Star Trek: Deep Space Nine - The Fallen
getestet von Roland Austinat
Erfreulich: Die Zeit der schlechten Star-Trek-Titeln scheint vorüber zu sein.
Nach Star Trek: Armada und Star Trek Voyager: Elite Force war "Star Trek DS9: The Fallen" anno 2000
schon der dritte gute Trek-Titel.
Handlungstechnisch blendeten die Designer des
drolligerweise "The Collective" (Widerstand ist zwecklos!) genannten
Entwicklerstudios ans Ende der sechsten Staffel zurück: zur Sternzeit 51957,1,
wenn Sie es genau wissen wollen, einer Zeit, in der Ezri noch Jadzia hieß. Gleich
zwei Dinge, die auf den ersten Blick scheinbar nichts miteinander zu tun haben, sorgen
auf der Raumstation am Rand des Wurmlochs für Aufruhr: die Leichen zweier Cardassianer,
die zur Hälfte in der Außenwand der Station »stecken«, und der bajoranische
Ex-Widerständler Prylar Obanak Keelen, ein alter Weggefährte Major Kiras. Und
das trotz seiner Faszination für die Pah-Geister, jener Wesen, die das Volk der
Propheten vor langer Zeit aus dem Wurmloch verbannte. Obanak will unbedingt die roten
Drehkörper dieser Pah-Geister finden, mit deren Hilfe er sich Zugang zum Wurmloch
verspricht. Hinter den Drehkörpern sind auch die Cardassianer, die Föderation
und das Dominion her - ein intergalaktisches Wettrennen um unvorstellbare Macht beginnt.
Drei Helden - ein Spiel
Da die Pah-Geister die Bösen sind, ist klar, wen Sie steuern dürfen: die Guten,
und zwar Captain Sisko, Major Kira und Lieutenant Commander Worf. Dabei spielen Sie mit
allen Helden die gleiche Geschichte, nicht aber die gleichen Level. Während Sisko und
seine Mannen etwa einem angegriffenen bajoranischen Raumschiff zu Hilfe eilen, sucht Kira
auf Bajor nach Prylar Obanak. In wichtigen Momenten sind dann wieder alle drei vereint.
Sehr coole Idee, auch wenn im späteren Spielverlauf die Handlungsfäden der
einzelnen Charaktere alle in der gleichen Umgebung spielen. Je nach Zählweise gibt es
acht beziehungsweise zehn solcher Szenarien, die alles in allem rund 40 Sublevel enthalten.
Zwischen den Einsätzen machen Sie auf DS9 Pause, durchstöbern dort Ihre -
aktualisierten - Datenbanken oder sehen sich auf der Ops oder dem Promenadendeck um.
Dort fehlt nichts: Egal, ob Garaks Schneiderei, das Quark's, der bajoranische Tempel,
die Krankenstation oder Odos Sicherheitszentrale - alle Serienlieblinge gehen an gewohnter
Stelle ihrem Tagwerk nach und sparen nicht mit Kommentaren. Die enthalten teilweise
Hintergrundinformationen oder Hinweise auf das weitere Vorgehen und schaffen
Atmosphäre wie in alten »Wing Commander«-Zeiten. Haben Sie genug gesehen, geht's durch
die Luftschleuse ins nächste Abenteuer.
Lebensform voraus!
Die Missionen sind sehr abwechslungsreich: Unter anderem verteidigen Sie die Defiant gegen
Eindringlinge, jagen Agenten auf DS9, retten Schiffbrüchige, erforschen unterirdische
Tempelanlagen, brechen aus einem Gefängnis aus oder suchen einen Fluchtweg aus einem
belagerten Kloster. Die linear aufgebauten Areale enthalten oft kleine Bonusgebiete, in
denen Munition oder Hypo-Sprays (bringen Lebenskraft zurück) versteckt sind.
Zahlreiche Script-Events, die wie die Zwischensequenzen in Spielgrafik dargestellt werden,
machen das Geschehen noch lebendiger.
Die Rätsel sind recht einfach gehalten: Sie suchen Schlüsselkarten für
versperrte Türen, aktivieren Generatoren oder drücken Schalter. Der Tricorder
spielt jedoch jetzt eine entscheidende Rolle: Er enthüllt wie in der Serie selbst
durch Wände hindurch, ob sich Gegner, Versorgungsgüter oder andere Objekte in
der Nachbarschaft befinden. Und wie im Film Aliens schlägt einem das Herz schneller,
wenn auf dem Tricorder mit einem sanften Ping unbekannte Lebensformen näher kommen.
Mit dem Communicator fordern Sie Munition oder Medizin an, Funksprüche der anderen
Crew-Mitglieder - die zum Nachlesen gespeichert werden - schaffen nicht nur
Atmosphäre: Die Daheimgebliebenen geben Ihnen oft konkrete Hinweise.
Film-Gefühle
Kein Action-Adventure ohne Action: Vom Faustschlag bis zur EM-Pulskanone (Beckenbauer?)
reicht das Angebot. Fast jede der elf Waffen besitzt eine durchschlagkräftigere,
jedoch energiezehrende Sekundär-Funktion, etwa einen Scharfschützen-Modus beim
Phasergewehr. Kira und Sisko besitzen zu Beginn einen automatisch nachladenden Phaser,
Worf muss sich mit einem Bat'leth begnügen.
Manche Schutzschirme knacken Sie nur, wenn Sie die Schirmfrequenz scannen, die dann
automatisch zum Phaser übertragen wird. Allerdings sorgt der Wechsel Tricorder/Waffe
bei fixen Angreifern für leichten Grimm: Warum sind nicht beide Hände
einsatzbereit? Noch ein Problem: die optionale automatische Zielerfassung. Macht gerade bei
mehreren schnellen, womöglich noch aus der Luft angreifenden Gegnern Sinn. Dumm nur,
dass das Fadenkreuz dann bevorzugt auf Personen wandert: So können Sie nicht mehrere
Feinde zugleich durch einen gezielten Schuss auf ein Giftmüll-Fass ins Jenseits
schicken.
Bewegungstechnisch beherrschen Kira & Co. die üblichen Action-Adventure-Übungen:
springen, kriechen, seitlich laufen, sich ducken, hangeln und dergleichen. Das allerdings
nicht so fein animiert wie etwa Ms. Croft - mag an der 3D-Shooter-Engine liegen, denn
teilweise gleiten die Figuren auch wie in einem solchen umher.
Optisch ist »The Fallen« eine Schau: Die aufgebohrte »Unreal Tournament«-Engine sorgt mit
farbig-düsteren Lichtfingern, Nebelschwaden und wunderschönen Wasser- oder
Lava-Animationen für einen »Sense of Wonder«, der der aseptischen Voyager-Serie
schmerzlich fehlt. Und die Klangkulisse macht selbst Interplays Tonabteilung Konkurrenz -
merken Sie sich den Namen Steven von Kampen.
Hoffen wir nur, dass »The Fallen« trotz des geringen Marketing-Hypes nicht in den Regalen
liegen bleibt - denn das Spiel ist Lichtjahre besser als schnell produzierte
»Blair Witch«-Dutzendware.
Fazit
Die DS9-Fans in der Redaktion sind sich einig: Mit solchen Stories wäre Deep Space
Nine nicht eingestellt worden! Die Geschichte um Pah-Geister, geheime
Cardassianer-Laboratorien und undurchsichtige Dominion-Intrigen ist große Klasse -
man merkt, dass das Szenario von echten Profis stammt, und zwar aus den
Millennium-Büchern der Trek-Autoren Judith und Garfield Reeves-Stevens. Auch technisch
ist The Fallen sehr genehm und deutlich spritziger als der Gamma-Quadranten-Opa DS9:
Harbinger.
Trotz 3D-Shooter-Grafik-Engine ist »The Fallen« ein reinrassiges Action-Adventure, das mit
Schaltersuche und plötzlich auftauchendem Gegner-Ungeziefer sogar Tomb-Raider-Flair
versprüht. Ziemlich genial finde ich die Idee der drei Handlungsstränge, die sich
immer wieder treffen. So wird das eher kurze Vergnügen nett verlängert. Alles in
allem ein rundes Spiel - nicht nur für Star-Trek-Fans.
Copyright: PC Player / Future-Verlag
Links:
:: "Star Trek DS9: The Fallen" bestellen
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