Kritik
von Holger Lodahl
Nachdem die bemerkenswerten Darsteller von "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" wegen des ereilten Filmtods nicht mehr zur Verfügung standen, machten es sich die Produzenten leicht, den Nachfolgefilm zu füllen: Man verteilte die Rollen an ein paar weitere Teenies, die kaum mehr zu tun hatten, als schreiend durch die Insel-Gegend zu laufen und sich den reichlichen Splatter-Effekten hin zu geben.
Das ist bedauerlich: Diese Figuren bleiben, genau wie die anderen Opfer, so sehr oberflächlich, dass sie nur einen kurzen Moment lang interessieren. Und selbst die Versuche, Spannung aufzubauen, werden in routinierter Art so häufig wiederholt, dass sich die Effekte abnutzen. Psychologisch subtile Elemente, die in dem Vorgänger in so aufwühlender Art Schockeffekte und echtes Gruseln hervorgerufen haben, erwartet man vergebens.
Stattdessen bleibt dem Zuschauer kaum mehr übrig, als den Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie durch die regennasse und dunkle Insel auf der Flucht vor dem Fischer sind, der sich das Eiland womöglich nur deshalb ausgesucht hat, weil er woanders in seiner inzwischen langweilig gewordenen Kutte unangenehm aufgefallen wäre.
Der Anblick von Jennifer Lowe Hewitt lenkt da nur kurze Zeit ab: Es hilft dem Film nicht, dass sie noch tiefer dekolletiert ist als zuvor und zweifellos aufgrund des Dauerregens jeden Miss-Wet-T-Shirt-Wettbewerb gewonnen hätte. Allerdings ist sie in dieser Konsequenz auf dem besten Wege, ihrem Vorbild Jamie Lee Curtis als Scream-Queen noch näher gekommen.
Freddie Prinze jr. entwickelt seine Figur Ray ebenfalls nicht weiter. Seine Aufgabe ist es nur, ahnungsvoll die Hürden zu überwinden, die ihm von Wind und Wetter in den Weg gelegt werden, um seine Angebetete zu retten.
Mekhi Phifer hält seinen attraktiven Bauch in die Kamera und fungiert auf diese Weise als Pendant zur ebenfalls spärlich gekleideten Julie, doch nervt er in seiner Arroganz so sehr, dass man irgendwie froh und in keiner Weise überrascht ist, dass auch ihn das Schicksal der Rache ereilt. Brandy als seine Freundin verkörpert in vielfacher Hinsicht das Gegenstück zu Julie: Peppig und mit dauerhaft guter Laune will sie Julie von ihren Alpträumen abbringen und macht ihre Sache (schreiend weglaufen) gut, doch bleibt auch ihre Rolle Karla nichts sagend.
Als Ersatz für die fehlende Tiefe haben sich die Produzenten entschlossen, diese Lücke mit einer Vielzahl von Leichen zu füllen. Leider weiß der Zuschauer zu schnell, dass die uninteressanten Figuren sowieso sterben werden, so dass dieser Weg im Regen untergeht.
Mitreißende und nervenzerfetzende Kämpfe, wie sie Sarah Michelle Gellar im Original dargestellt hat (wer hat schon geglaubt, dass auch sie sterben wird?), vermisst man so sehr, dass man am Ende des Filmes hofft, es möge keinen weiteren Film dieser Reihe mehr geben. Das Thema ist ausgereizt, und selbst der Titel gibt nichts mehr her. Schließlich ist dieser schon falsch, müsste er doch genau genommen "Ich weiß noch immer, was Du vorletzten Sommer getan hast" heißen. Ein dritter Film, möglicherweise mit "Es ist egal, was Du irgendwann mal getan hast" betitelt, ist da wirklich überflüssig.
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