The Bard's Tale
getestet von Dennis Pauler
Die Bard's Tale-Reihe kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Bereits Mitte der 80er Jahre machten sich viele Abenteuergruppen auf den Weg, um die Stadt Skara Brae zu befreien und bei dieser Gelegenheit ungezählte Monster zu vernichten. Es folgten zwei Fortsetzungen und Anfang der 90er erschien sogar ein Construction Kit, mit dem man eigene Geschichten um den Barden erstellen konnte. Technisch hatte sich seit 1985 allerdings nicht viel verändert - endlose runden- und textbasierte Kämpfe und 3d-Dungeons im Standbildverfahren.
Der neuste Teil der Reihe schickt sich jetzt an, den Barden ins 21. Jahrhundert zu katapultieren.
An die Harfe, fertig, los
Im Spiel bereist man abwechslungsreiche Landschaften.
Der Barde von heute ist allerdings kein selbstloser Geselle wie früher, sondern interessiert sich vor allem für eines: Geld. Viel Geld. Und wenn eine schöne Frau dazu kommt - umso besser. Die Welt retten? Viel zu gefährlich, das sollen lieber andere machen.
Dabei hat der Barde immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen - in Gesprächen kann man sich dazu oft entscheiden, ob man freundlich oder gemein sein will. Letzeres macht natürlich viel mehr Spaß.
Da er kein sonderlich angenehmer Zeitgenosse ist, reist der Barde meistens alleine - seine Begleiter sind in der Regel von ihm per magischer Melodie beschworene Helfer und Helden.
Man durchstreift also die Lande auf der Suche nach Macht, Geld und schönen Frauen, erledigt dabei vielfältige Haupt- und Nebenquests und schlachtet wie früher ungezählte Monster. Die Kämpfe finden nun in Diablo-Echtzeit-Manier statt, taktische Überlegungen treten dabei zu Gunsten der Action in den Hintergrund. Für den Angriff wird nicht mehr in einen besonderen Modus geschaltet, sondern alles findet in der gleichen Umgebung statt, die meistens aus der leicht schrägen Vogelperspektive betrachtet werden kann. Wird die Handlung in einem Gespräch fortgeführt, dann dreht sich die Ansicht ein wenig, sodass der Barde und sein Gesprächspartner schräg von der Seite sichtbar werden.
Augen und Ohren auf!
Die Feinde kommen gerne auch mal von allen Seiten...
Die Umgebung ist dabei sehr detailreich und kann stufenlos gezoomt und gedreht werden. Auch die Figuren und Monster sind sehr gelungen, allerdings bleiben sie genau wie der Barde gerne mal an Ecken und engen Durchgängen hängen.
Untermalt wird das Geschehen von vielfältigen Sound-Effekten und dezenter Musik. Besonders gelungen sind die von Zeit zu Zeit ins Spiel eingebaute Lied-Sequenzen, bei denen Charaktere aus dem Spiel einen Song zum Besten geben. Die Sprache ist gut ausgeführt und von professionellen Sprechern aufgenommen. So wird der Barde beispielsweise von Oliver Kalkove gesprochen und auch die deutsche Stimme von Captain Picard ist zu hören.
Fazit
Der Spielverlauf ist solide und meistens abwechslungsreich, auch wenn manches Mal wie in guten alten Zeiten der Fokus auf dem Kampf gegen unzählige Monster liegt. Die Stärke des Spiels liegt jedoch nicht in der Spielmechanik selbst - da gibt es viele andere Spiele, die das mindestens genauso gut umsetzen - sondern in dem einzigartigen Humor. Fans von Douglas Adams werden das Spiel spätestens bei den Zwiegesprächen zwischen dem Barden und dem Erzähler ihr Herz schließen. Leider geht von diesem besonderen Flair in der deutschen Version viel verloren, sodass diejenigen, die der englischen Sprache mächtig sind, unbedingt die ebenfalls enthaltene Original-Version spielen sollten.
Links:
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