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Ring |
Kritik
von Mario Rössel
Remakes - diesem Wort haftet stets ein fader Beigeschmack an, und das sehr oft mit Recht. Warum sollte man etwas Gutes noch einmal machen und dabei eventuell eine Bruchlandung hinlegen? Weil es manchmal eben doch funktioniert - wie bei diesem Film.
Es stellt sich daher zuerst die Frage nach dem Original. Das eigentliche Original von "The Ring" ist gar kein Film, sondern ein gleichnamiger Roman - besser noch, das erste Buch einer Romanreihe von Kôji Suzuki. Nicht zuletzt durch die Verfilmungen machte sich der Schriftsteller einen Namen und wird nun als Japans Antwort auf Stephen King gehandelt. 1995 wurde "The Ring" zum ersten Mal als "Ring: Kanzen-ban" für das Fernsehen adaptiert - mit riesigem Erfolg. Durch die aufkeimende Ring-Mania beschloss man, den Stoff auf die große Leinwand zu bringen. Hideo Nakata verfilmte den ersten Teil des Buches, wobei er die Story und die Charaktere leicht abänderte. Dieser erschreckend gruselige Film namens "Ringu" wird stets als Original zum amerikanischen Remake gesehen und löste eine ganze Welle von japanischen Horrorfilmen aus. Ein koreanisches Remake ließ nicht lange auf sich warten und selbst bei DreamWorks konnte man nicht widerstehen, die Geschichte zu adaptieren.
"The Ring" ist somit ein Remake von "Ringu" - keine Neuverfilmung des Romans, wie im Vorwort des Romans behauptet wird. Drehbuchautor Ehren Kruger übernahm zunächst alle Änderungen der japanischen Kinoverfilmung. Aus der männlichen Hauptfigur wurde in beiden Filmen eine Frau, aus der anderthalbjährigen Tochter ein Sohn, der bereits zur Schule geht, und aus dem hilfsbereitem aber merkwürdigen Freund der Ex-Ehemann. Auch Hideos erschreckendes Ende, das im Roman in dieser Form nicht existiert, wurde übernommen. Natürlich musste die Geschichte in die westliche Welt verlegt werden, was weitere Änderungen nach sich zog. All diese inhaltlichen Änderungen schaden dem Film jedoch keineswegs, denn die Grundstory und der dahinter liegende Grusel bleiben erhalten, und das nicht zu knapp.
Dabei beginnt der Film ohne Umschweife, keine Einblendung des Filmnamens oder der Schauspieler. Der Zuschauer wird nach dem DreamWorks-Logo, bei dem der Film seine Schatten bereits voraus wirft, direkt in die Handlung befördert. Und in den ersten Minuten glaubt man, einen weiteren Teenie-Horrorstreifen a la "Scream" oder "Düstere Legenden" zu sehen. Doch schnell bekommt man zu spüren, dass man damit vollkommen falsch lag. Noch bevor sich für Katie der Fluch erfüllt, spielt Regisseur Gore Verbinski ("Fluch der Karibik", "The Mexican") mit den Zuschauern ein nervenaufreibendes Spiel. Wer Horror-Filme kennt, der ahnt, wann man gleich erschreckt wird. Dies nutzt Verbinski eiskalt aus. Er lässt beispielsweise Kühlschranktüren öffnen, die die Sicht auf einen langen Flur verdecken. Als sie sich schließen, erwartet man das Schlimmste, doch da ist nichts. Und so kriecht man immer tiefer in den Kinosessel hinein und der Adrenalinspiegel steigt.
Spätestens nachdem man aber selbst die verstörenden Bilder des verfluchten Videos gesehen hat, macht sich auch bei Horror-Fans langsam Unbehagen breit und man möchte ebenso wie Rachel herausfinden, was dahinter steckt, um dem Ganzen den Schrecken zu nehmen. Das Video zeigt nicht nur entscheidende Hinweise auf den Ursprung, sondern auch warum es überhaupt existiert. Verbinski verwendete hierbei zunächst einige Bilder, die ähnlich auch in der japanischen Verfilmung zu finden sind und fügte dann weitere abstrakte Bilder hinzu, die nach seinen eigenen Angaben ihm selbst Angst einjagen. Natürlich begegnet man den Bildern während den Nachforschungen dann in der Realität wieder. Nicht allein das Fluch-Video verbreitet eine bedrückende Stimmung, sondern auch der Rest des Filmes. Alles ist in einem kalten, grau-grünlichen Ton gehalten, fast immer regnet es im Film oder unheilvolle Nebelschwaden ziehen über den Schirm. Der sehr unheimliche Soundtrack tut ein Übriges, um dem Zuschauer einen kalten Schauer über den Nacken zu treiben. Kaum zu glauben, dass Hans Zimmer ("König der Löwen", "Gladiator", "Last Samurai", "King Arthur") hinter dem Score steckt, denn man erkennt ihn nicht gleich nach den ersten Takten.
Verbinski verwendete einige Einstellungen, unter anderem auch Schlüsselszenen, 1:1 aus der japanischen Verfilmung. Nichtsdestotrotz findet "The Ring" dabei aber auch einen eigenen Weg. Das Remake ist schneller, erschreckender und zum Teil auch ekliger als die Originalverfilmung, die den Stoff wesentlich ruhiger und subtiler zeigt. Verbinski war sich auch nicht zu schade, andere Filme des Genres zu zitieren. So erinnert Rachels Blick in die Wohnzimmer der Nachbarschaft natürlich an Hitchcocks "Das Fenster zum Hof", ihre Duschszene und das Ende, als sie Noahs Drehsessel herumdreht an "Psycho". Die verzerrten Fotografien gab es zwar auch in der japanischen Fassung, man kennt sie aber auch aus "Das Omen".
Trotz oder gerade wegen des mysteriösen Inhaltes des Filmes war es wichtig, dass die Macher Schauspieler fanden, die ihre Rollen glaubhaft herüberbringen können. Als Hauptdarstellerin für die Rolle der Rachel engagierte man Naomi Watts, die man gerade in "Mullholland Drive" entdeckt hatte. Sie schafft es sehr gut, Rachel als gute Journalistin und eher mittelmäßige Mutter darzustellen, die entschlossen ist, hinter das Geheimnis zu kommen, wobei ihr die Panik stets im Nacken sitzt. Ihr Sohn Aidan wurde von Daniel Dorfman gespielt, und ein Vergleich zu Haley Joel Osments Rolle in "The Sixth Sense" zwängt sich direkt auf. Beide scheinen Kontakt zu den Toten zu haben und übermitteln Botschaften. Dennoch ist Dorfmans Aidan weitaus düsterer und angsteinflößender.
Neben Aidan gibt es natürlich noch eine zweite Kinderrolle, die weitaus beunruhigender wirken musste, als Aidan selbst. Mit Daveigh Chase fand man scheinbar eine Idealbesetzung für Samara Morgan. Ihr gelingt es hervorragend, Samara sowohl als bemitleidenswertes kleines Mädchen darzustellen, das Opfer ihrer Gabe und Umgebung geworden ist, aber auch als Unheil bringendes Instrument. Dennoch wirkte Samaras Gegenstück Sadako in der japanischen Verfilmung noch ein ganzes Stück unheimlicher, da man nie ihr Gesicht sah. Und in ihrer entscheidenden Szene wirkt Sadako bedrohlicher als Samara, ich sage nur: Diese Hände!
Sehr blass kommt dagegen Rachels Ex-Ehemann Noah daher, gespielt von Martin Henderson. Im Roman dient diese Figur als alles hinterfragender Skeptiker, der sich vor nichts scheut, schon gar nicht vor düsteren Legenden. Sein Motto: Wenn die Welt untergeht, möchte ich in der ersten Reihe sitzen und dabei zusehen. Auch Noah nimmt die Sache nicht wirklich ernst, bis er bemerkt, dass sie eine tatsächliche Bedrohung darstellt. Leider ist Hendersons Darstellung nicht weiter bemerkenswert und schnell hat man sein Gesicht wieder vergessen. Ungleich kürzer dafür beeindruckender ist Brian Cox' ("Troja", "Manhunter") Auftritt als Samaras verbitterter Vater Richard Morgan.
"The Ring" ist damit ein sehr gelungenes Stück Horrorfilm, der zu der Sorte Film gehört, auf die man sich natürlich einlassen muss. Statt auf viel Blut, Gewalt und Schockeffekte setzt der Film ganz auf die inneren Ängste und Zweifel in uns allen und auf die Kraft seiner Bilder und seiner Stimmung. Ist er nun besser als der japanische "Ringu"? Das hängt zum einem vom Geschmack des Zuschauers ab und auch welchen Film man als erstes zu sehen bekommt. Und wem das Ende zu offen ist, der kann beunruhigt sein - das Grauen wird fortgesetzt, in "The Ring 2".
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