Inhalt & Kritik
von Thomas Harbach
Mit „Nosferatu“ legt Transitfilm in Zusammenarbeit mit der Murnau- Stiftung Murnaus Titeltechnisch bekanntesten Film in einer restaurierten Fassung mit der lange als verschollen gegoltenen Originalmusik wieder auf. Es ist eher einem Zufall zu verdanken, dass Murnaus zehnter Film überhaupt noch zur Verfügung steht. Der Drehbuchautor Henrik Galeen hat das Drehbuch von „Nosferatu“ handlungstechnisch zu eng an Bram Stokers 1897 erschienenen Roman „Dracula“ angelehnt. Das Geschehen hat Galeen in die fiktive Stadt Wisborg an der deutschen Ostseeküste verlegt. Der Zeitpunkt der Handlung wurde im Vergleich zu Stokers „Dracula“ Romane um einige Jahrzehnte in die Vergangenheit verlegt. Allerdings hat Galeen die teilweise unnötige komplexe Handlung Stokers nicht nur aus budgettechnischen Gründen stark gestrafft und viele unnötige Nebencharakter herausgestrichen. Ansonsten übernahm das Team aus dem Buch „The Land beyond the Forrest. Facts, Figures & Fancies“ von Emily Gerard den Begriff des Nosferatu. In der Verfilmung selbst mehrmals mit dem Synonym Würger gleichgestellt, was faktisch und vor allem handlungstechnisch verkehrt ist. Die Autorin selbst macht den ebenfalls Fehler, den Begriff des Pestbringers falsch aus dem Griechischen zu übersetzen und mit „Untoter“ gleichzusetzen. Murnau dagegen verbindet beide Ideen direkt miteinander, denn sein Vampyr ist ein Untoter und bringt die Pest durch die Ratten in seinem Gefolge. Die Ähnlichkeiten zu Stokers „Dracula“ waren allerdings zu auffällig und so ließ die Witwe gerichtlich die weitere Verbreitung des Films verbieten. Alle Kopien sollten vernichtet werden. Nur aufgrund der Tatsache, dass der Film inzwischen auch in Frankreich und den USA mit eher durchschnittlichem Erfolg verliehen wurde, ließ einige Kopien überleben. Als Anfang der Dreißiger Jahre der Tonfilm seinen Siegeszug antrat, wurde eine neue Fassung aus den vorhandenen Kopien geschnitten, mit Ton unterlegt und neue ins Kino gebracht. Stokers Witwe war in der Zwischenzeit gestorben. Wie auch die ursprüngliche Fassung konnte „Nosferatu“ erstaunlicherweise das Kinopublikum nicht erreichen. Obwohl insbesondere der deutsche Gruselfilm nach dem Ersten Weltkrieg und dank solcher Filme wie „Der Golem, wie er in die Welt kam“ oder „Das Cabinett des Dr. Caligari“ in voller Blüte gestanden ist, muss man sich vor Augen halten, dass „Nosferatu“ eine Low Budget Produktion für eine neue Produktionsfirma – deren Gesellschafter glühende Anhänger des Okkulten gewesen sind – mit nur einer einzigen Kamera und einem sehr beschränkten Budget gewesen ist. Obwohl das Team nach Transsylvanien reiste, um dort vor Ort zu drehen, beschränkten sich die anderen Handlungsorte fast ausschließlich auf die Stadt Wisborg, die eine Mischung aus Lübeck – die Salzspeicher und einige Seitenstraßen an der Obertrave bzw. im Malerwinkel – und Wismar – insbesondere die alte Stadtkirche – ist. Als Strand diente erstaunlicherweise die Insel Sylt und nicht die nahe Ostsee. Das Vorortdrehen hat dem Film nicht geschadet. Im Vergleich zu den schon oben angesprochenen reinen Studioproduktionen wie „Golem“ oder „Caligari“ wirkt die Mischung aus Sets – alle Innenaufnahmen, die nach Gemälden bekannter Künstler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr geschickt gestaltet worden sind – und natürlicher Szenerie sehr viel authentischer und stimmungsvoller.
Der Film ist eine retrospektive Erzählung der Notizen des Stadtschreibers von Wisborg über eine Pestepidemie in der Stadt im Jahre 1838 in fünf Akten. Ganz bewusst bewahrt Murnau von Beginn an dem grundlegenden Plot gegenüber erzähltechnisch eine ambivalente Haltung. Der Zuschauer kann förmlich die Patina der Geschichte spüren, die sich anscheinend aus verschiedenen Volkssagen – alleine die Szenen in Rumänien sind bezeichnend – und Versuchen, die plötzlich auftretenden Pestwellen zu erläutern, zusammensetzt. Wenn dann am Ende des Films ganze Schlösser zu Ruinen werden, weil ihr Besitzer/ Bewohner nicht mehr lebt, archaische religiöse Symbole eine wichtige Rolle spielen und man auf dem Totenschiff das Knarren des Holzes auf der Überfahrt nach Wisborg förmlich spürt, durchbricht Murnau die klassische Komplexität einer Geschichte zu Gunsten einer „primitiven“ Volkssage mit der entsprechenden Moral am Ende.
Der Immobilienmakler Knock bekommt den Auftrag, für den in den Karpaten lebenden Grafen Orlok ein Haus in seiner Stadt zu suchen. Er entscheidet sich für das schnelle Geld und will ihm das verfallene Haus genau gegenüber seinem verkaufen. Er schickt seinen Mitarbeiter Thomas Hutter zu Graf Orlok, um jenem das Angebot zu unterbreiten. Schon kurz bevor Hutter das Schloss erreicht, bemerkt er, dass die Einwohner des Ortes sich fürchten. Sie stecken ihm heimlich ein Buch über Vampire zu, was ihn zunächst eher amüsiert.
Graf Orlok ist ein düsterer, schmächtiger, eingefallener Mann. Als er ein Foto von Hutters Frau Ellen sieht, ist er sofort angetan von deren Schönheit und unterschreibt den Vertrag für das alte Haus. Doch in dieser Nacht erkennt Hutter, was er getan hat: Er hat das Grauen einen Vertrag unterschreiben lassen und ihm damit zum Einzug in seine Stadt verholfen. Er erkennt, dass er am nächsten Morgen zwei Bissmale am Hals hat und Orlok ein Vampir ist. Tatsächlich erscheint der Graf des Nachts in seinem Zimmer und will sein Blut trinken, doch im fernen Wisborg erwacht Ellen aus dem Schlaf, merkt, dass etwas nicht stimmt und ruft den Namen ihres Mannes. Orlok scheint dies zu hören und lässt ab. Er macht sich auf einem Schiff auf den Weg von Varna nach Wisborg; Hutter ebenfalls. Auf dem Schiff stirbt nach und nach die gesamte Besatzung an der Pest. Knock, inzwischen dem Wahnsinn verfallen, wartet auf die Ankunft seines „Meisters“. Fast zeitgleich kommen Hutter und das steuerlose Schiff in der Stadt an, in der vom gleichen Augenblick an die Pest ausbricht. Auffälliges Merkmal aller Opfer: Wundmale am Hals. Ellen liest entgegen der Warnung Hutters das Vampir-Buch und kann daraus entnehmen, wie man dem Treiben von Vampiren ein Ende bereiten kann. Eine unschuldige Frau muss sich opfern und Ellen beschließt, selbst diese Rolle zu übernehmen. Kurz vor dem Morgengrauen schickt sie Hutter aus dem Haus. Sie öffnet das Fenster und lässt den Vampir ein, der den ersten Hahnenschrei verpasst und sich im Sonnenlicht auflöst. Sie stirbt, doch die Stadt ist von der Plage befreit.
Obwohl das Drehbuch sehr sklavisch der Vorlage Bram Stokers folgt, gelingt es dem Team Galeen/ Murnau aus der Prämisse eine „Symphonie des Grauens“, eine Komposition von Bildern zu erschaffen, die einzeln dem Betrachter im Gedächtnis bleiben, die aber im Zusammenhang betrachtet reichhaltig Platz zur freien Interpretation bieten. Wenn ein Zwischentitel von „Blut ist Leben“ spricht, wirkt dieser Ausspruch zuerst weniger als Metapher für (un) menschliches Begehren, sondern fasst den Gedanken des Vampirismus adäquat zusammen. Dabei bricht der eindringende Vampir nur die statische, die unnatürliche und nicht emotionale Ehe bzw. geschäftliche Beziehung zwischen den einzelnen Charakteren auf. Gleich zu Beginn des Films betrachtet sich Hutter in einem Handspiegel. Mit einer kurzen Einstellung reduziert Murnau treffend Hutter auf einen eitlen, selbstverliebten, fast narzisstischen Charakter. Im Grunde ist ihm seine Frau gleichgültig – ein Element, das in den späteren Dracula- Romanen mehr und mehr zugunsten der obligatorischen Geschichte um die ewige Kraft der Liebe reduziert werden wird. Mit dem zweifelhaften Auftrag – alleine das Haus, das dem offensichtlich reichen Grafen angeboten werden soll, ist eine Bruchbude – und der Möglichkeit, auf die Schnelle viel Geld zu verdienen, zieht der zu selbstbewusste bis arrogante Hutter in die Ferne. In einem späteren okkultistischen Film wird mit den Schatten, den jeweils zweiten Ichs der Charaktere gespielt. Murnau trennt im Grunde gleich zu Beginn des Films seinen scheinbar wichtigsten Protagonisten in zwei Hälften. Das Bild, das er selbst von sich hat und das systematisch später von „Nosferatu“ demontiert wird, und die Gestalt, welche der Zuschauer in der fiktiven Realität des Films auf der Leinwand als erstes zu sehen bekommt. Während seine Frau in den ersten Szenen blass und eingeschüchtert wirkt, übernimmt sie später indirekt das Kommando und besiegt den Vampir. Nosferatu dagegen wird Hutter im wahrsten Sinne des Wortes aussaugen. Zuerst wird er seinen Körper schwächen, später seinen Geist. Es ist vielleicht zu viel, in die Szenen in Transsylvanien hineinzuinterpretieren, dass der Nosferatu nicht nur Hutters Platz an der Seite seiner Frau einnehmen möchte, sondern Teile seiner Persönlichkeit auf sich überträgt. Auf jeden Fall scheint der Blutsauger Ellen mehr zu schätzen als der eigene Ehemann. Konträre Positionen nimmt der Film noch an einigen anderen Stellen ein. Die Idee des umgekehrten Spiegelbildes zieht sich wie ein absichtlicher roter Faden durch die Handlung. So ist es sicherlich kein Zufall, dass dem Grafen ausgerechnet das Haus gegenüber angeboten werden soll. Dank geschickter Schnitte weiß der Zuschauer, dass der Immobilienmakler Knock in einem sehr schönen Haus lebt. Die Ruine gegenüber seinem Anwesen mit ihren schiefen Wänden und fensterlosen Öffnungen könnte als Vorlage eines klassischen Spuckhauses dienen. Stärker könnte ein Kontrast optisch nicht aufgebaut werden. In einer anderen Szene – eher als Kompromiss dem einfachen Publikum gegenüber integriert, das sich kaum vorstellen kann, wie weit Transsylvanien von Deutschland entfernt liegt – stellt Murnau Hutter der Europakarte gegenüber und doppelt damit die Ausgangsszene. Auch die Verbindung zwischen Hutters Frau Ellen und dem Nosferatu weißt einige erstaunliche Parallelitäten auf. So schlafwandelt sie meistens und imitiert indirekt die Bewegungen des Vampirs. Nicht umsonst zeigt Murnau gleich zu Beginn einer Venusfliegenfalle, eine schöne, aber für Insekten tödliche Blume. Sie rettet aber nicht nur ihre Heimatstadt Wisborg, sondern auch den sie nicht liebenden Mann. Während sie in Wisborg schlafwandelt, greift der Vampir in Transsylvanien nach Hutter. Entsetzt schreit sie auf und trotz der großen Entfernung kann der Vampir ihren Ruf vernehmen. Er lässt von seinem Opfer ab und beschließt, nach Wisborg zu gehen. Die Schöne wird die Bestie töten, denn schließlich Ellen wird zumindest für den Nosferatu zu einer lebendigen Venusfliegenfalle, hält ihn in ihrer Kammer bis zum Morgengrauen fest. Im ersten Sonnenlicht löst sich schließlich der Vampir auf. Das bis zum Morgengrauen bleiben wird eher impliziert, würde aber in der feinen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts für einen kräftigen Skandal gut sein. Handlungstechnisch wird erstaunlicherweise ein knappes Jahrzehnt später „King Kong“ viele Prämissen von „Nosferatu“ und damit auch Bam Stokers „Dracula“ übernommen. Diese Reise in eine exotische Region der Erde, das Erwecken der Bestie, diese verliebt sich in eine schöne Frau und stirbt schließlich direkt/ indirekt durch ihre Hand. Am Ende des Films bleibt Hutter alleine zurück. Er hat die Frau verloren, die er niemals richtig geliebt hat, seine Sucht nach Geld konnte er auch nicht befriedigen. Seine hübsche Frau hat in einem Akt der Selbstopferung den Vampir getötet und damit die Stadt von der Pest befreit, welche ihr Mann zusammen mit seinem Arbeitgeber leichtfertig in die Stadt geholt hat. Allerdings macht Hutter nicht den Eindruck eines gebrochenen Mannes. Während des Nosferatu das Blut aus den Menschen gesaugt hat, werden Knock und Hutter weiterhin das Geld aus ihren Kunden saugen. Damit stellen sie sich unter die auf den ersten Blick abscheuliche Ebene des Vampirs, der zumindest das Blut zum Überleben benötigt. Sie saugen das „Geld“ aus reiner Profitgier aus den Menschen.
Um das Thema Dualität abzuschließen, sei nur noch auf die den Film beherrschende Reise verwiesen. Mit schnellen Zwischenschnitten zeigt Murnau für den Stummfilm außerordentlich modern, wie sich Nosferatu und Hutter wieder Wisborg nähern. Diese Zwischenschnitte erhöhen die Dramatik des ansonsten schon sehr rasant inszenierten Mittelteils.
Aber „Nosferatu“ gilt nicht nur als eine der ersten Adaptionen Bram Stokers Roman, sondern trotz der verfremdeten Namen und Begriffe als eine der besten Verfilmungen. Unabhängig von den drehbuchtechnischen Raffinessen ist es vor allem Murnaus Inszenierungsstil – der Film ist überwiegend mit einer großen Linse gedreht worden, was den Bildern mehr Tiefe gegeben hat -, welcher auch achtzig Jahre nach seiner Entstehung noch oder gerade erst jetzt begeistert. Die Farbtönungen des Materials sind die ersten Hinweise auf die handlungstechnischen Stimmungen des Films. Viel effizienter sind die verschiedenen optischen Spezialeffekte wie subtil angelegte Zeitrafferaufnahmen, welche die unwirkliche Bewegung des Vampirs – und der schlafwandelnden Ellen – zeigen sollen. Dazu kommen die Überblendungen und die Verfremdungen bei den wenigen künstlichen Kulissen, welche natürlich im Stil des wegweisenden „Das Kabinett des Dr. Caligari“ gehalten worden sind. Wenn sich die Wolken schnell und unheimlich über den rumänischen Himmel bewegen, sich seltsam verformte Türen wie von selbst öffnen und schließlich Nosferatu wie von Zauberhand den Fluss zu seiner neuen Heimstatt auf einem Boot ohne Ruder überquert, zeigen diese Szene Murnaus cineastische Intelligenz. Die Schattenspiele und die oft stocksteife Mimik Orlocks sowie Max Schrecks groteskes Make Up stehen in einem starken Kontrast zu den späteren „Dracula“ Verfilmungen, in denen der Vampir alleine durch sein aristokratisches Aussehen bzw. seinen natürlichen Charme die weibliche „Beute“ erlegen konnte. Der Film ist nicht zuletzt durch die einhergehende Bedrohung der Stadt durch die Pest von der Aura des Todes, unendlicher Müdigkeit und ewiger Verdammnis durchsetzt. Aus der Gruppe der Schauspieler ragt natürlich Max Schreck heraus. Das liegt weniger an seinem schauspielerischen Talent als dem grotesken Make Up. Die anderen Charaktere werden mit der für den Stummfilm typisch überzeichneten Theatralik dargestellt, sie lassen sich vordergründig sehr schnell den einzelnen Klischees zuordnen. Was den Film auch heute noch sehenswert macht, ist die gruselige nihilistische Atmosphäre, das intelligente Spiel mit den Dualitäten – so hat sich Murnau schließlich entschieden, den Film mit einem zweiten Blick auf die inzwischen verfallene Burg des Nosferatu zu beenden, um den Kontrast zwischen der stolzen, uneinnehmbaren Festung zu Beginn des Films und den mit dem Tod des Meisters erfolgten Verfall noch deutlicher herauszustellen – und vor allem Murnaus progressive, experimentelle Regie. „Nosferatu“ ist ein Film voller Gegensätze, in dem die wahre Kraft der Liebe nicht mehr existiert, in welchem normale sexuelle Beziehung nicht (mehr) möglich sind und die einzelnen Figuren ihre eigenen Identitäten verlieren. In vielerlei Hinsicht sicherlich auch ein in die Vergangenheit transportiertes Bild der Weimarer Republik, welche die Schatten des Ersten Weltkrieges und des Versailler Vertrages nie richtig abwerfen konnte.
In den Extras wird an einer Szene gezeigt, wie der Film für diese Neuauflage digital bearbeitet worden ist. Es ist schon erstaunlich, drei Musterbeispiele im Splitscreenverfahren in den unterschiedlichen Stadien der Bearbeitung parallel zu vergleichen. Der Beitrag ist nur drei Minuten lang, gibt aber einen sehr guten Einblick in die Arbeit. Auf der Leinwand selbst wirkt „Nosferatu“ niemals besser. Aus den verschiedenen Kopien hat das Team um Luciano Berriatua eine hervorragende Präsentation zusammengestellt. Die Bilder wirken bis auf einige wenige Stellen fast makellos, die Einfärbung des Films ist gelungen und die alte/ neue Musik runden das Sehvergnügen restlos ab. Der Zuschauer erkennt, dass diese Symphonie für den Film geschrieben worden ist. Zu den Extras der Steelbookedition gehören ein lesenswertes Booklet, dazu Biographien, eine Bildergalerie und die entsprechenden Produktions- und Stabsangaben. Zusätzlich befindet sich auf der DVD ein Beitrag des Restaurateurs Luciano Barriatua, über Murnaus frühes Werk bis zu „Nosferatu“. Es bleibt zu hoffen, dass auf einer späteren Veröffentlichung die Dokumentation um seine späteren Filme bis „Tabu“ erweitert wird. Der Beitrag geht auf Murnaus frühes Leben, seine künstlerisch Freundschaften – welche Einfluss auf sein Werk hatten – und kurz auf seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg an der Ostfront ein. Da die meisten seiner frühen Filme inzwischen verschollen sind und wahrscheinlich nicht mehr alle gefunden werden können, werden vereinzelnde Szenen – aus „Satanas“ bzw. Standbilder und Pressematerial in diese sehr ausführliche Dokumentation integriert. Das es immer wieder Überraschungen geben kann, zeigt zum wiederholten Male ARTE mit der Aufführung von Murnaus „Phantome“. Im zweiten Teil der Dokumentation besucht das Team dann die Originalschauplätze in Lübeck – hier spricht man einzelne Straßen allerdings mehrmals falsch aus -, Wismar und schließlich in Rumänien. Die Vergleiche zwischen dem vorliegenden Filmmaterial und der Gegenwart sind teilweise verblüffend. Im letzten Teil der Dokumentation geht man allerdings eher unkritisch auf die fehlende Resonanz an der Kinokasse ein und Murnaus Kontakte zu verschiedenen okkultistischen Gruppen. Verwandte von Murnau bestätigen in kurzen Interviews, das Murnau sich anscheinend nur aufgrund seiner Lebenspartner und deren Umfeld einem Trend angehängt hat als das es wirklich echtes Interesse gegeben hat. Die Dokumentation rundet eine der wichtigsten DVD Veröffentlichungen des Jahres – sowohl in Hinblick auf die Qualität der Restauration als auch die Extras – sehr zufrieden stellend ab.
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