Kritik
von Dirk Wilkens-Hagenkötter
Phillip Kaufman drehte 1983 "Der Stoff aus dem die Helden sind" ("The Right Stuff") nach dem gleichnamigen Roman von Tom Wolfe. In den Kinos war der über 3 Stunden lange Film überraschenderweise nicht sehr erfolgreich. Überraschend deshalb, weil der mit 4 Oscars ausgezeichnete Film alles zu bieten hat, was zu einem erfolgreichem Film gehört: Stars, Special Effects, Humor und waghalsige Flugmanöver. Erst später, mit der Videoauswertung kam der Erfolg.
Der Film versucht den Heldenmythos der um die Mercury Astronauten gemacht wurde, wieder zu geben. Für uns heute ist diese Verehrung in etwa vergleichbar, mit dem Medienrummel der um Star Search und Superstar-Suche verbunden ist. Auf ähnliche Weise fieberten Amerikaner der Antwort entgegen, wer der erste Mensch im Weltall sein würde, bzw., nachdem dies ein Russe wurde, wer der erste Amerikaner sein würde. Bei dieser Darstellung wird an dem Mythos selbst nicht gekratzt.
Die Astronauten werden immer noch sauber und ohne charakterliche Mängel dargestellt, wie man es in den 60er Jahren in den Medien gesagt bekommen hatte. Einzig die Ehefrau von Gus Grissom (Fred Ward) kommt nicht sehr gut weg. Grissom hatte sich beim Ausstieg aus der Kapsel wohl etwas ungeschickt verhalten, so dass die Kapsel im Meer versank. Dieser peinliche Verlust kostete ihm die Konfettiparade und den obligatorischen Besuch beim Präsidenten. Seine Frau bekommt daraufhin einen hysterischen Anfall, was Veronica Cartwright seit Alien besonders gut spielen kann. Übrigens hatte sie unter Regisseur Phillip Kaufmann in "Die Körperfresser kommen" schon einen kleinen Nervenzusammenbruch spielen dürfen. Ihren ersten Filmschrei gab sie sogar schon als kleines Mädchen in Hitchcocks "Die Vögel" von sich.
Einmal beschwert sich John Glenn zwar bei seinen Kollegen, dass sie zu wenig diskret bei ihren Mädchengeschichten sind, aber diese Szene diente offenbar mehr dazu, den perfekten Gentleman John Glenn zu präsentieren. Der wird im Film nämlich buchstäblich vergöttert. Er setzt sich für seine Kollegen ein oder setzt sich gegen den Vizepräsidenten der USA durch als dieser unbedingt mit John Glenns Frau fotografiert werden will. Ed Harris spielt das wunderbar. Wenn man dann aber berücksichtigt, dass, als der Film in den Kinos lief, der reale John Glenn sich als Präsidentschaftskandidat der Demokraten bewarb, wird man den Eindruck nicht los, dass hier kräftig Wahlkampf betrieben wurde.
Dass der Film es mit dem Patriotismus hin und wieder auch etwas übertreibt, kann man daran sehen, dass dem Zuschauer kein Maß für die wirkliche Position im Wettlauf ins All gegeben wird. Zwei mal kommt der Film nicht darum herum, den Sputnik und den ersten Russen im All zu erwähnen, aber ansonsten hat man das Gefühl, dass am Ende die Amerikaner die Russen eingeholt haben. Es gibt nicht wenige Rezensionen zu dem Film die genau dies so verstanden haben.
Der pathetisch wirkende Satz "Cooper war der Letzte, der allein ins Weltall flog" und "Er war der schnellste Mann der Welt" wirkt so, als ob die Amerikaner die Russen abgehängt hätten. Tatsächlich aber waren die Russen schon längst bei ihren 2-Mann-Kapseln.
|