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Finding Nemo |
Kritik
von Mario Rössel
"Just keep swimming, just keep swimming…"
Wenn jemand das Trickfilm-Kino in den letzten Jahren maßgeblich beeinflusst und verändert hat, dann ist das wohl Pixar Animation Studios. Denn mit dieser Firma kamen zum ersten Mal die computeranimierten Trickfilme ins Kino. Nach den Erfolghits "Toy Story", "Das große Krabbeln" und "Die Monster AG" bringt uns Pixar dieses Jahr ein weiteres Abenteuer auf die Leinwand - "Findet Nemo". Und wieder einmal übertrifft sich das Studio selbst.
Regisseur und Drehbuchautor Andrew Stanton ließ viel von seinem Privatleben in diesen Film einfließen. Ein Besuch im Marine-World-Meerespark brachte ihm zum ersten Mal auf die Idee, einen Trickfilm zu entwickeln der unter Wasser spielt und sich um die Fische dreht. Sein Zahnarzt hatte in seiner Kindheit ein Aquarium in seiner Praxis. Doch die eigentliche Idee für die Geschichte in Nemo entwickelte er, als er mit seinem Sohn in einem Park war. Als vielbeschäftigter Familienvater hatte er leider nur sehr wenig Zeit für seinen Sohn und war überglücklich, ein paar Stunden mit ihm zu verbringen. Dennoch ermahnte er ihn ständig, dies und jenes nicht zu tun, so dass er fürchtete, den ganzen Tag zu zerstören. Er verstand, dass Furcht einen guten Vater dazu bringen kann, genau das nicht zu sein.
 | | Fish are friends, not food! | Genauso ergeht es dem Clownfisch Marlin in "Findet Nemo". Durch seine Sorge, durch sein Festhalten an seinem Sohn wird Nemo erst recht trotzig und spielt sich seinen Freunden gegenüber auf. Und genau in diesem Moment wird ihm dies zum Verhängnis. Durch seine Abenteuer auf der Suche nach Nemo lernt Marlin vor allem von Dory, Vertrauen in seine "Mitfische" und vor allem Vertrauen zu seinem Sohn zu haben. Und ist es nicht das, was wir alle von unseren Eltern wollten, als wir Kinder waren?
Betrachtet man die Story von "Findet Nemo", so gibt es eigentlich nichts nennenswert Neues. Was den Film aber auszeichnet, sind seine tollen Figuren und deren Interaktion miteinander. Jede Figur hat seine eigene kleine Macke, die sie liebenswürdig macht. Marlin ist der immerbesorgte Fischvater. Dory leidet an Gedächtnisverlust, ist aber sehr intelligent und jedem aufgeschlossen, so dass sie stets in witzige Situationen gerät. Beim ersten Auftritt von Haifisch Bruce wird einem schon ein wenig Bange. Kurz darauf stellt er sich als liebenswürdiger Zeitgenosse heraus, in dem jedoch noch immer die gefräßige Bestie schlummert. Die Schildkröte Crush nimmt alles totaaaaal lässig, ist megastolz auf seinen Nachwuchs und ist fast das reine Gegenteil von Marlin. Der Pelikan Niels ist wie der nette Nachbar von Nebenan, der immer mal wieder auf einen Schwatz vorbeikommt und dir auch mal aus der Patsche hilft, wenn es darauf ankommt.
Aber auch die Nebenfiguren wie die Seesterndame Bella, die stets meldet, was außerhalb des Aquariums in der Zahnarztpraxis passiert, oder der ewig auf Sauberkeit bedachte kleine Shrimp Jaques kommen nicht zu kurz und stehen hoch in der Gunst der Zuschauer. Durch diese Figuren entstehen abgefahrene Situationen und Dialoge, bei denen kein Auge trocken bleibt.
All diese Figuren wären aber nichts, ohne die richtigen Sprecher, die sie zum Leben erwecken. Und auch hier kann sich "Findet Nemo" sehen oder besser hören lassen. So wurde Ellen DeGeneres die Rolle der Dory direkt auf den Leib geschrieben, denn sie liebt es in ihrer Fernsehshow fünfmal vor Ende eines Satzes ihre Meinung zu ändern. In Deutschland wird der kleine blaue Fisch von Comedy-Queen Anke Engelke gesprochen, und man hätte wohl kaum eine bessere deutsche Stimme finden können. Ebenfalls aus der Comedy-Szene kommt Christian Tramitz, der Marlin seine Stimme leiht. Am stärksten im Gedächtnis bleibt bei der englischen Variante der Haifisch Bruce, der von Barry Humpfhries gesprochen wird und dessen Stimme eindrucksvoll die Wände zum Beben bringt. Leider verliert der gute Haifisch in der deutschen Variante ein wenig. Seine beiden Hai-Gefährten werden von Erkan und Stefan gesprochen. Auch wenn viele jetzt schlucken mögen, die beiden machen ihre Sache wirklich gut und verleihen Hammer und Hart ihre eigene coole Art. Unvergleichlich gut und sympathisch besetzt ist auch Jean Pütz als Lehrer Rochen. Insgesamt kann man die deutsche Synchronisation als wirklich sehr gelungen bezeichnen, auch wenn sie etwas entschärft wurde und an einigen Stellen der Wortwitz verloren geht.
Neben dem Ton gibt es auch kräftig was für die Augen. Pixar hat auch bei diesem Film wieder ganze Arbeit geleistet. Obwohl der Film nie fotorealistisch sein sollte, ist dem Studio eine wunderbare Unterwasserwelt gelungen. Das bedeutete jedoch sehr viel Arbeit für die Macher des Filmes. 12996 einzelne Korallen mussten für die Ausflugsszene mit Herrn Rochen per Hand eingesetzt werden. Bruce hat 202 Zähne, die alle einzeln animiert wurden. Im Fischernetz am Ende des Filmes sind 1000 individuell animierte Fische und Marlin und Dory begegnen insgesamt 74472 Quallen auf ihrer Reise nach Sydney. Dabei sind alle Figuren äußerst realistisch animiert. Einzig allein die Mimik der sprechenden Figuren wurde vermenschlicht. Das Schwierigste für Macher war wohl zu zeigen, dass sich alles unter Wasser abspielt. Dies ist ihnen äußerst gut gelungen und man erkennt deutlich, wann man an der frischen Luft und wann man unter Wasser ist. Die Menschen sehen im Film wieder recht vereinfacht und keineswegs so realistisch wie in "Final Fantasy" aus, aber dies könnte auch Absicht gewesen sein, da die Hauptfiguren Tiere sind.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass man "Findet Nemo" in diesem Jahr auf keinen Fall im Kino verpassen sollte. Nicht umsonst ist er bereits jetzt in den USA der erfolgreichste Film des Jahres 2003 und kann theoretisch nur noch von "Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" geschlagen werden. Wieder einmal wurde die Latte für zukünftige computeranimierte Filme höher gelegt, und "Shrek 2" wird es im nächsten Jahr nicht leicht haben, während Pixar bereits am nächsten Hit werkelt - "The Incredibles".
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