In 80 Tagen um die Welt
getestet von David Meiländer
"In 80 Tagen um die Welt" macht vor allem Spaß, wenn man nichts tun muss. Das Spiel hat eine umständliche Steuerung, kaum zu verstehende Rätsel und große Längen. Das Spiel zu spielen, kommt einem vor wie Arbeit, die aber immer mal wieder mit kleinen Einspielern entlohnt wird. Wenn zum Beispiel die Hauptfigur Oliver Lavisheart die erste Station unserer Reise, Kairo, verlässt, haben sich alle Hauptfiguren am Hafen versammelt und tanzen zum Pop-Song der Harems-Schönheit Sheherazade. Sinn macht das nicht, aber es sieht lustig aus. Das ist das Prinzip dieses Spiels.
Flucht vor der Hochzeit
 Der Luxuszug wartet auf die neue Batterie
Die Rahmenhandlung sieht so aus: Oliver Lavisheart ist ein hitzköpfiger und etwas verwöhnter Junggeselle, der sein bisheriges Leben mit Reisen und Abenteuern verbracht hat. Doch damit soll jetzt Schluss sein, denn seine Familie hat für ihn eine Heirat arrangiert. Das gefällt Oliver überhaupt nicht und kommt seinem Onkel Matthew gerade Recht. Er bittet seinen Neffen, binnen 80 Tagen verschiedene Städte auf der Welt zu besuchen und verschiedene Dokumente zu finden, die beweisen, dass Matthew ein echter Erfinder und kein Schwindler ist. Eine gute Gelegenheit für Oliver Lavisheart, zu fliehen.
Seine Reise führt ihn in vier Städte: Kairo, Bombay, Yokohama und San Francisco. Und der Spieler muss mit, ob er will oder nicht. Dabei sieht alles doch so schön aus. Die Grafik und die Athmosphäre sind sehr gut gelungen und auf der Reise zwischen den Städten fährt man auf fantasievoll gestalteten Transportmitteln. Zum Beispiel auf einem großen Luxuszug, von dem man gar nicht wirklich glauben kann, dass er in Wirklichkeit auf irgendeiner Schiene dieser Welt Platz finden würde.
Wie Statisten in hübschen Kulissen
 Dieses Kamel will geritten werden
Das alles wäre wunderschön, wenn man nicht ab und zu auch spielen müsste. Denn hier offenbart sich die Oberflächlichkeit und Belanglosigkeit der Handlung. In dem großen Luxuszug zum Beispiel bestehen die Hauptaufgaben des Spielers darin, eine Batterie auszuwechseln, damit der Zug wieder fahren kann. Später wendet sich eine total verzweifelte transilvanische Prinzessin an Lavisheart, weil sie glaubt ihr Schatz sei gestohlen worden. Unsere Aufgabe: Löse das Verbrechen. Das Ergebnis ist ernüchternd, sie hatte den Schatz nur verlegt. Nicht nur der Spieler, auch Oliver Lavisheart muss sich dabei schrecklich langweilen. Keine Gefahr also und keine Action, dafür aber ellenlange Dialoge, bei denen die Figuren scheinbar desinteressiert nebeneinander stehen, in der Gegend herumschauen, sich kaum bewegen und den Text abspulen. 30 Sekunden wäre das okay, aber fünf Minuten am Stück sind kaum erträglich.
Schade auch, dass die vielen Figuren nicht mehr können, als in der Gegend herumstehen. Spricht man sie an, weisen sie einen schroff zurück oder machen sich lustig. "Kann ich ihr gelbes Halstuch kaufen? Ich brauche noch ein Putztuch", fragt eine Dame immer wieder. Doch selbst, wenn man wollte, man kann es ihr nicht geben. Ein Araber fährt einen an: "Ich werde dich einfach ignorieren", doch will man ihn dafür zur Strafe mit seinem Kamel rammen, prallt man von ihm ab. Interaktion außerhalb der Story ist kaum möglich, obwohl das dem Spiel sehr gut getan hätte. So wirkt alles wie eine gut gemachte Filmkulisse, bei der die Statisten zu mehr als ihrem auswendig gelernten Satz nicht fähig sind.
Fazit
"In 80 Tagen um die Welt" kann sich nicht richtig entscheiden. Es ist einerseits ein "Jump and Run"-Spiel, versucht aber auch Adventure- und Actionelemente zu integrieren. Doch nichts davon erfüllt das Spiel wirklich. Egal wofür man sich interessiert, mit diesem Spiel kann man nicht zufrieden sein, es sei denn man steht auf halbe Sachen.
Links:
:: Spieletest in Gameboys #036
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