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Kampf der Welten


Hintergrund

von Dirk Wilkens-Hagenkötter

Niemand hätte in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts geglaubt, das unser menschliches Tun und Lassen beobachtet werden könnte. Das andere Intelligenzen, größer als die Menschlichen und doch ebenso sterblich, uns bei unserem Tagwerk ebenso eindringlich belauschen und erforschen könnten, wie ein Mann mit seinem Mikroskop jene vergänglichen Lebewesen erforscht, die in einem Wassertropfen ihr Wesen treiben und sich darin vermehren.

So beginnt der Roman „War of the Worlds“, den H.G. Wells 1898 veröffentlichte.
Eigentlich war das Buch eine Gesellschaftskritik, wie fast alle seine Bücher. Großbritannien - wie viele andere Europäische Staaten - beherrschte damals ein weltumspannendes Kolonialreich. Über Traditionen und Lebensgewohnheiten der dortigen Einwohner machte man sich kaum Gedanken. Die Kolonialmächte waren technisch überlegen und hatte damit scheinbar jedes Recht, sich fremde Länder anzueignen.

Wells wollte nun in seiner Geschichte zeigen, wie Marsianer, die technisch so hoch entwickelt sind, das sie die Menschen ihrerseits kaum als Gleichwertig ansehen können, sich auf der Erde so verhalten, wie es die Menschen tun, wenn sie sich eine neue Kolonie aneignen.
So, wie Europäer ein neues Stück Land in Besitz nehmen und es nach ihren Vorstellungen bebauen, beginnen auch die marsianischen Invasoren die Erde umzugestalten. Und so wie die Moskitos in den Tropen eine Gefahr für Europäer darstellen, sind die irdischen Viren eine Gefahr für die Marsianer.

1938, adaptierte Orson Wells das Buch als Hörspiel. Er verlegte die Handlung in die Gegenwart und nach Amerika. Das dieses Hörspiel Radiogeschichte schrieb, weil es eine Massenpanik auslöste, ist heute wohl jedem bekannt.
1953 sollte der Stoff dann ins Kino kommen. Niemand geringeres als George Pal wollte den Stoff produzieren. Pal war bekannt für seine aufwendig inszenierten Filme. Er produzierte z.B. „Endstation Mond“ oder „Der jüngste Tag“.
Als Regisseur waren zunächst sowohl Orson Wells als auch Alfred Hitchcock im Gespräch, man entschied sich dann aber für Byron Haskin, der besonders viel Erfahrung mit Special Effects hatte. Immerhin sollten von den 2 Millionen Dollar Produktionskosten gleich 1,2 in die Trickeffekte gehen.

Wie in der Hörspielfassung wurde die Handlung in die Gegenwart und in die USA verlegt.
Diesen Wechsel muss wohl bei einem Hollywoodfilm akzeptiert werden. Das kommt immer wieder vor. Davon also abgesehen gelingt es dem Film sehr gut, die Handlung in die Gegenwart des Jahres 1953 zu übertragen. Aus den dreibeinigen Kampfmaschinen des Buches wurden schwebende Kampfgleiter. Die „Drei“ blieb in den „Augen“ der Aliens erhalten, auch die Gleiter selbst haben eine dreieckige Form.
Im Film wirkt es allerdings so, als ob die Marsianer nur die Zerstörung der menschlichen Bauwerke im Sinn hätten. Im Buch beginnt danach sofort die Umwandlung in eine den Marsianern angepasste Landschaft.

Letztlich gefiel der Film den Erben H.G. Wells so gut, das sie George Pal anboten, alle weiteren Bücher zu verfilmen. Pal suchte sich „Die Zeitmaschine“ heraus, und führte dort 1960 sogar selbst Regie.

War of the Worlds folgte eine ganze Welle von Invasionsfilmen in den Kinos.
Der kalte Krieg und die Angst vor einem sowjetischen Angriff waren der ideale Nährboden für Invasionen aus dem Weltall.

Epilog
1988 suchte Paramount nach Stoffen für eine weitere Science Fiction Serie, nachdem man ein Jahr zuvor mit Star Trek – the next Generation einen großen Erfolg hatte. Man kam auf die Idee, eine Art „War of the Worlds – the next generation“ zu produzieren. Der Erfolg war nur mäßig, und nach 2 Staffeln wurde die Serie abgesetzt.

1996 drehte Roland Emmerich „Independance Day“ und man kann ruhigen Gewissens sagen, das dies eine Neuverfilmung oder ein Remake ist. Nicht nur, weil die Außerirdischen hier wie dort durch „Viren“ vernichtet werden, sondern auch weil die Motive der Außerirdischen etwa die gleichen sind.