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Serenity - Flucht in neue Welten


Firefly-Marathon und Serenity-Preview im Cinema München

von Mario Rössel

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Das mag man sich auch bei Universal und in Deutschland bei United International Pictures gedacht haben. Denn wie lockt man deutsche Kinogänger in einen Film, der auf einer Serie basiert, die in Deutschland noch nie gezeigt wurde und deshalb so gut wie unbekannt ist. Ganz einfach, man beschreitet neue Wege des Marketings und setzt auf eine Geheimwaffe: Die Fans.

Moment mal! Fans? Die Serie ist doch gar nicht gelaufen. Tja, wir leben in modernen Zeiten. Dank des Internets erfährt der Interessierte immer aktuell, was auf der anderen Seite des großen Teiches los ist – mehr noch, er kann es sich sogar anschauen, wenn auch nicht legal. Dafür gibt es aber die DVDs schon eine ganze Weile – sowohl in den USA als auch in Großbritannien. Und die verkaufen sich sehr erfolgreich, auch nach Deutschland. Genügend Mundpropaganda unter Genre-Fans tat ihr übriges, so dass man schon sehr bald auch hierzulande Browncoats – wie sich die Fans nennen – antreffen konnte.

Mundpropaganda – das ist es nun auch, worauf man beim Filmverleih setzt. Denn wer könnte besser seine Freunde und Bekannten dazu bewegen, ins Kino zu gehen, als die Browncoats selbst. Und wie motiviert man sie so richtig? Nichts leichter als das! Man zeigt ihnen den fertigen Film einen Monat vor US-Start und sogar zweieinhalb Monate vor dem Deutschlandstart, natürlich im Originalton. Was man in anderen Ländern schon längst mit Previews der unfertigen Version und seit dem Edinburgh Filmfestival mit dem fertigen Film erfolgreich durchgeführt hat, wurde nun auch in Deutschland Wirklichkeit. Am 10. September 2005 lud UIP zum nächtlichen „Firefly“-Marathon mit anschließender „Serenity“-Preview ein.

Für viele Fans ging damit ein Traum in Erfüllung, und so mancher scheute auch eine weite Anreise nicht, denn die Veranstaltung fand im Fremdsprachenkino Cinema im Herzen Münchens statt – nicht gerade das Zentrum von Deutschland, wie sicher jeder weiß. Nichtsdestotrotz fanden sich knapp 100 Fans und die, die es noch werden wollten, schon einige Zeit vor der Vorstellung im Foyer des Kinos ein, und es machte sich ein kleiner Hauch von Convention breit. Es war niemand wirklich kostümiert anwesend (was viele denken, wenn sie das Wort Convention hören), sondern man kam einfach ins Gespräch und begann ein wenig über seine Lieblingsserie zu fachsimpeln. Für viel Gesprächsstoff, aufgeheizte Gemüter aber auch Lacher sorgte dabei ein kleiner „Serenity“-Flyer, der einiges an Übersetzungs- und Inhaltsfehlern bot. So wurde nicht nur aus dem guten Simon ein Physiker und aus Inara eine Femme Fatale, sondern Shepherd Book soll auch noch von Barney Miller gespielt worden sein. „Den hätte man uns ruhig vorher mal zur Korrektur vorlegen können“ und „Hoffentlich wird der Film besser synchronisiert“ hörte man hier und da.

Kurz vor 22 Uhr kam dann Bewegung in die Sache, der Einlass begann. Und so zog man, bewaffnet mit einem Rucksack voller Getränke und Futter – eben alles was man zum Überleben einer langen Filmnacht braucht – in den Kinosaal und richtete es sich soweit wie irgend möglich häuslich ein. Nun sind 100 Leute nicht gerade sehr viel und das Cinema hat nicht den kleinsten Kinosaal. Deshalb saß man auch nicht dicht gedrängt im Saal sondern schön locker verteilt. Keiner konnte von sich behaupten, einen schlechten Platz bekommen zu haben – denn es waren sogar noch genügend gute Plätze frei.

Eröffnet wurde der Marathon mit einer kleinen Ansprache einer Mitarbeiterin von UIP. Sie erklärte noch einmal alles Organisatorische, wünschte allen Fans natürlich viel Spaß und hoffte, dass die Browncoats am nächsten Tag nicht nur kräftig Werbung für die DVD-Veröffentlichung von „Firefly“ in Deutschland machten, sondern auch - und vor allem -für den Kinofilm „Serenity“.

Unter Applaus öffnete sich daraufhin der Vorhang und die Beleuchtung im Saal erlosch. Der „Firefly“-Marathon konnte beginnen. Gezeigt wurden alle Episoden der Serie in der von Joss Whedon angedachten Reihenfolge – im englischen Original. Obwohl ganz offensichtlich hier die DVDs gezeigt wurden, war die Bildqualität auf der großen Leinwand bis auf die Farben immer noch ganz ordentlich. Seine Lieblingsserie im Kino – das erlebt man auch nicht alle Tage. So konnte man noch einmal die Abenteuer von Captain Malcolm Reynolds und seiner Crew erleben, mitfiebern, mitlachen und immer wieder auch neues in der Serie entdecken. Bei einigen der genialsten Szenen der Serie gab es nicht nur Lacher sondern auch kräftig Applaus. Wer schon einmal einen „Star Trek“-Film als Mitternachtspremiere gesehen hat, der weiß, was ich meine.

Nach dem Pilotfilm „Serenity“ dann aber der erste Schock. Es wurde zappenduster auf der Leinwand, nur der Ton war noch zu hören. Ein klarer Fall: Die Beamer-Lampe war kaputt. Nichts Schlimmes und nichts, was man nicht innerhalb einer Minute reparieren kann, und so ging es zügig weiter.

Alle vier Episoden wurde dann eine Pause eingelegt, in der man Zeit genug hatte, sich mal wieder zu strecken, frische Luft zu schnappen oder auch eine Zigarette zu rauchen. Der beliebteste Ort war natürlich die Toilette des Kinos, vor der sich kleine Schlangen bildeten. Stärkung in Form von Kaffee und Tee gab es an der Bar im Foyer, die die ganze Nacht geöffnet hatte. Ein Riesenlob hierfür an die Kinobetreiber.

Und so verschlang man Episode um Episode und merkte eigentlich nur in den Pausen, dass der sonntägliche Morgen bereits dämmerte. Um kurz nach 9 Uhr morgens endete dann auch mit „Objects in Space“ der Marathon, aber noch lange nicht die Veranstaltung. Denn was nun folgen sollte, war das, auf was die meisten sehnsüchtig gewartet haben: „Serenity“ – der Kinofilm, der die Serie auf der großen Leinwand fortsetzt.

Also noch mal schnell frisch gemacht, einen Kaffe getrunken und schnell wieder rein in den Kinosaal, wo man kurz darauf von Joss Whedon persönlich von der Leinwand aus begrüßt wurde. Er bedankte sich noch einmal bei all seinen treuen Fans und wünschte in seiner charmanten und stets humorvollen Art und Weise allen viel Spaß bei seinem ersten Kinofilm. Wenn uns diese Botschaft wieder einmal eines gezeigt hat, dann dass dieser Mann endlich einmal auf eine deutsche Convention gehört.

Ohne weitere Umschweife startete dann der Film. Was die Fans nun zu sehen bekamen war schneller, actionreicher, effektlastiger – aber im Grunde genommen immer noch „Firefly“, denn alle bekannten Charaktere waren da, und natürlich ihre witzigen Dialoge. War man vor der Vorstellung ein wenig müde – was nach über 11 Stunden im Kinosessel niemanden zu verübeln war – so war diese Müdigkeit nun nach nur ein oder zwei Minuten Film verflogen. Denn „Serenity“ schafft es, den Zuschauer nicht nur mit Action sondern auch mit einer intelligenten Geschichte und den bekannten Charakteren zu fesseln, bis zum Schluss, so dass man nach dem Film vom Gefühl her eher wacher war, als zuvor. Könnte es ein größeres Kompliment für einen Film geben?

Sobald der Abspann erschien gab es kräftigen Applaus, denn Joss Whedon hatte es geschafft. „Firefly“ hat einen würdigen Nachfolger auf der großen Leinwand bekommen. Wenn man noch ein wenig im Foyer verweilte, konnte man noch die ein oder andere Diskussion hören, was sich alles verändert hat, ob Leuten, die die Serie nicht kennen, der Film gefallen könnte. Der Grundtenor war jedoch immer gleich. „Serenity“ ist ein Film, den man dieses Jahr gesehen haben muss.

Nach ungefähr 14 Stunden im Cinema München hieß es dann für die Browncoats, den Heimreiseweg anzutreten, der für manche sicher lange dauerte. Doch den nahm man gern auf sich, denn es hatte sich gelohnt dorthin zu kommen. Eins wurde dabei auch klar: „Firefly“ zu schauen macht immer noch im Kreise seiner Bekannten und Fans am meisten Spaß.