Kritik
von Dirk Wilkens-Hagenkötter
Unheimliche Begegnung der dritten Art entstand 1977 kurz nach Krieg der Sterne und füllte erneut die Kinosäle. Damit war klar, dass Science Fiction ein Zugpferd Hollywoods sein konnte. Von jetzt an wurden die Budgets größer und die Mitwirkenden namhafter. Für Regisseur Steven Spielberg war es auch ein persönlicher Erfolg. Hatte er doch bewiesen, dass sein Blockbuster „Der weiße Hai“ keine Eintagsfliege war.
Nur selten werden in SF Filmen die Außerirdischen positiv dargestellt. In der Regel sind sie Invasoren oder blutdürstige Monster. Das ist insofern auch logisch, als das gerade Science Fiction oft Zeitgeist und Zeitgeschehen in phantastischen Geschichten verarbeitet. Da wird dann schon mal aus den bösen bösen Kommunisten eine außerirdische Infiltration oder gar Invasion.
Stephen Spielberg ging bei Unheimliche Begegnung der dritten Art genau entgegengesetzt vor. Seine Außerirdischen waren nicht böse, sondern gut, ihre Absichten waren keine Unterwerfung der Menschheit, sondern ihre Befreiung von Sorgen und Ängsten. Gerade die Musik von John Williams und die Lichteffekte bei der Landung der Fremden, wirken auf den Zuschauer fast sakral und göttlich. Da kommen keine Außerirdischen, da kommen die in allen Religionen angekündigten Retter und Heilsbringer.
Die beiden Hauptfiguren, Roy Neary und Jillian Guiler stehen stellvertretend für uns Normal-Menschen: Beide sind mit ihrem Leben nicht sehr glücklich. Der eine hat ein gut bürgerliches Leben mit Ehefrau und Kindern, einen gut bezahlten Job, aber das ist nicht das, was er sich einst von seinem Leben erwartet hat. Seine Modelleisenbahn, ist die einzige wahre Abwechslung in seinem Leben. Als er die Ufos sieht, flüchtet er sich zunehmen in eine neue Welt, in der seine Familie keinen Platz mehr hat. Diese neue Welt betritt er endgültig am Ende des Films, indem er das Raumschiff erreicht.
Bei Jillian ist es ähnlich. Sie ist alleinerziehende Mutter. Barry macht ihr ganz schön zu schaffen. Sie findet kaum einen Moment der Ruhe. So war das Leben eigentlich nicht geplant gewesen. Aber dann wird Barry von den Außerirdischen entführt. Und während Roy alles versucht, um sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen, handelt Jillian aus dem Gegenteil heraus: Sie will ihren Sohn zurück. Es soll wieder so sein, wie es war. Das sind 2 völlig unterschiedliche Ziele, und deshalb trennen sich Roy und Jillian, als sie den Berg erreichen. Sie hat ihren Sohn wieder, aber Roy muss weiter gehen. So geben die Außerirdischen jedem Menschen was er braucht um glücklich zu werden.
Die Begegnung mit den Außerirdischen ist mit einer wahnwitzigen Verschwörung verbunden, die jedes Verschwörungsfanherz höher schlagen lässt. Da wird ein Eisenbahnunglück vorgetäuscht, bei dem es zu chemischen Vergiftungen gekommen sein soll. Anwohner und Neugierige sollen so vom Berg ferngehalten werden Diese Verschwörung an sich wäre schon als Thema für einen eigenen Film geeignet gewesen. Bei Unheimliche Begegnung verläuft diese aber fast am Rande. Im Grunde wird diese Verschwörung nicht einmal kritisch betrachtet, sie geschieht einfach. Und die beiden Helden scheint es auch nicht sonderlich zu stören, es scheint fast selbstverständlich, dass die Regierung alles tut, um die Begegnung zu vertuschen. Stellvertretend für den Zuschauer versöhnen sich Roy und Jillian mit den Verschwörern, indem sie am Ende mit ihnen zusammen die Außerirdischen begrüßen. An diesen Elementen merkt man, dass der Film einige Jahre auf dem Buckel hat. Es gibt bestimmte Filmstrickmuster, die lassen eine bestimmte Zeit erkennen, die würde man so in späteren oder früheren Jahren nicht vorfinden. So meinte der Regisseur Jack Arnold in den 80er Jahren, dass er heute das Militär nicht mehr als Retter in der Not zeigen würde (bezogen auf Tarantula, wo Jagdflugzeuge die Riesenspinne vernichten). Und genauso würde man heute vermutlich keine Verschwörung als selbstverständlich darstellen. Heute würde die Figur des Lacombe sicher am Ende einer gerechten Strafe zugeführt werden bzw. die Verschwörer würden überhaupt negativer dargestellt werden. Das kann man vielleicht schon beim Nachfolger von Unheimliche Begegnung, bei E.T. sehen. Dort werden die staatlichen Versuche, den Außerirdischen zu finden längst nicht mehr als ehrenwert dargestellt.
Unheimliche Begegnung der Dritten Art war so erfolgreich, dass es eigentlich eine Fortsetzung geben sollte. Aber für Spielberg war die Geschichte zu Ende. Deshalb machte er es anders: Er schuf 1980 eine neue Version. Er kürzte und entfernte einige Szenen und fügte an anderen Stellen neue hinzu: Die Entdeckung des im Bermuda-Dreieck verschollenen Frachters Cotopaxi, und der neue Schluss, in dem man das Innere des Raumschiffes sieht. Insgesamt war die neue Version 2 Minuten kürzer als die alte Kinoversion. Gerade die erweiterte Schluss-Sequenz fand aber nicht allgemeinen Zuspruch. Es machte das Ende nur unnötig Lang. Das sah Steven Spielberg wohl auch selbst so, und als der Film kürzlich auf DVD erschien, entstand nun die 3. Fassung, der Directors Cut. Darin ist die Schluss-Szene wieder entfernt worden, und die zuvor geschnittenen Szenen wieder eingefügt worden. Lediglich das Schiff in der Wüste blieb.
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