Experience 112
getestet und vertont von David Meiländer
Eine junge Frau liegt auf einem Bett. Ihre Haare sind rot und sie trägt ein grünliches Oberteil. Plötzlich wacht sie auf, fasst sich an den Kopf. Störungen überziehen das Bild, das offenbar von einer Überwachungskamera stammt. Die Frau setzt sich auf, findet neben sich ein Blatt Papier und beginnt laut zu lesen: "Lea, wenn Du diesen Brief liest, bedeutet das, dass Du überlebt hast. Ein schreckliches Ereignis. Alles zerstört." In diesem Moment bemerkt sie uns, den Spieler, und erschrickt. Wenn die Kameras eingeschaltet sind, so denkt sie, muss sie auch jemand beobachten. Panik überkommt sie und schließlich doch die Vernunft.. "Wer ist da? John? Bist Du das? Was ist hier passiert? Alles ist zerstört? Dieser Nebel! Und überall diese Pflanzen! [...][...] Egal, ich brauche Dich. Du bist in der Überwachungszentrale und brauchst einen Code, um das System hochzufahren. Der Code lautet Edehn. Gibt ihn ein!"
Einzigartiges Gameplay...
Über mehrere Kameras kann man Lea Nichols beobachten
Dies sind die ersten Minuten aus dem Spiel "Experience 112", das schon im Vorfeld viel Furore machte. Das "innovativste Spielerlebnis seit Jahren", verkündete der Hersteller, eine "völlig neue Form des Adventures", bewerteten die ersten Kritiker. Auf dem französischen Festival "du Jeu Vidéo" räumte das Spiel gleich drei Preise ab, unter anderem als bestes Computerspiel im Jahr 2007.
In der Tat ist "Experience 112" einzigartig. Statt die Hauptfigur mit den Pfeiltasten oder gar mit der Maus zu steuern, interagiert man mit ihr lediglich über ein gigantisches Überwachungssystem, das auf dem gestrandeten Super-Tanker, auf dem alles spielt, vor vielen Jahren installiert wurde. Lea Nichols heißt die Protagonistin, Wissenschaftlerin in einer Forschungsmission, die scheinbar ein schreckliches Ende genommen haben muss. Mit maximal drei Kameras, die überall verteilt sind, kann man Lea beobachten, ihr Türen öffnen, Computer und Maschinen einschalten. Dabei ist sie völlig auf uns, den Spieler, angewiesen. Reden können wir mit Lea aber nicht, ihr lediglich mit Bewegungen der Kamera und vor allem den Lichtschaltern den Weg zeigen.
...aber langatmige Story
Mit den Computerterminals kann uns die rothaarige Schönheit Aufträge geben
Ein völlig neuartiges Konzept, das für sein Prinzip zurecht gelobt wird. Das Spiel und seine Handlung allerdings lassen zu wünschen übrig. "Experience 112" erzählt die Geschichte über ein misslungenes Experiment mit einer neuen Spezies, bleibt dabei aber den größten Teil der ersten Spielstunden sehr vage. Die Handlung besteht lediglich aus Rumlaufen, Rumlaufen und Rumlaufen. Ab und zu erzählt Lea aus ihrer Vergangenheit und kurze Flashbacks lassen einen Einblick in die Vergangenheit zu. Das passiert aber so langsam und zögerlich, dass dem Spieler das ein oder andere Mal wohl ganz unfreiwillig ein Gähnen entfahren wird.
Auch die Interaktion mit Lea ist auf den zweiten Blick eher umständlich. Wenn wir das Licht ein und ausschalten, geht sie zwar relativ schnell dorthin, manchmal aber bleibt sie auch einfach stehen oder bemerkt uns nicht - da kann man klicken so viel man will. Die "automatische Kamerasuche", die es dem Spieler ermöglichen soll, ohne viel Herumdrücken Lea im Blick zu haben, funktioniert nicht immer. Es kostet viel Zeit und viele Nerven, bis man sich hier zurecht gefunden hat.
Nur etwas für Hardcore-Zocker
Im Laufe der Zeit schalten sich Features frei, wie hier die Wärmesicht
Eine nette Idee sind die Zugangscodes. Nicht nur für Lea Nichols, auch für alle anderen Besatzungsmitglieder gibt es Accounts, die es zu knacken gilt. Dabei kann man mit ein bisschen Knobelarbeit viel selbst herausfinden und somit deutlich schneller durchs Spiel kommen. Ein Notizblock ist dabei Pflicht, denn sonst könnte man die vielen Informationen gar nicht im Kopf behalten.
Alles in allem lebt das Spiel vor allem von seiner Innovationsfähigkeit, verliert aber schnell an Glanz. Die Grafik ist mittelmäßig, denn Lea ist sehr grob gezeichnet und die Umgebung schlecht animiert. Die Handlung besteht zum Größtenteil aus "Nichts" und genau das macht die Minus-Punkte aus. Denn nichts ist bei einem Adventure wichtiger als die Handlung. "Experience 112" ist ein Spiel, das nur die Hardcore -Zocker begeistern kann - den Durchschnittsspieler haut es nicht vom Hocker.
Trailer zu "Experience 112"
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