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Krieg der Welten


Filmkritik

von Susanne Picard

Tja, einen Film mit Tiefe haben wir hier natürlich nicht vor uns. Zu bekannt ist das Thema, und viele mögen sagen, zu abgedroschen. Eine alte Geschichte also neu erzählt? H.G. Wells' Buch von - man mag es kaum glauben - 1898 wurde ja schon mehrfach in alles mögliche adaptiert. Besonders zu erwähnen wäre da Orson Welles' Hörspieladaption von 1942 (die Massenpanik, die es damals auslöste, war natürlich völlig unbeabsichtigt) und ”Kampf der Welten” von 1953, ein Klassiker des damals grassierenden Hollywood-Science-Fiction B-Movies.
Alles also wie gehabt? Da kann es nur ein kräftiges Nein geben, das kann man nicht sagen, denn dieser Film ist von Steven Spielberg gemacht. Und man kann ja sagen, was man will, der Mann versteht was vom Filmemachen. Und so ist "Krieg der Welten" ein absolut sehenswerter Film geworden.

Heutzutage kommt es ja nicht mehr so sehr darauf an, eine wirklich originelle Geschichte zu erzählen. Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich rasant, so dass die Branche sich ständig neu erfinden kann und das auch leidenschaftlich tut. Nun ja, das hat nette Auswirkungen (man darf mehr phantastische Geschichten auf der großen Leinwand bewundern als jemals) - und weniger nette (vieles davon ist schlicht und ergreifend Schrott).
"Krieg der Welten"-Drehbuchautor David Koepp und Steven Spielberg haben sich in diesem Fall damit aus der Affäre gezogen, indem sie die Geschichte beinahe noch einfacher hielten als Orson Welles das 1953 getan hatte - um damit umso mehr Energie in die Effekte stecken zu können.

Und das ist gelungen. So prächtig überdimensionale und durch und durch bösartige Aliens hat man eigentlich seit Starship Troopers nicht mehr gesehen, es kracht, es donnert, es blitzt auf der Leinwand, Menschen flüchten, brechen in Panik aus, verstecken sich, Familien werden getrennt und wiedervereint (im Gegensatz zu ”Independence Day” sehen wir nur eine) und schließlich und endlich die Aliens vernichtet. Irgendwie schafft es die Konzentration auf die kleine Familie, dass sich jeder Zuschauer eine Identifikationsfigur rauspicken kann - und bekanntlich lässt eine Personifizierung des Leidens selbiges stärker empfinden. So wird es eben auch spannender, wenn die Kamera am Ende des Alien-Maschinententakels den gesamten Keller nach den Protagonisten durchsucht - und sie nicht findet. Und das alles ist so spektakulär, wie sich ein Cineastenherz das nur wünschen kann, auch wenn die Aliens in ihrem Design stark an die Aliens von ID4 erinnern. Egal, sie sehen fremd genug aus, um sie guten Gewissens hassen zu können - und mit Rachel, Ray und den anderen genügend erleichtert zu sein, daß endlich alle tot sind.

Die Schauspieler müssen dabei nicht viel tun und erstaunlicher als Tom Cruise, der wie gewohnt ordentliche Arbeit abliefert, sind dabei seine beiden Filmkinder Robbie und Rachel. Dakota Fanning und Justin Chatwin spielen die verschreckten Kinder sehr glaubwürdig, glaubwürdiger eigentlich als Cruise seinen Ray. Aber auch das ist in so einem Film ja eigentlich nicht weiter wichtig, sondern eher befriedigend. Immerhin gelingt so den dreien, die verständliche Panik, die einen in solchen Momenten ergreifen dürfte, ordentlich ans Publikum weiterzugeben.

Dennoch, auch dieser Film hat natürlich Schwächen. Wie gesagt, da ist das Drehbuch, das so simpel ist, dass man eigentlich alles hineininterpretieren kann, was man will und was das Handbuch für den Hobbypsychologen so hergibt: Die typisch amerikanische Ansicht, dass nur die Familie gegen den Rest der Welt bestehen kann, dass auch die eigene heile Welt durchaus wacklig ist und dass unsere Welt gar nicht so unangreifbar ist, wie wir das manchmal möchten. Und nicht zuletzt die Gelegenheit, neu anzufangen - die hier natürlich dem guten Ray gegeben wird. Und überhaupt, diese Geschichte spiegelt uns ja doch alle in unseren inneren Sehnsüchten nach Sicherheit. Wichtig ist eben doch nur die Familie! Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Denn hier geht die Welt unter - zeitgemäß und angemessen spektakulär und absolut sehenswert.