Filmkritik
von Susi Feistel
Virgina 1607. Mehrere Schiffe ankern in einer Flussmündung und die Mannschaft geht an Land. Unter Deck eines der Schiffe ist John Smith angekettet – aufrührerische Reden werden ihm vorgeworfen. Doch in der neuen Siedlung, die angelegt werden soll, wird jede Hand gebraucht und so lässt man ihn „auf Bewährung“ frei.
Bald lassen sich die ersten Indianer sehen und zu Beginn lässt sich alles gut an. Doch wie es nun mal spielt – ein Missverständnis und ein Indianer stirbt. John Smith, der einzige ausgebildete Soldat, wird in die Hauptsiedlung der Indianer geschickt, um zu verhandeln. Er wird dort nicht gern gesehen und das einzige, was sein Leben rettet, ist die Fürsprache der schönen Häuptlingstochter …
Nach den Trailern und Bildern zu urteilen, sah „The New World“ wie ein neuer Film á la „1492“ aus. Meilenweit entfernt von sauberen Karl-May-Indianerfilmen, erwartete man eine realistische Darstellung der Pocahontas Geschichte. Was bekommt man? Eine unendlich lang gezogene Dreiecksbeziehung, gespickt mit bedeutungsschwangeren Blicken, nachdenklichen Stimmen aus dem Off, durchbrochen von symbolhaften Landschaftsaufnahmen.
Man kann nicht sagen, dass ich ein Fan von Blutvergießen im Film bin, aber ein wenig mehr Action hätte dem Film nicht geschadet. Rausgerissen hätte es ihn nicht, wohlgemerkt, aber man hätte nicht die letzte Stunde damit zugebracht, sich zu fragen, wann denn endlich Schluss ist.
Colin Farrell, der eigentlich schon seine Fähigkeiten bewiesen hatte, scheint nun nicht mehr als den leidenden Dackelblick im Repertoire zu haben. Christian Bale, einer der viel versprechendsten Schauspieler der letzten Jahre, gibt den netten Resteverwerter – ordentlich aber völlig spannungsfrei. Potentiell zeigt auch die junge Q'Orianka Kilcher. Als Tochter eines Peruaners mit Inka-Blut und einer Schweizerin, hat sie genug indianisches Erbe, um gut in die Rolle zu passen. Man kann nur ahnen was ein besseres Skript und anständige Dialoge aus diesem Film gemacht hätten. Ein Christopher Plummer war jedoch völlig an diesen Film verschwendet.
Irgendwie hat es dieser Film geschafft, jedwedes kritische Thema weiträumig zu umfahren. Nichts zu den Pilgervätern oder der Indianervertreibung. Eine kurze Erwähnung und dann nichts. Dabei hätte gerade das ordentlich Zündstoff gegeben.
Aber man hat sich auf die Beziehungsplänkeleien der drei Hauptfiguren beschränkt. Und selbst da wird es kaum spannend. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass sie ihm am Ende eine Ohrfeige verpasst. Wäre das Mindeste gewesen.
Und dann ist der Film zu Ende – plötzlich und lang ersehnt.
Das Kinogeld für diesen Film sollte man sich sparen. Nicht einmal Landschaftsaufnahmen oder Musik sind es wert diesen Film im Kino zu sehen.
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