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Godsend |
Kritik
von Susi Feistel
Die Idee des Films ist im Moment sehr aktuell - in den Nachrichten hört man reichlich über Stammzellenforschung am Menschen. Und wir alle erinnern uns noch an Dolly, das geklonte Schaf. Im Film, der mehr oder weniger in der Gegenwart spielt, wird das Klonen von Menschen Wirklichkeit. Dieses Thema allein würde genug Zündstoff liefern, man denke nur an "Gattaca" - ein Film, der die Zukunft der Genmanipulation erschreckend wirklich dargestellt hat.
"Godsend" will aber mehr - der Zuschauer soll auch am schmerzlichen Verlust der Eltern teilhaben, an ihrer Freude, den Sohn zurück zu haben. Er soll sich fürchten vor dem, was passiert, wenn der Mensch Gott spielt.
Das ist eine ganze Menge für einen Film - und "Godsend" verschluckt sich daran. Die erste halbe Stunde wird noch mal durchgekaut, was wir alle schon im Trailer gesehen haben. Wie im Zeitraffer wird dem Zuschauer gezeigt, wie es zu dem Unfall und anschließendem Klonen kommt. Leider reichen die Szenen kaum, um Sympathien zu den Charakteren aufzubauen. Gleichzeitig sind sie zu langsam und halten den Film auf. Bis es dann endlich zum interessanten Teil kommt, hat man sich durch die Hälfte des Films gelangweilt.
Ab Adams zweiten achten Geburtstag soll es dann zum Psycho-/Horrorthriller werden. Allein auf der Tatsache begründet, dass Klonen unerforschtes Gebiet ist, dass man nicht weiß, was passieren kann, werden dem armen Jungen Alpträume und Schizophrenie ins Skript geschrieben. Da werden die Gruselszenen aus Genreklassikern, wie "The Sixth Sense" (Jeder erinnert sich an die Szene mit dem Deckenzelt, wenn die Klammern aufgehen? Genau die, nur mit einem Duschvorhang, gibt es in "Godsend") geklaut, angepasst und unverständlich aneinandergereiht. Danach ist der Zuschauer verwirrter als die Figuren. Spätestens "Zachary" bringt das Fass zu überlaufen. Es ist zu viel Unlogisches, Unverständliches aneinandergereiht. Und es ist noch nicht einmal gruselig.
Auf der anderen Seite ist der Film vorhersehbar, wie ein Uhrwerk. Dass Dr. Wells nicht aus reiner Herzensgüte handelt, ist jedem Zuschauer von Anfang an klar. Warum sollen wir geschockt sein, wenn es sich bestätigt?
Das Ende ist ab einem gewissen Punkt im Film ebenso klar. Alles nichts Neues.
Die Schauspieler sind an diesen Film verschwendet. Greg Kinnear müht sich ab und versucht den zerrissenen Vater zu spielen, einen der in der Zwickmühle sitzt, zwischen dem was richtig ist und dem, was am besten für seine Familie ist. Rebecca Romijn-Stamos, gerade noch in "The Punisher" zu sehen, als Jessie Duncan ist kaum mehr als die meist in Tränen aufgelöste Mutter. Leider schafft es keiner von beiden, den Zuschauer wirklich mit zu reißen.
Robert De Niro. Da hat der Regisseur schon mal Robert De Niro auf der Besetzungsliste und dann bekommt der nicht eine würdige Szene. Man denke an "Angel Heart" oder "Der Fan" - so was hätte der Film gut vertragen. Leider ist der Altmeister des "Method Acting" in dem schwachen Skript gefangen. Am Anfang der liebe Onkel Doktor, dem wir trauen sollen, am Ende der eiskalte, leicht irre Wissenschaftler mit dunklem Geheimnis. Irgendwo dazwischen aber fehlt der Funke, die Szene, die De Niro freien Lauf lässt.
So ist es leider nur ein ganz normaler De Niro.
Zuletzt noch ein Wort zur Bio-Ethik, die sich dieser Film so groß auf die Fahne schreibt: Sie wird größtenteils unter den Tisch gekehrt. Abgesehen von den paar Zweifeln, die Paul am Anfang plagen und seinen späteren Vorwürfen Wells gegenüber, ist nichts von Bio-Ethik zu finden. Dafür gibt es jede Menge Pseudo-Mystery und den religiösen Zeigefinger "Was passiert, wenn der Mensch Gott spielt" - unterstrichen durch den Show-Down zwischen Paul Duncan und Richard Wells, welcher in einer Kirche stattfindet. Nichts von "Gattaca", selbst "The 6th Day" mit Arnold Schwarzenegger hatte mehr glaubwürdige Klon-Konsequenzen.
Ergo: Für Bio-Ethik schaut man besser "Gattaca", für Mystery ist "The Sixth Sense" das Richtige. "Godsend" will beides sein und ist am Ende keins von beiden.
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