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Alexander


Der historische Alexander

von Winfried Hagenkötter

Der historische Alexander wurde 356 v.Chr. in Pella der damaligen Hauptstadt von Makedonien, 30 km westlich des heutigen Thessaloniki, geboren. Sein Vater, König Philipp II. von Makedonien war bei Alexanders Geburt nicht zugegen, sondern auf einen seiner vielen Feldzüge unterwegs.
Makedonien war unter Philipp II. zu einer griechischen Großmacht herangewachsen. Eigentlich muss man das in Anführungsstriche stellen, da Makedonien, weit im Norden der griechischen Halbinsel gelegen, aus griechischer Sicht ein kulturelles Entwicklungsland war. Aus heutiger Sicht ist nicht mal ganz klar, ob die typischen Makedonen überhaupt Griechen waren.
Da Philipp fast ständig zu Feldzügen außer Haus war, oblag die Erziehung des kleinen Alexander der (enorm ehrgeizigen) Mutter Olympias. Um eine gute Bildung bemüht, wurden die besten Lehrer der damaligen Zeit an den makedonischen Hof geholt und Alexanders Ausbildung war hart und streng.

Als er in die Jugendjahre kam, nahm sein Vater die weitere Erziehung in die Hand und holte den Schüler des legendären Platons Aristoteles, heute selbst ein weltbekannter Philosoph, an den makedonischen Hof. Durch ihn wurde Alexander zum Wissenschaftler und Forscher. In späteren Jahren, als Alexander mit seinen Heeren über Persien bis nach Indien kam, schickte er Hunderte von Briefen an seinen ehemaligen Lehrer, um ihm über die neuesten Entdeckungen in Flora und Fauna auf dem Laufenden zu halten und das Weltbild, welches Aristoteles gelehrt hatte auf den Kopf zu stellen.

Gerade 16 Jahre alt, wurde Alexander Statthalter seines Vaters in Makedonien, da Philipp zu häufig fern der Heimat war und Angriffe der Griechen aus dem Süden befürchtete, während er im Norden und Osten ein Territorium nach dem anderen unter seine Herrschaft brachte. Als Statthalter konnte Alexander erste praktische Erfahrungen in Sachen Politik und Diplomatie machen. Er empfing eine Delegation vom persischen Hof mit allen gebührenden Ehren und als im Norden der eroberte Stamm der Maider einen Aufstand versuchte, um die makedonische Herrschaft abzuschütteln, warf Alexander ihn nieder und gründete zur Absicherung des Gebietes einen Militärstützpunkt mit Namen Alexandropolis – der erste Ort der seinen Namen tragen sollte.

Philipp II. war inzwischen schwer damit beschäftigt die Oberherrschaft über ganz Griechenland zu erringen. Das ist kein einfaches Vorhaben wenn man sich vorstellt, dass Griechenland aus einer Unzahl von Stadtstaaten, Kleinreichen und Inselfürstentümern besteht. Der eine Teil ist seit geraumer Zeit von Makedonien erobert oder mit ihm verbündet, der andere Teil scharrt sich um die „Groß“-Städte Athen und Theben.
In der Ebene des Flusses Kephisos, 20 km westlich von Theben trafen 338 v.Chr. die verfeindeten Bündnisse aufeinander. Auf beiden Seiten standen je 30.000 Soldaten. Die Makedonen kämpften mit einer für die Griechen ungewohnten Strategie der „schiefen Schlachtordnung“ – und gewannen, nachdem Alexander die „Heilige Schar“ der Thebaner niedergerungen hatte.

In den Friedensverhandlungen konnte Philipp II. erreichen, dass alle Griechen seine Herrschaft akzeptieren, im Gegenzug versprach er begrenzte Autonomie für die verschiedenen Territorien. Weitreichendster Beschluss in diesem „Korinthischen Bund“ war einen Krieg gegen die antike Supermacht Persien vorzubereiten, welches die griechischen Kolonien und Besitzungen an der Küste Kleinasiens besetzt hatte. Doch Philipp II. wurde im Jahre 336 v.Chr. von einem seiner Leibgardisten ermordet, so dass dies Pläne erst mal zurück gestellt wurden.
Alexander wurde als Alexander III. König von Makedonien – nach dem er allen Makedonen Steuerfreiheit versprochen hatte und alle möglichen Rivalen und Möchtegern-Thronräuber im Voraus ermorden ließ. Alexanders Mutter Olymias soll einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die Auswahl der jeweiligen Mordopfer gehabt haben. Die Wirren dauerten ein Jahr und als dann auch noch die Griechen im Süden einen Aufstand wagten, befahl Alexander die völlige Zerstörung der Stadt Theben - nur das Haus des Dichters Pindar ließ er verschonen.

Nach dem Alexander seine Macht gefestigt hatte, begann der Krieg gegen Persien – ohne Kriegserklärung. Die erste siegreiche Schlacht fochten die Makedonen direkt nach dem Übersetzen nach Kleinasien am Fluss Granikos im Mai 334 gegen eilig herbei geholte persische Soldaten und griechische Hilfstruppen aus den ehemaligen griechischen Kolonien an der kleinasiatischen Küste. Die Perser waren zu überrascht als das sie erfolgreichen Widerstand leisten konnten und verloren die Schlacht. Die griechischen Hilfstruppen wurden niedergemetzelt und die Überlebenden als „Veräter“ nach Makedonien in die Silberbergwerke geschickt.

An der Südküste der heutigen Türkei entlang zog Alexanders Heer von 30.000 Soldaten und 5.000 Reitern, unterstützt durch 160 Schiffe auf dem Meer und jede Menge Kriegsmaschinen, um ein Stadt nach der anderen zu belagern und zu erobern. Zurück blieben jeweils eingesetzte griechische Statthalter und Hilfstruppen. Als Alexander während der Winterpause, im Winter wurde nur selten Krieg geführt, ins Landesinnere nach Gordion kam, versuchte er auf recht unorthodoxe Weise eine alte Prophezeiung zu erfüllen. In der Burg stand der alte Königswagen des phrygischen Königs. Die Prophezeiung besagte, dass wer den Knoten der das Joch an der Deichsel festhielt lösen könnte, die Herrschaft über ganz Asien erlangen würde. Alexander zerschlug das kunstvoll geknotete Geflecht einfach mit seinem Schwert...

Im Frühjahr 333 ging die Kampagne gegen Persien weiter. Der persische König Darius III. sah sich genötigt, selbst vor Ort nach den Rechten zu sehen. Er führte rund 100.000 Soldaten ins Feld, um die Bedrohung ein für alle mal zu beenden.
Nachdem sich beide Heere beim ersten Versuch nicht finden konnten, trafen sie nahe Issos aufeinander – leider kann man heute nicht mehr genau sagen, wo den Issos eigentlich lag. Vermutlich irgendwo nahe dem heutigen Adana, an der türkischen Südostküste des Mittelmeeres.
35.000 Makedonen standen 100.000 Persern gegenüber – und die Makedonen gewannen! Der Grund lag angeblich in Alexanders Naturell. Die Makedonen waren schon am Verlieren als es Alexander gelang den Angriff direkt auf die Position von König Darius zu lenken und persönlich in seine Nähe zu gelangen. Aus lauter Furcht vor Alexanders „Heldenmut“ flüchtete Darius III. – und mit ihm seine Leibgarde, seine Berater und Befehlshaber, dann seine Soldaten, Söldner, Hilfstruppen und letztlich das gesamte Heer.

Während Darius III. hinter dem Euphrat ein neues Heer aufstellte, zog Alexander die nächsten zwei Jahre lang die Mittemeerküste entlang nach Süden und in das persisch besetzte Ägypten und eroberte es.
Die Perser hatten inzwischen eine Armee von mindestens 250.000 Soldaten aufgestellt, andere Quellen sprechen von wesentlich mehr. Alexander zog mit seinem Heer von nun mehr 47.000 Mann nach Osten, überquerte den Euphrat und traf bei Gaugamela auf die wartenden und vorbereiteten Perser.
Das persische Heer war so groß, dass Alexander Vorbereitungen gegen eine Einkesselung traf – aber dazu kam es nicht. Durch einige Angriffe nahe des Zentrums eröffneten sich die Makedonen einen Weg durch die persische Linie und Alexander persönlich führte, wie bei Issos, einen Angriffskeil direkt auf den hinter dem Zentrum stehenden Darius zu. Wieder um sein Leben fürchtend, nahm Darius reiß aus und mit ihm seine riesige Armee. Das makedonische Heer rief Alexander zum „König von Asien“ aus.
Die anschließende Eroberung des persischen Kernlandes war kein Problem, die meisten Städte ergaben sich beim herannahen der Makedonen. Nur bei der Stadt Persepolis machte Alexander eine Ausnahme und ließ sie durch seine Soldaten plündern. Danach erklärte Alexander den Krieg für beendet und schickte die verbündeten Truppen des Korinthischen Bundes nach Hause.

Darius III., der wiederum versuchte ein neues Heer aufzustellen, blieb weiterhin erfolglos und wurde im Juli 330 v.Chr. wegen seines Zauderns und wegen der schmählichen Flucht vor den Makedonen von seinem Verwandten Bessos, der vermutlich selber König werden wollte, ermordet. Alexander ließ ihn mit allen Ehren bei den Königsgräbern nahe Persepolis beisetzen.
Der Königsmörder Bessos wurde von den Makedonen aufgespürt und, nach dem man seine Nase und Ohren abgeschnitten hatte, an ein persisches Gericht übergeben, welches ihn verurteilte und hinrichten ließ.

Während dieser Zeit wendete sich das Schicksal gegen Alexander. Sein bester Freund aus Jugendtagen, Parmenion, wurde aus heute unbekannten Gründen von Meuchelmördern ermordet. Und während eines Zechgelages, Alexander wird ein Hang zur Trunksucht nachgesagt, tötete er im Streit seinen Liebhaber Kleitos.

326 v.Chr. begann ein Feldzug in Richtung Indien, denn Alexander wollte gerne das „Ostmeer“ erreichen. Durch kleine Gefechte eroberte er das Pandschab und die Regionen bis zum Indus. Der Feldzug wurde beendet, weil seine Truppen zu murren begannen. Die Makedonen wollten nach Hause. Alexander kehrte nach Persien zurück. Dort entwickelte Alexander weitere hochfliegende Pläne, doch starb er unvermittelt nach kurzer heftiger Krankheit, vermutlich an Malaria, am 10. Juni 323 v.Chr. in der Stadt Babylon. Alexander war keine 33 Jahre alt geworden.