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James Bond 007 - Diamantenfieber


Filmkritik

von Susanne Picard

Nach dem Desaster mit dem sechsten Bondfilm In Her Majesty's Secret Service hatten die Produzenten der Bondfilme nur noch eins im Sinn: Den neuen Film Diamonds are Forever zu einem Erfolg zu machen. Erste Maßnahme: Das bewährte Team Guy Hamilton (Regie) und Richard Maibaum (Drehbuch) wurden angeheuert. Hatte man diesen beiden doch immerhin den Kassenknüller Goldfinger von 1964 zu verdanken. Und noch eine Anordnung gab es aus der Chefetage der United Artists: Sean Connery sollte noch einmal in die Haut des Agenten ihrer Majestät schlüpfen! Glücklicherweise hatte George Lazenby bereits abgelehnt, noch einmal den James Bond zu geben. Aber Connery hatte nach fünf Filmen erst einmal die Nase voll. Also wurden der Reihe nach auch Roger Moore, Timothy Dalton und schließlich auch John Gavin in Erwägung gezogen. Doch UA wollte Connery - um jeden Preis!

So kam Connery - für viele der einzig wahre Bond - noch einmal auf die Leinwand zurück. Und zu dritt schafften Hamilton, Connery und Maibaum es ein zweites Mal: ein guter und in sich origineller Bond entstand - dem Zeitgeist verpflichtet wie alle Bondfilme, aber auch mit all den bekannten und mittlerweile etablierten Elementen, die einen guten Bondfilm bis heute ausmachen. Traditionell waren der (übrigens der letzte!) Auftritt von Blofeld, die Bondgirls Jill St. John als Tiffany Case, Lana Wood als Plenty O'Toole und nicht zu vergessen, Willard Whytes Gespielinnen Bambi und Thumper. Neu war sicher die aggressive Attraktivität von Tiffany Case, die definitiv der sexuellen Revolution in den Siebzigern geschuldet ist. Selbst Bonds Komplimente werden platt bei ihrem Anblick: "Ein hübsches Nichts, das Sie da anhaben!" Ihre Ausschnitte sind tief, die Bikinihöschen knapp und Tiffany weiß das und setzt es skrupellos ein. Dagegen ist Whytes Gespielin Bambi trotz der Wüste außerhalb von Las Vegas richtig warm angezogen...

Auch die Sets lassen an Glamour nichts zu wünschen übrig: Vom behäbigen Amsterdam geht es beinahe direkt nach Las Vegas, das sich in diesem Film von seiner besten Seite zeigt. Es glitzert und schillert in jeder Beziehung, nicht nur die Diamanten tun dies, sondern auch die Kasinos, die Lichtreklamen, der Zirkus mit all seinen Attraktionen.

Gangster Blofeld läßt sich ebenfalls wieder einiges einfallen, um nicht langweilig zu wirken: Er läßt mehrere Männer vom Gesichtschirurgen operieren und ihre Stimmen verändern, so daß sie aussehen wie er selbst. Obwohl Bond also Blofeld relativ schnell aufspürt, ist die Jagd für ihn noch lange nicht vorbei. Denn diesmal hat sich Blofeld - ganz auf Nummer Sicher gehend - statt bislang einem gleich zwei Helfershelfer augesucht: Mr. Wint und Mr Kidd, das wahrscheinlich erste schwule Filmpärchen in einem amerikanischen Blockbuster. Beide sind so richtig fies und gemein - und nicht voneinander zu trennen. In der deutschen Synchro erhielten die beiden auch Stimmen, die etwas tuntig klingen, aber in einem Streifen, der leicht ironisch gehalten ist, macht das nichts. Bond selbst hat also alle Hände voll zu tun, durch die Wüste von Nevada zu hetzen und Blofeld ein für allemal auszuschalten. Der ominöse Willard Whyte, das Pseudonym des gemeinen Blofeld, ist übrigens dem exzentrischen Flmproduzenten Howad Hughes geschuldet, der dem Team erlaubte, in seinen Casinos und auf seinem Anwesen zu drehen. Gerüchte besagen, dass er dafür eine 16mm-Kopie des Films für sich bekam.

Interessant ist an Diamantenfieber wieder, dass die Macher auch hier nicht auf altbekannte Feindbilder zurückgreifen, sondern wieder einmal einen Schmugglerring mit Weltmachtsanspruch - S.P.E.C.T.R.E. - als das eigentlich Böse identifizieren. (Tatsächlich sind Russland als das personifizierte Böse bislang nur vier der 21 Filme "gewidmet", selbst in diesen sind es nicht die bösen Sowjets, sondern Abtrünnige). Waren es in James Bond jagt Dr. No und Thunderball noch Atomraketen, in Goldfinger das Gold und in You Only Live Twice Raketen gewesen, sind es diesmal Diamanten, die die Welt bedrohen.

Ein Film also, der sich wieder einmal lohnte. Das fanden auch die Kinogänger und so konnte es am Ende des Abspanns wieder heißen: James Bond will be back - in Live and Let Die.