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Zatoichi - der blinde Samurai |
Filmkritik
von Ralf "Searge" Pappers
Wer japanische Filme kennt, weiß, daß es nur zwei Möglichkeiten gibt. Der Blinde stirbt jetzt oder ist ein Meisterkämpfer. Hier ist es die zweite Möglichkeit. Der blinde, blondierte Zatoichi nutzt einen Fehler seiner Gegner gnadenlos aus. Denn der Oberbösewicht hält ihm triumphierend seinen Wanderstock entgegen und sagt auch noch: "Von einem Kind überrumpelt!" Tja, dumm gelaufen, aber für die Bösewichte. Denn kaum hat er das gesagt, weiß der Blinde wo sein Gegner steht. Ein kurzer Tritt, der diesem den Knöchel bricht, ein blitzschneller Griff und er hat sein Katana, sein Samuraischwert, in der Hand und zwei Männer liegen tot am Boden. Mit einer kurze Bewegung ist das Blut von der Klinge gestreift und das Schwert steckt schon wieder in der Scheide. Dann geht Zatoichi seelenruhig vom Kampfplatz. Einer der anderen Begleiter meint noch, ihn von hinten erschlagen zu müssen, aber wieder eine blitzschnelle Bewegung und auch dieser ist durchbohrt. Das ist das Zeichen für die anderen zu fliehen.
Bereits diese kurze Eröffnungssequenz ist äußerst beeindruckend. Ganz so, wie die guten japanischen Filme seit Akira Kurosawa eben sind. Lange Momente der Ruhe und dann eine schnelle und explosionsartige Actionsequenz, der das Auge kaum zu folgen vermag.
Aber Takeshi hat auch weiter Anleihen beim großen Kurosawa gemacht. Die Kamera schwenkt auf eine Verkehrsstrasse, zeigt in der Totalen die strömenden Fußgänger und zoomt dann auf ein Pärchen, ganz offensichtlich ein Samurai mit einer weiblichen Begleitung. Plötzlich, und für jeden ersichtlich, wird eine Rückblende gezeigt, die einen kurzen Moment im Leben dieses Paares zeigt. Dann ist wieder die Straße zu sehen und die Kamera blendet auf ein weiteres Pärchen, zwei Frauen mit Musikinstrumenten. Auch hier wieder eine Rückblende, die uns einen kurzen Blick in ihre Vergangenheit werfen lässt. Dann wieder ein Schwenk auf eine Verkäuferin, wieder mit einem Rückblick. In diesen wenigen Minuten hat uns Takeshi die Hauptprotagonisten der Handlung vorgestellt und nun läuft die Handlung langsam aber sicher auf ihren Höhepunkt zu.
Kurz zum Inhalt. Der blinde Zatoichi kommt auf seiner Wanderschaft in einen kleinen Bergort, der von einigen Banden beherrscht wird. Ebenso verschlägt es den arbeitslosen Samurai Hattori und dessen Frau, sowie die beiden Geishas O-Sei und O-Kino hierher. Diese sind auf der Suche nach dem Mörder ihrer Familie, von dem sie nur den Namen wissen, Kuchinawa. Nachdem die Ginzo-Gang Hattori angestellt hat, metzeln sie alle ihre Gegner erbarmungslos nieder, um schließlich die alleinige Macht zu erhalten. Aber da ist ja noch Zatoichi, der in diese Machtkämpfe eingreift.
Dies ist die elfte Regiearbeit des japanische Meisterregisseurs Takeshi Kitano und zugleich sein erster klassischer Samuraifilm. Zudem bringt er den legendärsten japanischen Schwertkämpfer zurück auf die Leinwand. Zwischen 1962 und 1989 erlangte der blinde Zatoichi durch viele Film und Fernsehauftritte einen legendären Status, der hier in Deutschland aber praktisch unbekannt ist. Der neue Zatoichi (vom Regisseur selbst gespielt) ist dabei wesentlich wilder, kompromissloser und gefährlicher als je zuvor. In prächtigen Actionsequenzen inszeniert Takeshi einen unglaublichen Schwertkampf nach dem anderen, dabei dominieren die ruhigen Passagen allerdings deutlich, in denen sich die Charaktere entfalten können. Aber Takeshi nimmt sich nicht einfach nur Anleihen bei Kurosawa, sondern würzt die ganze Handlung mit augenzwinkerndem Humor und unerwarteten Handlungswendungen. Der blinde Zatoichi ist nicht einfach nur ein blutiger Kämpfer, er ist auch gerissen, hat Humor und zeigt Mitgefühl. Vor allem aber ist er kein hirnloser Rächer, der einfach seine Gegner zerstückelt. Nein, für den Hauptverbrecher, Kuchinawa, der bis zum Ende des Filmes unerkannt bleibt (gäbe es da nicht die deutsche Synchro), hält er eine besondere Bestrafung parat.
Apropos deutsche Synchro. Wie immer haben sich die Deutschen auch hier nicht mit besonderem Ruhm bekleckert. Zwar ist sie alles in allem ganz in Ordnung, aber in einigen Sequenzen werden Hintergrundgespräche eingebaut, die es im Original überhaupt nicht gibt. Wenn der Regisseur der Meinung ist, in einer Straßenszene keine Gesprächskulisse hören zu lassen, dann hat er damit eine bestimmte Stimmung erzeugen wollen. Das wird durch die deutsche Synchro wieder negiert. Und wenn der Zuschauer genau hinhört, dann kann er in der Mitte der Filmes, an Hand der Stimme, Kuchinawa erkennen. Im Original verstellt er seine Stimme völlig und wird so erst am Ende des Filmes aufgedeckt.
Das alles tut dem Filmgenuß aber trotzdem keinen Abbruch. Takeshi ist es hervorragend gelungen den legendären Zatoichi wieder auferstehen zu lassen, würzt das Ganze mit moderner Musik und einigen gelungenen Gags (z.B. Bauern, die im Takt der Musik ihr Feld beackern). Von den fantastischen Kampfszenen ganz zu schweigen. Wer Ruhe, Actionsequenzen und Humor mag, Wert auf Charaktere legt zudem ein Fan von gut gemachten japanischen Filmen ist, der darf sich Zatoichi einfach nicht entgehen lassen. Außerdem, wo kann man in einem historischen Samuraifilm auf Holzsandalen steppende Japaner sehen?
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