Dragon Quest Swords
Willkommen in der Welt von Dragon Quest Swords - oder, besser gesagt, in der Welt Avalonia.
getestet von Christopher Reif
Fünf Jahre sind vergangen, seit Xiphos der Todbringer von Degenhardt und seinen Recken besiegt wurde. Und wie jedes Jahr wird dies mit einem gigantischen Volksfest gefeiert, süße Speisen und Feuerwerk inklusive.
Doch an all dem hat unser Held kein Interesse, denn sein Hobby ist der Schwertkampf.
Und so verbringt er seine Zeit statt mit Zuckerwatte und Tanz in der Kampfarena des Schlosses, um vom großen Schwertmeister Dao zu lernen.
Sogar Degenhardt, der Vater unseres Helden, und der Prinz sind erschienen, um die Künste des Meisters zu betrachten.
Nur die Königin wird vermisst, da sie angeblich krank das Bett hüten muss.
Noch nicht mal ihr Sohn darf sie besuchen, und so ist das Volk von Avalonia ratlos, was mit der beliebten Herrscherin sein mag.
Ein echter Mann
Da haut es den Speerbär doch grad aus seinen Latschen.
Der nächste Tag ist genauso aufregend wie der vorige für unseren Protagonisten. Er wird volljährig. Und in Avalonia ist es Brauch, sich auf einen langen Weg in eine mysteriöse Höhle zu machen, um als richtiger Mann akzeptiert zu werden.
Für unseren jungen Helden natürlich kein Problem, ist er doch im Umgang mit seinem Schwert einer der Besten. So stellen auch die zahlreichen Monster auf dem Weg zur Höhle kein Problem für ihn dar.
Wieder zurück von dieser langen Reise müsste er nur noch der Königin von seinem Abenteuer berichten, um diesen Brauch zu vollenden.
Doch auch er wird nicht empfangen. Daher muss der Prinz für seine Mutter einspringen und ihn als rechtmäßigen Krieger Avalonias initiieren.
So bekommt unser tapferer Ritter auch schon die erste Aufgabe für sein Königreich.
Er soll den Prinzen in den geheimnisvollen Wald des Königreiches begleiten. Dort ist angeblich seine Mutter gesehen worden. Aber sollte sie nicht eigentlich im Bett liegen?
Grafik
Die Welt Avalonia ist liebevoll umgesetzt worden. Mit Zeichnungen von Akira Toriyama erinnern die Charaktere und Monster zwar alle ein bisschen an Figuren wie Son-Goku und Co. aus Dragonball, was aber nicht weiter störend ist. Auch der Zeichentrickstil der Grafik passt hervorragend zum Spiel.
Die Welt strahlt in den leuchtendsten Farben, und sowohl die Stadt als auch deren Umgebung sind mit zahlreichen Details ausgestattet.
Auch alle Schauplätze sehen unterschiedlich aus und haben eine eigene Atmosphäre. So kommt auch nie der Gedanke auf: "War ich hier nicht schon mal?".
Die Eingangspforte zum Schloss in seiner vollen Pracht.
Hin und wieder kommt es allerdings vor, dass Figuren und Bäume aus dem Nichts erscheinen oder sich erst aufbauen, wenn man direkt vor ihnen steht. Dies kann vor allem dann lästig sein, wenn man im Dorf eine Person suchen muss.
Die Welt der Töne und Klänge
Die Musik in Avalonia ist wirklich gelungen.
Sanft wird man von ihr überall hin begleitet und sie verändert sich je nach Situation, von leichtem Flötenspiel bis zu großartigen Orchesterklängen.
Mehr kann man sich kaum wünschen.
Auch die Kampfgeräusche klingen glaubhaft. Klirrende Schwerter und blockende Schilder überzeugen mit authentischen Klängen.
Gesprochen wird allerdings in Englisch mit deutschem Untertitel, und dieser auch nur von den wichtigsten Personen im Spiel.
Da dies nicht so viele sind, wäre es vielleicht schön gewesen, die paar Sätze zu synchronisieren.
Der K(r)ampf mit dem Controller
Der geflügelte Endgegner vom Vulkan Avalonias.
Hat er was mit der mysteriösen Maske zu tun?
Ja, die Steuerung. Mir fällt leider nur das Wort "Bockmist" dazu ein.
Gespielt und gesteuert wird allein mit der Wiimote.
Dies mag zwar im ersten Moment ganz nett klingen, da man kein Kabelgewirr vor sich hängen hat und man es locker mit einer Hand spielen kann, doch dies täuscht.
Unser Held wird per Steuerkreuz gelenkt. Schnelle Drehungen oder diagonales laufen sind somit nahezu unmöglich. Dies mag man am Anfang noch akzeptieren, nervt aber schon nach wenigen Spielminuten gewaltig.
So wünscht man sich nach kurzer Zeit einen Nunchuk um gezielter lenken zu können.
Nun zu den Kämpfen gegen die hartgesottenen Monster.
Immer wieder wird man in Kampfsequenzen geworfen, in denen man alle Monster auf dem Bildschirm in die ewigen Jagdgründe schicken muss.
Dann gilt es, sie anzuvisieren, mit dem A-Knopf das Ziel oder die Zielumgebung zu markieren und wild mit der Wiimote um sich schlagen.
Zwar werden einem Anfangs auch gezielte Schläge und verschiedene Schlagkombis beigebracht, doch kann man diese getrost vergessen, da die Wiimote einfach zu ungenau reagiert.
So wird aus jedem Kampf leider eine wilde Schüttelorgie.
Das Gameplay
Kurze Lagebesprechung unseres Helden mit seinen Kumpanen.
Der größte Minuspunkt im Spiel. Egoperspektive, unbewegliche Kameraführung und vorgetäuschte Freiheit. Doch eins nach dem anderen.
Die Egoperspektive an sich ist nicht das Schlimme, kennt man sie doch aus vielen Shootern oder ähnlichen Spielen. Doch sieht man in diesen Spielen wenigstens noch eine Waffe oder Hände vor sich. Dies fehlt in Dragon Quest komplett, worunter leider sehr die Identifikation mit dem Protagonisten leidet. Man wirkt doch eher wie eine Statue, die sich durch die Welt bewegt.
Dieses Gefühl wird noch durch die starre Kamera verstärkt. Sie befindet sich die gesamte Zeit in Höhe des Blickfeldes und bewegt sich keinen Millimeter von dort weg.
Man kann weder nach unten noch nach oben schauen, was die Sicht extrem stark einschränkt.
Und zuletzt die größte Enttäuschung: Wird einem auf dem Packungsrücken des Spieles noch versprochen, eine "weitläufige, lebendige 3D-Welt erkunden" zu können, kann man sich zwar in der Stadt noch frei bewegen, dies endet jedoch, sobald man durch die Tore in die Außenwelt tritt. Und hier beginnen auch die Interpretationsmöglichkeiten von weitläufig und lebendig. Man kann sich wirklich weit bewegen und man sieht auch mal, wie sich Gräser im Wind beugen, doch unser Held kann sich NUR vorwärts und rückwärts bewegen. Was die Erkundungsmöglichkeiten sehr stark einschränkt. Es macht leider so rein gar keinen Spaß durch die Welt zu laufen, wenn es einem nicht mal gestattet ist, nach links oder rechts zu schauen.
Währenddessen kann man immer wieder mal Steine, welche auf dem Weg liegen, umdrehen und hoffen, dass sich wichtige Items unter ihnen verbergen. So findet man auch mal eine Ritterrüstung unter einem faustgroßen Stein. Wie auch immer sie sich darunter verstecken konnte...
Am Ende eines dieser sehr linearen Wege wartet dann jeweils der Endboss. Nach zwei Angriffen hat man dann auch seine Taktik durchschaut und kann ihn sozusagen mit links besiegen. Leider auch nicht wirklich herausfordernd.
Fazit
Ich bin einfach enttäuscht. Die Grafik und die Story hätten so schön ausgebaut werden können. Auch die Musikuntermalung ist wirklich gelungen. Hätte man doch ein paar Rollenspielelemente hinzugefügt, anstatt einfach nur einen nutzlosen Stufenanstieg reinzupacken, wäre auch dies sicher schön geworden.
Doch stattdessen wird ein liebloses Spielprinzip mit vorgetäuschter Freiheit umgesetzt.
Trailer zu "Dragon Quest Swords"
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