrang auf die Valve-Server immens - und wie von vielen vorhergesehen, versagte natürlich die Technik, so dass sich die Foren weltweit schnell mit enttäuschten Spielern füllten, die die Vollversion zwar installiert hatten, aber nicht starten konnten. Darüber hinaus muss das Spiel erst deaktiviert werden, bevor es erneut installiert werden kann. Eine weitere Besonderheit besteht in der nachträglichen Änderung der Endnutzer-Lizenzvereinbarung. So hat sich Valve noch nach dem Verkaufsstart die Möglichkeit eingeräumt, auch nach dem Kauf – und damit nach der Bezahlung des normalen Preises! - erneut Geld für das Spiel verlangen zu können, wenn dies 30 Tage im voraus angekündigt wird. Des Weiteren soll ein Weiterverkauf des Spiels strafbar sein.
Fazit
Dennoch tut das fragwürdige Geschäftsgebaren des Herstellers dem tollen Gesamteindruck keinen Abbruch. Half-Life 2 ist einer der besten Ego-Shooter aller Zeiten und ist, wie bereits der Vorgänger, schlichtweg Kult. Sechs Jahre nach Erscheinen des revolutionären Ego-Shooters Half-Life, zeigt Valve erneut wo das Brecheisen hängt. Als Fazit schließe ich mich den Worten eines bekannten Spielemagazins an: "Dieses Spiel braucht keine Wertung, dieses Spiel braucht ein Denkmal!"
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