Filmwelt


:: Kommentare
:: Besetzung


Iron Sky


Interview mit dem Iron-Sky-Regisseur

von Susanne Döpke

Iron Sky – die urkomische Nazi-Klamotte mit Raumschiffen
Fotos: © Susanne Döpke und Tschiponnique Skupin/Future Image

Es war der Film, der auf der Berlinale in aller Munde war: Iron Sky. Nazis, die mit Zeppelin-Raumschiffen vom Mond kommen und die Erde erobern wollen. Allein der Gedanke ist so skurril, dass in den Kinosälen viel über den Film gesprochen wurde. Wir haben auch gesprochen – und zwar mit dem Regisseur Timo Vuorensola. Der Finne hat sich bereits mit der Parodie Star Wreck: In the Pirkinning einen Namen gemacht.

Doch zunächst der Trailer zur Berlinale:



Interview mit Timo Vuorensola


Kannst du uns deinen Film kurz vorstellen?

Iron Sky ist eine Scifi-Komödie über Nazis, die von der dunklen Seite des Mondes kommen. Wir haben sechs Jahre an dem Film gearbeitet und hatten ein Budget von 7,5 Millionen Euro.

Woher stammt diese Idee mit den Nazis eigentlich, die auf der dunklen Seite des Mondes warten, um ein Viertes Reich zu gründen. Du hast erzählt, dass ein Freund von dir in der Sauna darauf gekommen ist – wart ihr besoffen?

Ja, ich glaube, wir hatte ein paar Biere getrunken, aber nicht so viele. Wir haben uns einfach nur einen netten Saunaabend nach einem langen Drehtag gemacht und ein bisschen mit Ideen herumgespielt und überlegt, was ein toller Film sein würde. Von da an hat es sich über Jahre weiterentwickelt, bis wir die Geschichte gedreht haben.

Wie lange hat es von der Idee an gedauert, bis ihr den Film auf der Berlinale präsentiert habt?

Die Idee hatten wir irgendwann 2005, haben aber erst 2006 angefangen, wirklich daran zu arbeiten. Also würde ich sagen: Sechs Jahre.

Die Premiere im Friedrichstadtpalast war offensichtlich ein großer Erfolg. Wie ging es dir, als du die ersten Lacher aus dem Publikum gehört hast – und den Riesenapplaus am Ende?

Ganz ehrlich, mir war zum Kotzen zu Mute (lacht). Das war so eine große Erleichterung, dass diese sechs Jahre des unter Druck Stehens und harter Arbeit mit den ersten Lachern aus dem Publikum bezahlt wurden. Auch die großen Reaktionen den ganzen Film hindurch, das war einfach fantastisch.

Auf der Pressekonferenz hattest du eine kleine Büste von Captain Picard neben deinem Mikrofon gestellt. Warum?

Picard ist und bleibt mein Totem (lacht). Den habe ich bei den Dreharbeiten zu Iron Sky überall mit hingeschleppt und er stand immer auf meinem Monitor und hat seine unendliche Weisheit mit mir geteilt (lacht).

Hast du dir diesen Erfolg je erträumt, als du noch ein Star-Trek-Fan warst, der eine Parodie gedreht hat?

Absolut nicht. Ich hatte absolut keine Ahnung, was für eine große Sache Iron Sky werden würde.

Du hast dir eine ziemlich treue Community aufgebaut, die dir geholfen hat, den Film zu finanzieren. Wie bist du darauf gekommen, diese Quelle anzuzapfen und wie hast du mit den Fans während der Produktionszeit kommuniziert?

Das war sehr leicht. Ich bin ein ziemlicher Computer-Geek und das kam alles sehr organisch. Ich spreche gerne über das Internet mit Leuten über mein Projekt, das war also alles von Anfang an vorhanden.

Um jetzt mal über den Film zu sprechen: Ich habe eine Menge Referenzen erkannt – angefangen von Götz Ottos Figur, die mit der Raumausrüstung aussieht wie Darth Vader, die Musik, die an einer Stelle klingt wie das Darth-Vader-Thema, das Raumschiff George W. Bush, dass sehr nach Star Trek aussieht … Das war natürlich Absicht. Was habt ihr noch verwendet und warum?

Wir haben den Film mit allen möglichen Pop-Kultur-Referenzen versehen. Angefangen von Charlie Chaplins Der große Diktator bis zu Der Untergang, SciFi-Klischees und so weiter. Es war toll, diese vielen kleinen Dinge hinzuzufügen, die ich schon immer geliebt habe und mit denen ich aufgewachsen bin.

Welche Szene ist deine Liebste?

Ich bin wirklich sehr zufrieden mit der Szene, in der Renate und Washington sich zum ersten Mal in Dr. Richters Vernehmungsraum treffen. Da gibt es einige sehr gute charakterdarstellerische Momente, einen guten Spannungsbogen und ein paar wirklich gute, wunderschöne Perspektiven.

Wie wichtig war das Casting für den Film?

Das war geradezu irrwitzig wichtig. Die Hauptdarsteller haben die Geschichte mindestens genauso geformt, wie das Drehbuch selbst. Ohne sie wäre es ein vollkommen anderer Film geworden.



Die Hauptdarstellerin Julia Dietze sagte, dass sie Schwierigkeiten mit den Szenen hatte, in denen sie die knallharte Nationalsozialistin spielen musste. Wie bist du als Regisseur mit diesen Berührungsängsten umgegangen?

Wir sind diese Szenen sorgfältig mit Julia durchgegangen und haben diese Probleme angesprochen. Ich glaube, dass wir nach einiger Zeit eine gute Art gefunden haben, diese Ängste anzusprechen. Es gehörte Mut dazu, sich in diese Rolle hineinzuversetzen.

Hat sich das Script von Beginn der Dreharbeiten bis zum Ende sehr verändert?

Ziemlich. Wir mussten ein paar Dinge während des Verlaufs ändern. Wir hatten große Produktionsprobleme und mussten einige Szenen streichen und einige Charaktere ein bisschen verändern. Generell sind wir aber die ganze Zeit auf Kurs geblieben. Ich habe den Schauspielern etwas Freiraum für Improvisation gelassen und das ist von Vorteil, wenn man in einer Sprache arbeitet, die nicht die eigene Muttersprache ist.

In welchen Ländern wird Iron Sky ins Kino kommen?

Mehr oder weniger auf der ganzen Welt. Ich habe noch keine detaillierte Liste, aber wir haben den Film in die meisten Territorien verkauft.

Wie erfolgreich war die Berlinale für dich?

Die Berlinale war ein so großer Erfolg, dass es geradezu irrwitzig ist. Der Film ist sehr gut angekommen, die Begeisterung war erstaunlich und wir haben den Film sofort in alle restlichen Territorien verkauft. Es könne also nicht besser gelaufen sein.

Was willst du als nächstes machen – du hast eine TV-Serie oder ein weiteres Filmprojekt erwähnt – erzählt doch mal!

Sorry, ich bin noch nicht bereit, darüber zuviel zu verraten (lacht).