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:: Die Filmkritik


Gattaca


Filmkritik

von Dirk Wilkens-Hagenkötter

Der neuseeländische Regisseur und Drehbuchautor Andrew Niccol, der u.a. das Drehbuch zu „The Truman Show“ (1998) schrieb, schuf 1997 mit Gattaca einen inhaltsstarken Science Fiction Film, der fast ganz auf Action verzichtet und sich ganz dem Bild der Zukunft widmet. Leider war Gattaca kein finanzieller Erfolg vergönnt, wovon aber wohl auch keiner ausgegangen war. Immerhin ist es schon fast peinlich zu sagen, das der Film in Deutschland mit gut einem Jahr Verspätung in den Kinos lief. Aber vielleicht muss sich ein guter Film erst mal „sacken“. Auch Blade Runner war in den Kinos ein Flop. Erst später wurde er zum Kult. Ganz so wird es bei Gattaca wohl nicht werden, aber tatsächlich findet auch er jetzt mehr Beachtung, als zu der Zeit, wo er in den Kinos lief.

Gattaca reiht sich in die lange Filmliste der Negativ Utopien ein. Oftmals wird die dunkle Zukunft in diesen Geschichten von bestimmten Machthabern bestimmt, Diktatoren, Computer oder auch Konzerne. Bei Gattaca gibt es keine Macht im Hintergrund. Vermutlich unterscheidet sich die Machtausübung dort nicht von der der USA. Das, was bei Gattaca die Zukunft so negativ macht. Ist die Gesellschaft selbst, und letztlich die Eltern. Keine Macht zwingt dort die Eltern, ihre Kinder genetisch zu designen, es ist einfach so üblich. Und das macht den Film zu beängstigend realistisch.

Es ist eigentlich auch nachvollziehbar, wie es zu so einer Zukunft kommen kann. Die Tendenz ist bei uns heute schon spürbar: Eltern wollen gesunde Kinder. Soweit es heute bereits möglich ist, versucht man alles, um jede mögliche Beeinträchtigung frühzeitig zu erkennen, und eventuell auch Abtreibungen vornehmen zu lassen. Da ist es natürlich nur konsequent weiter gedacht, wenn man durch die Manipulation der Gene diese Beeinträchtigungen gar nicht erst auftreten lässt. Bis zu diesem Punkt mag man wohl auch noch der Ansicht sein, das nichts schlechtes an solchen Manipulationen zu finden sein kann. Aber dabei wird es ja nicht bleiben. Wenn man schon die Gene manipulieren kann, um Krankheiten und Behinderungen auszuschließen, warum dann nicht auch bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften fördern? Eltern haben sehr oft den Wunsch, das ihre eigenen unerfüllten Träume von den Kindern realisiert werden sollen. „Es soll es einmal besser haben als wir“, das sagen Eltern aus jeder sozialen Schicht. Und je nach Möglichkeit wird den Kindern der Weg dorthin geebnet, ob das Kind es will oder nicht.
Eltern wollen kein behindertes Kind. Es soll intelligent sein, heterosexuell, kräftig und wer weiß was noch alles. An den Wünschen ist auch nichts auszusetzen, aber wenn es möglich ist, diese Wünsche noch vor der Geburt auch umsetzen zu können, wird es bedenklich. In der nahen Zukunft wird dies mit einem entsprechenden Geldbeutel im Rücken durchaus machbar sein.
Eines haben die Eltern aber nicht bedacht: Wenn sie ein Kind designen lassen, damit es sich von der Masse abhebt, sie aber gleichzeitig einem Trend folgen, wird das Ergebnis doch wieder in der Masse verschwinden. Genau das zeigen die Bilder des Films: Fast im Gleichschritt gehen die Mitarbeiter bei Gattaca durch die Gänge. Individualisten sucht man vergebens, alle haben ähnliche Kleidung, ähnliche Frisuren, ähnlich schöne Gesichter. Und an dieser Stelle sei noch einmal der Vergleich gestattet: Bei anderen Negativ – Utopien gibt es diese Gleichartigkeit ebenfalls, dort steht aber meist eine Macht im Hintergrund, die diese Gleichheit überwacht. Die Helden dort sind meist Individualisten, die der Masse und der Gesellschaft entfliegen wollen. Bei Gattaca ist diese Gleichheit eine art Mode, es steht nur der „Herdenzwang“ hinter dem Verhalten, keine Polizei. Und Vincent will sich nicht aus der Masse abheben, sondern er will dazu gehören.