Filmkritik
von Susanne Picard
Jaja, mal wieder ein Horrorfilm, einer, in dem Wasser, dunkles Wasser, eine große Rolle spielt. Der geneigte Kinogänger kennt das schon - besonders nach einem Blick auf die Verfasser von Buch und Story wird klar: Wieder einmal wollte Hollywood eine japanische Vorlage amerikanisieren. Das ist seit einem knappen Jahr Mode bei den Studios, japanische Gruselschocker oder auch eigene Produktionen älteren Datums einfach fürs neue Jahrtausend aufbereiten.
So eine für Studios relativ billige Sache kann unter zwei Prämissen funktionieren: einerseits, wenn der Zuschauer die Vorlage nicht kennt - was bei einem Großteil der Laufkundschaft eines Kinos der Fall sein mag. Der zweite Punkt ist eine saubere Inszenierung. Und hier hatte “Dark Water” Glück. Der Film ist sehr einfach, aber wirkungsvoll inszeniert, mit eindrucksvollen Bildern, ebenso eindrucksvollen Schauspielern, düster-bedrückenden Bildern und einer hervorragend gruseligen Musikuntermalung. Ständig regnet es, die Wolken hängen tief, das schäbige Apartment ist ganz in altbackenen Braun- und vergilbten Beigetönen eingerichtet, die in der ganzen Wohnanlage vorherrschen und die Aussicht aus dem Fenster ist ebenfalls nicht viel besser: wo man nicht auf den Rest des einstmals modernen Wohnblock sieht, ist am Horizont die örtliche Müllverbrennungsanlage in all dem nassen Nebel sichtbar. Die Personen, die das Wohngebäude bevölkern, sind ebenfalls nicht dazu angetan, die neue Wohnung heimeliger für Dahlia und Cecilia zu machen: Der Manager der Wohnanlage ist eher an seinen Wetten interessiert, als daran, den Klempner wegen des Rohrbruchs anzurufen und Weeck, der Hausmeister ist überhaupt so seltsam, als würde er kleine Kinder zum Frühstück verspeisen...
Jennifer Connelly passt sich der Stimmung hervorragend an - sie macht die Mutter des kleinen Mädchens so zerbrechlich, dass man sich in einigen Sequenzen fragt, wem sie eigentlich verkaufen will, dass sie die Mutter und nicht die ältere Schwester von Ceci ist. Ihre Dahlia ist beinahe so transparent wie das allgegenwärtige dunkle Wasser, und schon bald liegt für den Zuschauer auf der Hand, warum gerade sie es ist (abgesehen von den üblichen Genre-Regeln), bei der der Geist anfängt zu spuken: Sie wirkt durchlässig für die Anderswelt. Sie trägt den Film und ist ansonsten von hervorragenden Kollegen umgeben: Pete Postlethwaite als Hausmeister, Dougray Scott als temperamentvoller Ex-Mann, Tim Roth als Anwalt - alle sind sowohl hervorragend besetzt als auch im Film selbst tadellos in all ihren Eigenschaften inszeniert.
Regisseur Walter Salles hat also mit seinem Remake das einzig Richtige getan: Er konzentriert sich auf die Charaktere, da die Story eben doch nur ist, was man erwartet: das Remake eines hinlänglich bekannten Plots. Und da liegt dann auch die große Crux des Films - man kennt die Geschichte, zu sehr ähnelt sie der anderen großen Geschichte des Autors Kôji Suzuki, "Ring". Man möchte nicht gerade sagen, man könne mitsprechen, aber der Plot zog sich in den letzten Monaten mehrfach durch diverse Filme und da man solche Filme ja meist sieht, weil man sich gruseln oder sich erschrecken will, wird man dann beinahe zwangsläufig enttäuscht - denn das bietet der Film trotz aller Düsterkeit nicht.
Für Fans von Jennifer Connelly und sauberen Inszenierungen ist dieser Film also zu empfehlen. Für Horrorfilm-Fans allerdings sei eine Warnung wegen akuten Bekanntheitsgrads ausgesprochen.
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