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Filmwelt


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Poltergeist


Kritik

von Holger Lodahl

Produzent Steven Spielberg und Regisseur Tobe Hooper befreien in ihrem Film Poltergeister und Untote aus ihren Spukschlössern und Folterkammern und ließen sie in ein komfortables Familienhaus einziehen.

Der Umzug hat sich gelohnt: In Spannungsaufbau und Atmosphäre ist Poltergeist ungewöhnlich spannend und hat auch nach über zwanzig Jahren nicht an Unterhaltungswert verloren.

Wie in einem Spiel beginnt der Spuk ganz langsam, und der Zuschauer ist genau wie die Filmfiguren noch amüsiert über die Vorgänge im Haus. Aber mehr und mehr spielt der Film auch mit Urängsten der Menschen: Wer kennt nicht die Angst der Kinder vor Monstern unter dem Bett? Welches Kind sieht in harmlosen Schatten der Bäume nicht auch lebende Figuren, die mit ihren dünnen Fingern zugrabschen?
Die Spannung steigert sich immer mehr, und schließlich hat der Zuschauer kaum mehr Zeit, in Ruhe Luft zu holen.

Poltergeist ist mehr als ein Gruselfilm. Er schafft es, seine Spannung ohne jegliche Tote und fast ohne Blut zu erzeugen. Die eingesetzten Tricks waren zum Produktionszeit die besten im Filmgeschäft. Sie wirken heute etwas antiquiert, haben aber nichts von seiner Wirkung verloren.

Der Film präsentiert auch Szenen, in denen man unwillkürlich schmunzeln muss:
Wenn der Assistent der Geistesbeschwörerin begeistert von seinem Erlebnis erzählt, bei dem ein kleiner Gegenstand sich langsam über einen Meter bewegte und dann sieht, wie in Carol Anns Kinderzimmer alle Gegenstände aggressiv kreuz und quer durch die Wohnung fliegen, dann ist sein Gesichtsausdruck ein befreiendes Lachen wert.

Wegen dieser Momente nimmt sich der Film auch nicht ganz so ernst und ist auch als Satire auf den American Way of Life zu verstehen. Wurzel des ganzen Spuks ist die Tatsache, dass die Neubausiedlung auf Friedhöfen gebaut wurde, ohne die Toten umzubetten. Diese Gewinnsucht der Kapitalisten wird mit den bösen Angriffen und der Zerstörungswut der Toten bestraft, während gleichzeitig auch dargestellt wird, dass es hinter den sauberen Fassaden der weißen Häuser gewaltig brummen kann.

Dass der Spuk aus dem allgegenwärtigen Fernsehapparat kommt, zeigt auch eine gewisse Medienkritik. Spielberg weist geschickt daraufhin, dass das Fernsehen fast mehr Gewalt und Einfluss auf die Kinder hat als die Mutter.

Deswegen ist Poltergeist auch ein Film über Mutterliebe. Der Film gewinnt seine Spannung durch den Kampf der Mutter Diane um ihr Kind. Sie ist es, die immer wieder den Kampf mit den Geistern aufnimmt und sich durch nichts und gar nichts abhalten lässt, ihre Kinder zu retten. Das Entsetzen über die Ereignisse ist ihr ins Gesicht geschrieben und wecken gleichzeitig Kräfte in ihr, die sie selber kaum geahnt hätte. Es gibt wenig Filme, in denen der Kampf der Mutter um ihr Kind mit so viel Spannung verbunden ist.

Poltergeist ist ein Klassiker des Horrorfilmes und auch beim zweiten oder dritten Ansehen spannend und mitreißend!