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:: Die Filmkritik


11:14


Filmkritik

von Susanne Picard

Wer hätte gedacht, dass sich Middleton, Kalifornien als eine solche Schlangengrube entpuppt? Jeder hat in diesem kleinen Ort etwas zu verbergen, wie es scheint - und nicht nur der Fremde, der an dem Ortsschild "Middleton - a happy place to live!" vorbeikommt. Für den ist das Leben nämlich im nächsten Moment nicht mehr so happy, denn unversehens kracht ein Körper in sein Auto hinein.

Mit diesem doch nicht alltäglichen Zufallsmoment beginnt eine äußerst originell erzählte Geschichte - denn der Fahrer kann es sich nicht leisten, von der Polizei erwischt zu werden und trifft bei seiner unvermeidlichen Flucht eine Menge Leute, die man im Laufe des Films wiedertrifft. Und Dreck scheinen sie beinahe alle am Stecken zu haben, Dreck der unterschiedlichsten Art. Nach und nach erzählt Regisseur Marcks wie zu einer bestimmten Uhrzeit alle möglichen und unmöglichen Dinge passieren, wie sich Menschenleben dabei miteinander verweben und gravierende Mißverständnisse aus den nichtigsten Kleinigkeiten ergeben können. Dabei möchte man allerdings nicht zuviel verraten, denn dazu ist es zu spannend zu sehen, wie sich die Geschichte auf der Leinwand entfaltet und wie man ständig falschen Hints und Hinweisen aus der jeweilig vorigen Episode aufsitzt, die in der nächsten wiederum ganz anders als erwartet beantwortet werden.

Es ist nicht ganz verständlich, wieso der Film in den USA direkt in den Videovertrieb ging, obwohl er doch eine Geschichte so originell erzählt, ohne dabei auch nur ein einziges Mal den Überblick zu verlieren - das ist eine selten gewordene Sache in Hollywood. Ebenso ist es nett, zu sehen, dass Schauspieler auch mal wieder gern ihre Rolle spielen. Was Hilary Swank angeht, da dürfte klar sein, dass sie sich ihre beiden Oscars für “Million Dollar Baby” und “Boys Don't Cry” sehr wohl verdient hat. Auch hier hat man als kritischer Zuschauer keine Mühe, ihr die Rolle als kleine Verkäuferin in einem Drugstore abzunehmen. Als zweiter sollte an dieser Stelle Patrick Swayze genannt werden, der sich, um seine Tochter zu schützen, in abenteuerliche, aber durchaus skurrile Verwicklungen begibt.

Bei all diesen Wendungen und Verwicklungen ist es ein Verdienst des Regisseurs, dass er die ganze Geschichte nie aus dem Auge verliert, vielleicht auch deshalb, weil er das Drehbuch gleichzeitig geschrieben hat. Erstaunlicher noch ist die Tatsache, dass es sich hier um ein Erstlingswerk handelt - die Episoden sind so gekonnt aneinandergereiht, dass sie in jedem Fall immer eine Frage - die wichtigste - aus der vorigen beantworten, aber immer wieder auch eine wichtige stellen. Dabei erklären sie immer auch ein bisschen, was bisher geschah - aber immer nur ein bisschen, so dass man gespannt ist, wie es weitergeht und wie das nächste Puzzleteil aussieht, das man bekommt.

Insgesamt kann man nur sagen, ab und an gibt es ja doch noch Filme, die etwas taugen - kleine Juwelchen, die man nicht verpassen sollte.