Filmkritik
von Susanne Picard
Ja, das Böse hat ein neues Gesicht. Waren es weiland die Nazis, trägt der allgemeine Feld-, Wald- und Wiesenterrorist von heute Turban, Burnus und das obligatorische Aktenköfferchen. Manchmal allerdings sieht er auch aus wie Kim Jung Il und nennt sich auch so.
Ja, die Zeiten ändern sich. Aber, die Heimstatt der Freiheit und Schützer derselben hat gegen jeden Terroristen das richtige Mittel: Go, Team America!!
Natürlich gibt es auf dem Weg zur Freiheit ein paar Kollateralschäden, aber was sind schon die ägyptische Sphinx, der Eiffelturm oder auch der Londoner Tower gegen das kostbare Gut der Freiheit? Na, eben, wer wird da schon so kleinlich sein und behaupten, dass Kultur direkt mit diesem vielgelobten Gut zusammenhängt! Dass die Zivilbevölkerung da mitmacht, setzt das Team America da einfach (und offenbar völlig zu Recht) voraus. Aber - manchmal marodieren eben doch ein paar angeblich verantwortungsbewusste und politisch korrekte Bürger (reaktionäres Pack!!), zum Beispiel die Actors Guild of America unter der Führung von Alec Baldwin, Susan Sarandon, Tim Robbins und Matt Damon - ja, der diesmal ohne Ben Affleck, hurra! Allerdings: Schuster, bleib bei deinen Leisten, denn für den wahren Heroismus ist die Spezies Hollywoodmensch dann doch nicht geeignet. Im Grunde nicht mal für ihren eigenen Job, behauptet der Film, denn dass Oberbösewicht Kim Jung Il die ganze Schauspielerbande an der Nase herumführt, merkt die gar nicht mal.
Man sieht an diesem völlig durchgeknallten und ausgeflippten Streifen, dass es manchmal eben doch funktioniert, heutzutage einen Puppenfilm zu machen. Bei der Verfilmung der Thunderbirds - eigentlich eine ebenso durchgeknallte Thematik wie hier - musste es ja noch aus unerfindlichen Gründen ein Realmovie sein. Ging natürlich völlig daneben. Hier sieht man, es kann funktionieren. Denn immerhin wird jedes Klischee des klassischen Actionmovies durch den Kakao gezogen und dank der Tatsache, dass hier die Puppen tanzen, bezweifelt das auch niemand an irgendeiner Stelle. Ungesunder Ernst kommt nicht vor. Da wird ein Musical-Schauspieler engagiert, weil er angeblich der Beste der Welt ist, obwohl er noch keinen Oscar gewann (aber seit wann ist das eigentlich ein Kriterium? Eben.) Denn natürlich kann nur Gary Johnston undercover so gut sein, den Qaida-Terroristen aus der Nase zu ziehen, wer hinter den Anschlägen steckt. Natürlich gibt es eine Achse des Bösen und natürlich gewinnt am Schluss das Team America.
Ein Heidenspaß also, der an einigen Stellen ein bisschen arg albern wird, was allerdings nicht schadet, denn wie gesagt, es handelt sich ja nur um Puppen. Ein bisschen enttäuscht muss man allerdings an dieser Stelle anmerken, dass die Klischees manchmal so breitgetreten werden, dass sie schon wieder in Harmlosigkeit umschlagen. Dass das Böse natürlich besiegt wird und das Team gewinnt, ist dabei nur ein Punkt. Innovativ ist das jedenfalls nicht gerade - wenn man schon auf sämtliche althergebrachten Muster einprügelt, hätte man es auch gleich ganz tun können.
Der Gerechtigkeit halber sei hier an dieser Stelle noch ein paar Worte zur Synchronfassung angemerkt: Wer kann, sollte den Film im amerikanischen Original sehen. Normalerweise muss man in der letzten Zeit kaum Worte darüber verlieren, denn die deutschen Fassungen werden besser und besser. Hier allerdings hat sich der deutsche Verleih an eine wortgetreue Übersetzung nicht so recht herangetraut - mit dem Ergebnis, dass vieles harmloser klingt und der Film (wenn schon nicht wirklich an Witz), so doch an Aussage verliert. Fäkalsprache ist eben ein zweischneidiges Schwert. Auch wenn sie nicht unbedingt witzig ist, es ist eben doch ärgerlich, wenn man wegen selbsternannten Tugendwächtern darauf verzichten muss.
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