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Filmwelt


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:: Die Filmkritik


The Order


Kritik

von Mario Rössel

Regisseur und Drehbuchautor Brian Helgeland stieß vor sieben Jahren auf den uralten Begriff "Sin Eater" - eine Person, die die Sünden anderer Menschen in sich aufsaugen kann, um sie so zu erlösen. Er fuhr deshalb nach Rom, um mehr über dieses Ritual zu erfahren und entdeckte, dass es selbst in der heutigen Welt noch Exorzisten gibt. Aus seinen Nachforschungen entstanden letztendlich die Geschichte und das Drehbuch zu "Sin Eater - Die Seele des Bösen".

Die Story des Filmes ist eine Mischung aus Horror, Thriller und Krimi gewürzt mit einer kleinen Liebesgeschichte. Was sich auf dem Papier eigentlich spannend, interessant und verwickelt anhört, wurde im Film leider so katastrophal umgesetzt, dass der Zuschauer schon nach wenigen Minuten das Interesse verliert und dem Einschlafen nahe ist. Und dabei hatte der Film doch einiges an Potential.

Da wären zum einen die oben erwähnte Story und ihre Schauplätze. Tatsächlich sind die Aufnahmen von Rom mit all seinen historischen Gebäuden das eigentliche Highlight des Filmes. Für die Innenaufnahmen des Vatikans zog es das Drehteam ins italienische Casertas, wo ein beeindruckender Königspalast steht. Hier bietet der Film eine wunderbare Kulisse, die fast vollständig von den Darstellern ablenkt. So führt uns die Geschichte auch zurück in die Vergangenheit zur Erbauung des Petersdoms, um mehr über Geschichte und Hintergründe des Sin Eaters zu erfahren. Gerade hier hatte man die Chance den Film die nötige Würze und Spannung zu geben, die man von der Geschichte erwartet hätte. Aber leider erstickt man diese Szene in einen endlosen und langweilig geführten Dialog.

Von der schauspielerischen Besetzung kann sich der Film durchaus sehen lassen. Der in Australien geborene Heath Ledger spielt die Hauptrolle in "Sin Eater" als Alex. Genre-Fans werden ihn am besten als selbsternannten "Ritter aus Leidenschaft" in Erinnerung haben. Unglücklicherweise spielt Ledger den jungen New Yorker Priester äußerst leidenschaftslos. Mit ständig leidendem Blick und einigen Standardgesichtsausdrücken reist er in diesem Film niemand vom Hocker. Ihn wird man in diesem Jahr übrigens noch einmal in "The Brothers Grimm" sehen können. Wesentlich mehr ins Herz schließt man den lebensfrohen und aufgeschlossenen Thomas, von Mark Addy gespielt. Auch er gehörte zu Helgelands Darstellern aus "Ritter aus Leidenschaft" und man sah ihn zudem in der Neuverfilmung von "The Time Machine". Thomas ist nicht nur für die seltenen Komikeinlagen zuständig, sondern entwickelt sich neben Mara zu einer der tragischen Figuren des Filmes. Diese Figur wird von Shannyn Sossamon gespielt, die dritte Darstellerin aus "Ritter aus Leidenschaft", wo sie die Hauptrolle der Jocelyn mimte. Ihr Gesicht kennt man zudem aus "40 Tage und 40 Nächte".

Regelrecht an die Wand gespielt werden alle diese Schauspieler, ob man es nun glaubt oder nicht, von dem deutschen Darsteller Benno Fürmann als Sin Eater namens William Eden. Von allen spielt er seine Rolle noch am glaubwürdigsten und verleiht der titelgebenden Figur eine gewisse Würde, Gefährlichkeit und Rätselhaftigkeit. Fürmann kennt man aus Filmen wie "Der Eisbär", "Anatomie" und "Der Krieger und die Kaiserin". "Sin Eater" war seine erste Hollywoodproduktion, in der er mitwirken konnte. Auch Peter Weller, am ehesten bekannt als Titelfigur in "Robocop" schafft es nur zu einer "Unter ferner liefen"-Leistung, obwohl er eine der mysteriösesten Rollen im Film spielt.

Brian Helgeland hat scheinbar versucht, ein altbewährtes Team um sich zu scharen. Doch was bei "Ritter aus Leidenschaft" funktioniert haben mag, schlug hier deutlich fehl. Horror beginnt vor allem im Kopf der Zuschauer, wo man Spannung durch Andeuten und Nichtzeigen des Grauens erzeugen kann. Doch leider bewirken die Andeutungen und Hinweise in "Sin Eater" so gut wir gar nichts, und ein Gefühl wie Spannung kommt gar nicht erst auf. Nicht einmal die zwei, drei Schockeffekte im Film können da noch etwas retten. Auch die wenigen Special Effects, die es zu sehen gibt, sind leider so einfach und lächerlich geraten, dass man kaum noch glaubt, hier eine Produktion von 20th Century Fox vor sich zu haben.

Schade nur, dass es heute scheinbar kaum noch möglich ist, mit religiösen Themen vernünftige Horror- und Mystery-Filme wie seinerzeit "Der Exorzist" und "Omen" zu drehen. Selbst jüngere Werke wie "Stigmata" oder "Im Auftrag des Teufels" vermitteln zumindest noch einen Hauch von Geheimnis und Spannung.

Genre-Fans, die wirklich jeden Film sehen müssen, der sich das Thema "Horror" auf die Fahne schreibt, werden auch diesen Film überstehen. Allen anderen rate ich jedoch dringend, das Geld lieber für andere Filme zu sparen. Denn so viel verschenktes Potential, wie in "Sin Eater", bekommt man - zum Glück - nur selten zu sehen.