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Kiss, Kiss, Bang, Bang


Filmkritik

von Mario Rössel

Zunächst einmal – Danke! Es gibt sie also doch noch, Filme aus Hollywood, die sich nicht auf Popcorn-Ebene bewegen und bei denen man sein Gehirn abschalten sollte, sobald man sich im Kinosessel niedergelassen hat. Die Trailer dieses Sommers ließen ja Schlimmes erahnen. Doch „Kiss Kiss, Bang Bang“ ist all dies nicht und bringt endlich wieder ein wenig frischen Wind in das Action-Einerlei der letzten Wochen.

Ähnlich dem Hauptcharakter des Filmes, musste auch Drehbuchautor Shane Black eine harte Zeit durchmachen, damit dieser Film Wirklichkeit werden konnte. Nach „Lethal Weapon“, „The Last Boy Scout“ und „Tödliche Weihnachten“ stürzte er in eine Schreibblockade und verschwand für Jahre von der Bildfläche. Doch nun meldet er sich eindrucksvoll mit einem Drehbuch zurück, das zum Teil auf Brett Hallidays „Bodies Are Where You Find Them“ basiert. Dieses Mal wollte er auch nichts anbrennen lassen und bekam von Joel Silver („Matrix“, „Romeo Must Die“) die Gelegenheit, bei seinem neuesten Werk selbst Regie zu führen.

Herausgekommen ist ein Film, der sich ganz dem Thema Film-Noir widmet, es teilweise überzeichnet und parodiert. Bereits der Vorspann bereitet die Zuschauer auf das kommende vor, denn er ist ähnlich wie bei „Catch Me If You Can“ animiert im Stile alter Filmposter aus der Hochzeit des Film-Noir. Alle Elemente sind vorhanden: Ein Gauner, ein undurchschaubarer Privatdetektiv, eine geheimnisvolle Schöne, Mordopfer, die man nicht mehr ohne Weiteres los wird, Pistolen, und der Leidensweg und Absturz des Helden der Geschichte. Zudem ist der Film in einzelne Kapitel unterteilt, die alle nach Raymond Chandler Detektiv-Romanen benannt sind. Die Story ist dabei keineswegs vorhersehbar, sondern wunderbar verstrickt. Somit wird man oft auf die falsche Spur geleitet und die Wahrheit bleibt bis kurz vor Schluss unaufgeklärt.

Dabei ist der Film aber keineswegs eine trockene Detektivgeschichte. Black serviert uns wie schon bei seinen vorangegangenen Filmen gnadenlos schnelle Dialoge, die sich in einem regelrechten Gag-Feuerwerk entladen, das seines Gleichen sucht. Man muss schon ständig bei der Sache bleiben, denn schnell fällt im Nebensatz ein bitterböser Kommentar, der die Lachmuskeln beansprucht. Mitleid muss man hier mit den Leuten haben, die den Film ins Deutsche übersetzen dürfen, denn das wird sicherlich kein leichter Job werden. Und gerade, wenn man sich von seinem Lachanfall erholt, wirft uns Black eine brutale Szene vor, bei der wir nicht wissen, ob wir vor Schmerz mitleiden oder aus Schadenfreude kichern sollen.

Ein netter Einfall ist dabei auch, wie uns die Geschichte serviert wird. Denn Harry ist als ständig begleitendes Voice-over wie bei einem DVD-Audiokommentar bei uns, erklärt Hintergründe und kommentiert das Gesehene. Dabei nimmt er auch teilweise die Rolle des Regisseurs und Cutters an, wenn er den Film zurückspult, weil er etwas vergessen hat, zu erwähnen. In diesen Momenten rechnet Black auch gnadenlos mit Hollywood ab und legt Harry seine Ansichten in den Mund.

Doch Blacks Drehbuch wäre vermutlich nur die Hälfte wert, wären da nicht Darsteller, die seine Ideen verwirklichen. Allen voran natürlich Robert Downey Jr., um den es nach seiner Drogenaffäre etwas ruhiger geworden ist und der nun – ähnlich wie Black – eine Chance für ein Comeback erhält. Und das zu Recht. Ungläubig dreinblickend stolpert sein Harry Lockhart zusammen mit den Zuschauern immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens, um am anderen Ende geschunden und gezeichnet wieder herauszukriechen. An seiner Seite agiert Val Kilmer als schwuler Privatdetektiv Perry, der genervt versucht, Harry vor dem schlimmsten zu bewahren. Die Wortgefechte zwischen ihm und Downey lässt einige herrliche Erinnerungen an „Lethal Weapon“ hochkommen. Auch Michelle Monaghan als Cutie Harmony macht in jeder Hinsicht eine gute Figur. Ihr Charakter ist vernarrt in Jonny Gossamer Detektivgeschichten – wo wir zurück bei den Elementen des Film-Noir wären. Von ihr wird man in der nächsten Zeit sicher noch mehr sehen. Black hat damit nicht nur beim Drehbuch, sondern auch bei den Darstellern ein gutes Händchen bewiesen.

Gar nichts auszusetzen? Wenn überhaupt, dann nur eines: Der Film legt zu Beginn und gegen Ende ein beachtliches Tempo vor. Leider kann er das Tempo nicht über die gesamte Laufzeit halten und so gibt es leichte Längen im Mittelteil der Geschichte, die aber nicht wirklich als störend bezeichnet werden können.

„Kiss Kiss, Bang Bang“ ist somit wie einer dieser billigen Detektiv-Romanheftchen, angereichert mit herben, schwarzen Humor und ein wenig Brutalität – 105 Minuten beste Kinounterhaltung.

„Kiss Kiss, Bang Bang“ läuft zur Zeit als Eröffnungsfilm auf dem „Fantasy Filmfest“.
Am 20. Oktober 2005 kommt der Film offiziell in die deutschen Kinos.