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Filmwelt


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A Beautiful Mind


Filmkritik

von Holger Lodahl

„A Beautiful Mind“ ist in vielerlei Hinsicht ein perfekt inszenierter Film: Die Kulisse ist beispielhaft gewählt; die Musik untermalt jede Szene zum richtigen Zeitpunkt; das Drehbuch führt den Zuschauer auf eine falsche Spur und weiß zu überraschen. Selbstverständlich sind auch die Schauspieler für jede Rolle perfekt gecastet und finden die Balance zwischen Schauspielkunst und aufmerksambringendem Starrum. „A Beautiful Mind“ ist ein Film, der amerikanischer und näher an Hollywood kaum sein könnte. Und in diesem Perfektionismus Hollywoods entblößt sich die Schwäche dieses Filmes: Er ist übertrieben perfekt, steril gestaltet und das Spiel der Schauspieler ist Beispiel von Overacting.

Russel Crowe hatte gerade den Oscar für seine Darstellung in „Gladiator“ erhalten und zerrte demzufolge an diesem Ruhm, als er die Rolle des Mathematikers erhielt. Sicher sollte ihm gelingen, was Tom Hanks gelang, als dieser nach „Philadelphia“ auch noch für „Forrest Gump“ einen Oscar erhielt. Und daher zog Crowe alle Register seines vorhandenen Könnens, um das schizophrene Rechengenie darzustellen. Damit Verrückte aber in Hollywood für übermenschliche Rührfiguren taugen, müssen sie neben der Genialität auch noch eine gewisse Verschrobenheit aufweisen. Filme wie „Shine“ und „Nell“ beweisen dies. Crowe hat sich dies zu Eigen gemacht und man sieht ihn daher ständig mit verwirrtem Blick hin und her sehen, seine Hände zucken unkontrolliert und er nuschelt ständig vor sich hin, ohne dass ihm jemand zuhören würde. Man wird in der Summe dieser Ticks an einen alten Bekannten erinnert, und von Crowes Charakterzeichnung bleibt ein fahler Beigeschmack einer Kopie von Hoffmans „Rainman“.

Für Hollywood ist „A Beautiful Mind“ der ideale Oscar-Film, und manchmal fragt man sich, wofür. Wenn ein paar graue Strähnen im Haar ankündigen, dass in den nächsten Minuten gleich einige Jahrzehnte vergehen, dann ist das in Hollywood eine Nominierung für die beste Maske wert. Neben Schauspieler und Schauspielerin sollte der Film auch Bester Film werden, und das Drehbuch wurde auch nicht missachtet.

Dabei ist das Buch der schwächste Teil des Filmes. Zwar führt es den Zuschauer geschickt auf eine falsche Fährte und lässt ihn im Moment der Überraschung im Kinosessel auffahren. Doch ohne die Überzeugung des Hauptdarstellers sollte das Buch schon mehr bieten als die ein oder andere Überraschung und große Tränen.

Autoren Sylvia Nasar und Akiva Goldsman haben es den Zuschauern leicht machen wollen, als sie die Biographie Nashs um die Stellen kürzten, die den Film auch für ein anspruchvolles Publikum in Europa interessant gemacht hätten. Mit keinem Wort wird Nashs Bisexualität und sein starker Trieb erwähnt; sein uneheliches Kind sucht man vergebens. Kennern des Mathematikers werden noch einige Haken und Umwege vermissen.

Von diesen großen Änderungen abgesehen mangelt es dem Film auch an kleineren Unzulänglichkeiten. Soll der Zuschauer wirklich glauben, dass es Nash gestattet ist, sich tage- und nächtelang in der Bibliothek aufzuhalten und die antiken Fenster mit seinen Gedanken zu beschriften? Ist der Akt der Unzufriedenheit, der in dem Rauswurf des Schreibtisches durch das geschlossene Fenster endet, wirklich nachvollziehbar?

„A Beautiful Mind“ ist daher ein Paradebeispiel für den Unterschied zwischen Hollywood und europäischen, authentischen Kino. Der Film ist bei den Oscars nicht leer ausgegangen und gilt als einer der großen Erfolge der Saison 2001/02. Und obwohl auch gut zwei Millionen Deutsche in die Kinos gingen, konnten sie sich nicht mit dem Film anfreunden, so dass „A Beautiful Mind“ nicht als Klassiker bezeichnet werden kann.

Der Film lässt einen Blick in den verwirrten Geist eines schwerkranken Mannes zu und zeichnet seinen Kampf und seinen Sieg nach. Doch als Zuschauer bleibt dies nicht in Erinnerung.