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Filmwelt


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The Corpse Bride


Tim Burton's Corpse Bride

von Susanne Picard

Tim Burton als Regisseur, eine skurrile Geschichte voll schwarzem Humor, Johnny Depp, Christopher Lee und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen und Danny Elfman für die Musik. Ja, alles schon in Charlie & die Schokoladenfabrik dagewesen. Und was gibt es sonst Neues?, mag der geneigte Kinogänger sich fragen und hinter der vorgehaltenen Hand gähnen.

Aber man sollte es sich mit diesem Film nicht so leicht machen. Die Leichenbraut ist ein vergnügliches Puppenspiel geworden, bei weitem nicht so niedlich wie Wallace & Gromit aber mindestens ebenso gut gelungen. Natürlich hat sich Tim Burton keine alltägliche Geschichte rund um beschauliche Gemüsewettbewerbe und idyllische englische Landschaften ausgedacht, sondern greift wieder einmal tief in die Kiste des Makabren - eine Leichenbraut ist diesmal Dreh- und Angelpunkt der Story.
Das Faszinierende an diesem Film ist zweifelsohne die stilisierte Atmosphäre, die dem makabren, düsteren Setting etwas durchaus Spielerisches verleiht. Diese Balance auszunutzen, gelingt Burton mal wieder meisterhaft, wie er das schon in so vielen Filmen unter Beweis stellen konnte.

So ist die Welt der Lebenden hier im Viktorianischen Zeitalter angesiedelt, und ist konsequenterweise die eigentliche Totenwelt, grau und steif und vollkommen freudlos. Dagegen ist die Unterwelt bevölkert mit Skeletten, Ungeziefer und halb verrotteten Leichen, die es sich losgelöst von der langweiligen Oberwelt im Pub bei Wein, Weib und Gesang gutgehen lassen. Burton taucht diese skurrile Unterwelt in buntes Licht, auf einmal strahlt es da, wo vorher nichts als verstaubtes Weinrot und Grauschwarz in allen Schattierungen vorherrschte, in grellem Gelb, giftgrün und blutrot und kobaltblau. Dazu tanzen die Skelette in fröhlichem Jazz herum und benutzen sich selbst völlig pietätlos als Instrumente - übrigens eine Hommage an einen der ersten Animations- Tonfilme der Geschichte: The Skeleton Dance von 1929, in dem die Skelette zu einem wüsten Jazzstück einen wilden Tanz aufführen. Danny Elfman übertrifft sich hier mit seiner Musik wieder einmal selbst. Insofern ist auch nur konsequent, dass Victor eine ganze Weile braucht, um zu erkennen, dass er eigentlich doch viel lieber in der langweiligen Oberwelt wäre als hier unten fröhlich mit der doch sehr charmanten und netten - aber leider toten - Emily weiterzu- ... nun ja - "leben". Angetan von dem lustigen Durcheinander ist er nämlich durchaus, wie es scheint. Aber natürlich endet es nach einigen Verwicklungen sehr hollywoodlike - Happy End vorprogrammiert.

Auch wenn die Geschichte selbst relativ absehbar ist, die angewandte Technik und der daraus resultierende Charme machen das mehr als wett. Zum ersten Mal wurden in einem Puppenfilm keine selbstbeweglichen Einzelteile verwendet, wie das zum Beispiel bei den Mundpartien der Knetfiguren von Wallace & Gromit der Fall war. Dort sparte das Geld, doch hier bei der Leichenbraut wurde reine Mechanik zusammen mit Computerrendering angewendet. So kostete es allein 28 Einzeleinstellungen, die Braut blinzeln zu lassen. Um das Ganze einfacher zu machen, ließ man die Schauspieler den Text vorher einsprechen, um sich bei der Ausrichtung und Abfilmung der Puppen nach ihnen richten zu können. Ein Effekt, den man natürlich erst dann richtig würdigen kann, wenn man den Film im Original gesehen hat - die Synchronisation tut ihr bestes, kann aber natürlich solchen Profis wie Lee, Depp oder Carter nicht wirklich das Wasser reichen; ein Effekt geht da verloren.

Wie dem auch immer sei, dieses Zusammenspiel macht Die Leichenbraut sehenswert - auch wenn Tim Burton wieder einmal auf ein bewährtes Team zurückgreift. Aber vielleicht war dieser Film in dieser Perfektion auch nur mit dem altbewährten Team machbar...