Star Trek: Armada II
getestet von Roland Austinat
Konfuzius sagt: Angriff ist die beste Verteidigung. Anders ausgedrückt: Wenn die Borg nicht zum Alpha-Quadranten kommen, muss der Alpha-Quadrant eben zu den Borg kommen. Das denkt sich jedenfalls das Sternenflottenkommando, denn die Lage ist ernst: Nur sechs Monate ist es her, dass sich die kybernetischen Kameraden in den Alpha-Quadranten gewagt haben. Zum Glück konnten sie mit den vereinten Kräfte zahlreicher Föderations-Völker wieder in ihre Heimat, sagen wir, zurückgeschickt werden. Um jedoch solch unliebsamen Besuchern zukünftig vorzubeugen, plant die Sternenflotte einen bewaffneten Ausflug in den Delta-Quadranten, der Heimat der Borg. Wie heißt es dazu so schön im Handbuch? "Solch eine Operation birgt natürlich Risiken, die nur bedingt vorhersehbar sind." Während also das Gros der Flotte gegen die Borg aktiv ist, langweilen sich die Klingonen. Sie haben den kürzesten Strohhalm gezogen und müssen daheim Wache schieben. Doch das war ein guter Zufall, denn niemand anderes als die Cardassianer wittern nun ihre Chance, den Alpha-Quadranten im Handstreich zu übernehmen. Die Borg haben indes ganz andere Sorgen: Zu allem Unbill mit der Föderation beschließt nämlich Spezies 8472 aus dem Flüssigraum, dass es mal wieder Zeit für eine zünftige Borg-Jagd wäre. Erwähnten wir, dass auch Romulaner und Ferengi munter in den unendlichen Weiten aktiv sind?
Intergalaktisches Dreierlei
So lautet in groben Zügen die Geschichte von "Star Trek: Armada 2", dem Nachfolger des 2000 erschienenen Strategie-Überraschungserfolgs "Star Trek: Armada". Drei Kampagnen à zehn Missionen, bei denen Sie die Föderation, die Klingonen und die Borg steuern, sorgen für Abwechslung im All. Doch immer daran denken: "Star Trek: Armada 2" ist ein Strategiespiel. Das bedeutet: Ein schnelles Drauflosspielen, etwa wie beim hervorragenden Action-Titel "Star Trek Voyager: Elite Force", gibt's erst mal nicht. Schließlich will die Steuerung Ihres Schiffs beziehungsweise Ihrer Flotte(n) von jeweils 16 Raumern gelernt sein. Doch keine Angst, ein Tutorial macht Sie mit den wesentlichen Funktionen vertraut - und ganz so knüppelhartes Schiffs-Mikromanagement wie in "Star Trek: Starfleet Command" (Stichwort: Elektronische Gegen-Gegenmaßnahmen) müssen Sie nicht managen. So bleibt das Spiel auch für den Gelegenheitsstrategen zugänglich.
Plane und herrsche
Wie so ziemlich jedes Echtzeit-Strategiespiel der Neuzeit darf auch hier das umsichtige Verwalten von Ressourcen nicht fehlen. Ohne Dilithium, dass Sie auf Dilithium-Monden abbauen, bleiben die Lichter in Raumschiffen und -stationen dunkel. Erzgewinnungs-Anlagen liefern Metall, ohne das Ihre Raumflotte ein Papiertiger bleibt. Latinum erleichtert spürbar den Handel, treibt die Entwicklung neuer Technologien voran und wird, erstaunlich genug, aus sogenannten Latinum-Nebeln destilliert. Crewmitglieder und Offiziere bestimmen schließlich darüber, wie groß Ihre jeweilige Raumflotte wird. Ihr Personal rekrutieren Sie von frisch kolonisierten Welten oder diversen Raumstationen. Die sind sehr wichtig: Auf einer Forschungsstation arbeiten Wissenschaftler für klingendes Latinum an allerlei feinen Sonderausstattungen für Ihre Schiffe, je nach Kampagne beispielsweise Punktverteidigungs-Phaser, Plasma-Kanonen oder Auto-Assimilatoren. Das Latinum verdienen Sie sich mit Hilfe von Handelsstationen, bei denen die Ferengi gerne auf einen kleinen Deal vorbei schauen. Sollten Sie gerade zuviel Dilithium oder Metall besitzen, kein Problem: Dafür findet sich auf den Handelsstationen bestimmt ein Abnehmer. Kleine Ausnahmen bestätigen übrigens die Ressourcen-Regel: Die Borg machen sich nicht viel aus Latinum, Spezies 8472 benötigt kein Dilithium, sondern Biomasse für ihre organisch strukturierten Schiffe.
Welches Schiff hätten Sie denn gerne?
Sage und schreibe 163 unterschiedliche Schiffs-, Stations- und Waffentypen sind es, die von den drei Kampagnen-Völker und ihren drei gegnerischen Rassen, die Sie zusätzlich im Mehrspielermodus beziehungsweise in einem Soforteinsatz gegen einen Computergegner auswählen dürfen, aufgestellt werden. Darunter Klassiker wie die Galaxy-, die Intrepid- oder die Sovereign-Klasse der Sternenflotte, aber auch exotischere Kollegen wie eine klingonische Schockwellen-Station, ein aus acht Würfeln bestehender, taktischer Fusionskubus der Borg oder gar ein Metogenesekern der Spezies 8472. Für Abwechslung ist also gesorgt. Und nicht ohne Grund gibt's das Wörtchen "Armada" im Titel: Sie sollten bei allem Interesse, die 30 Missionen durchzuspielen, den Aufbau und die Weiterentwicklung Ihrer jeweiligen Flotte niemals vernachlässigen. Wenn Sie sich dem Gegner nur mit einer Handvoll Schiffen nähern, können Sie auch gleich die Selbstzerstörungssequenz einleiten.
Feuer frei!
Die Missionen der Kampagne sind durchaus abwechslungsreich: Sie führen gezielte Schläge gegen Ihre Feinde durch, kundschaften unbekanntes Gebiet aus, erobern gegnerische Welten oder assimilieren romulanische und klingonische Außenposten. Bei einem Kampf lohnt es sich, mit mehreren Schiffen in Formation aufzutreten. Sie dürfen dabei festlegen, in welchem Maße die Raumer eigenständig feuern und manövrieren. Der eigentliche Schlagabtausch läuft dann in Echtzeit ab, wobei Sie auf Mausklick Waffen auslösen und Ihre Flotte bewegen. Mit Energieverteilungen und der Instandsetzung einzelner Systeme müssen Sie sich nicht herum plagen. Sie sollten jedoch den Funktionszustand jedes Schiffs im Auge behalten, um es notfalls zu einer Reparaturpause aus dem direkten Kampfgetümmel heraus zu bugsieren. Der Weltraum wird - etwas unrealistisch, doch übersichtlich - stets zweidimensional dargestellt. Deswegen lassen sich auch Asteroidengürtel oder die diversen Raumnebelarten, darunter Evergreens wie der Mutara-Nebel, der noch immer alle Ortungsinstrumente stört, oder der Metaphasen-Nebel, der von Spezialwaffen angerichtete Beschädigungen behebt und Ihre Schilde regeneriert, nicht einfach umfliegen. Ihre Gegner dürfen Sie allerdings von "oben" oder "unten" angreifen. Dazu kommt eine 3D-Ansicht, die schick aussieht, für Massenschlachten aber nicht ganz das Wahre ist. Wie nach den Enterprise-Titeln der letzten Zeit nicht anders zu erwarten, ist nicht nur die optische Präsentation auf einem hohem Standard. So erklingen die Original-Synchronstimmen von Captain Picard, Kanzler Martok und der Borg-Königin ebenso markant wie die unverkennbaren Piep-Tüdelü-Geräusche aus der Paramount'schen Soundeffekt-Bibliothek.
Faszinierend
"Star Trek: Armada 2" ist ein gelungenes Strategiespiel, dass auch längerfristig Spaß macht. Die drei Kampagnen spielt keiner mal eben an einem Wochenende durch. Selbst danach bleiben noch die Schnellgefechte sowie die diversen Online- und Netzwerk-Spielvarianten. Alle Trekker, die Strategiespielen nicht absolut feindlich gegenüberstehen, dürfen sich daher auf eine Reise in den Delta-Quadranten freuen.
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:: Hintergrund: PC Trek - Eine kurze Geschichte der Sternzeit
Wertung und weitere Informationen
| Titel | Star Trek: Armada II |
| Genre | Strategie |
| Entwickler | Activision |
| Publisher | Activision |
| Release | 30. November 2001 |
| USK | ab 12 Jahren |
| Getestete Plattform | PC/Windows |
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