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Alien³


Filmkritik

von Roman Möhlmann

Nach Ridley Scotts wegweisendem ersten Teil, der mittlerweile zum Kultstatus avancierten Science Fiction-Horror-Reihe "Alien", hatte James Cameron die kongeniale Fortsetzung "Aliens" vorgelegt. Anfang der 90er wurde der Stab an Regisseur David Fincher (v.a. bekannt durch "Sieben") weitergereicht, dem ein Talent für die Inszenierung düster-bedrohlicher Szenarien attestiert werden muss. So ging die Hatz der intelligenten außerirdischen Killerkreaturen in die dritte Runde.

Doch "Alien III" aus dem Jahre 1992 wurde und blieb der bislang schwächste der "Alien"-Filme. Fincher, der das Werk aufgrund von Studiowünschen mehrmals umschneiden musste, war sichtlich bemüht, die Bürde, die mit dem Auftrag zu einem weiteren Teil der Mythologie auf seinen Schultern lastete, zu tragen – er schaffte es aber nicht vollends. Zu groß waren schließlich auch die Maßstäbe und Vorgaben: Ein so facettenreiches, spannungsgeladenes und actionfreudiges Werk wie sein Vorgänger konnte Fincher nicht liefern, eine Imitation wäre nur schwach geworden.

So besinnt sich "Alien III" erst einmal auf die Subtilität der Spannung aus Teil eins und lässt wieder nur eines der säurehaltigen Killerbiester auf Ripley und Co. los; diese strandet nun auf einem Gefängnisplaneten, auf welchem die Inhaftierten in einer Art Mönchsorden zusammenleben.
Um der bislang gezeigten Zukunft also neuen Wind zu geben, thematisiert Fincher erst einmal vorrangig die Problematik der Gefangenschaft und der einzigen Frau unter den Häftlingen. Beim anschließenden Kampf gegen das Alien baut er schließlich die Problematik ein, dass man gänzlich auf Waffen verzichten muss.

Die Inszenierung bietet dabei einige härtere Szenen und weiß im gesamten schon zu gefallen. Doch so manches ist mittlerweile sehr vorhersehbar, viele der Alien-Attacken erwartet man. Da gerade ein Großteil dieser Suspense-Szenen nach altbekannten Mustern abläuft, gibt es anfangs kaum Überraschungen bei den Übergriffen des Aliens. Spannend ist dann erst die Szenerie, ab der Ripley und die Gefangenen versuchen, die Bestie in eine Falle zu locken. Hier gibt's dann einige packende Szenen vom feinsten, ein paar Minuten Dauerspannung, garniert mit Kamerafahrten aus der Alien-Perspektive.

Interessant und innovativ gibt sich dann natürlich v.a. der Schlussclou, auf den der ganze Film, rückblickend gesehen, eigentlich hingearbeitet hat: Ripley trägt in sich eine Alienkönigin und stürzt sich in einer Szene in den Freitod, die gerne noch etwas epischer wäre, als sie nun wirkt.

Also, was haben wir? Eine spannende, handwerklich gekonnt und teilweise innovativ inszenierte, gelungene letzte halbe Stunde, aber der Streifen kränkelt an zu vielen anderen Mängeln:
So bleiben gerade zu Anfang viele Elemente der neuen Kulisse ungenutzt. Außer Ripley (und auch sie hier nur, weil der Zuschauer sie aus den anderen Filmen bereits kennt) gewinnt kaum jemand der anderen (eigentlich gut besetzten) Charaktere an Tiefe. Die meisten bleiben leider bis auf wenige gelungene Momente blass, vieles ist zu vorhersehbar. Abgesehen davon sollten Freunde handfester Action hier gewarnt sein, die bietet Fincher in seinem Werk in bewusster Abgrenzung vom Vorgänger wenig.

Auch wenn es geschah, um die Prämisse dieses Teils möglich zu machen, möchte ich zudem den Ausgangspunkt der Story kritisieren: Mit der Holzhammermethode, außer Ripley alle Überlebenden des zweiten Films direkt zu Anfang und ungesehen sterben zu lassen, hat man auch für die Zukunft viele Chancen verbaut. Michael Biehn zum Beispiel hätte ich gern wiedergesehen. So bleibt vieles ungeklärt - meiner Meinung nach u.a. auch Ripleys eigentliche "Infizierung". Da hilft auch die hingebogene Implementierung des Bishop-Charakters nur wenig – diese bereitet höchstens eine Nuance des Schlusses vor (Lance Henricksens zweiter Auftritt).

Nun ist Finchers "Alien III" sicherlich nicht dermaßen schlecht, wie es seinerzeit oftmals behauptet wurde Doch auch wenn der Film durchaus spannend ist und einige innovative Elemente zu bieten hat, bleibt er der bislang schwächste und unausgefeilteste Streifen der Reihe. Aufgrund der Inszenierung und einiger gelungener Momente ist er mir dennoch eine eingeschränkte Empfehlung wert. Wenn man über die langatmigeren Passagen hinwegsieht, ist dennoch ein spannender SF-Abend drin.


Hinweise zu den Fassungen:
Wie bereits erwähnt war der Dreh des Films von ständigen Drehbuchänderungen und Kontroversen zwischen Produzenten und Regisseur überschattet. Die mit der Veröffentlichung der „Alien Quadrilogy“-DVD-Box vorgelegte erweiterte Fassung ist knapp eine halbe Stunde länger als die Kinofassung und läuft nun etwa 140 Minuten. Hier sehen wir neben einem neuen Anfang ein alternatives Ende jede Menge neuer Szenen und Dialogerweiterungen. Außerdem wurden Teile des Films umgeschnitten. Von einem Director’s Cut im eigentlichen Sinne kann allerdings nicht gesprochen werden, da die hier gezeigte Fassung dem 1991 bei Fox eingereichten und abgelehnten Rohschnitt von Fincher entspricht. Da dieser für die DVD extra überarbeitet wurde, lohnt ein Blick allemal.