Die Filmkritik
von Marco Moroni
„Du hast gekämpft wie ein Löwe.“
„Und du wie der Sohn eines Löwen.“
Ein Film, der mit diesen und anderen ebenso ähnlichen platitüdenhaften Dialogen strotzt, kann man eine gewisse Beschränktheit einfach nicht absprechen. Das fast anrührend misslungene Machwerk will als Heldenepos durchgehen, schafft es aber über weite Strecken noch nicht mal, sich selbst oder besser gesagt der gleichnamigen Buchvorlage von Valerio Massimo Manfredi gerecht zu werden. Manfredi's „Die letzte Legion“ ist ein zwar historisch nicht immer korrekter, aber dafür ein spannender und mit viel Liebe zum Detail geschriebenes Abenteuer-Epos. Die im Roman enthaltene klassische Heldenerzählung verbunden mit den üblichen Motiven einer Quest ist durch eine fast logischen Konsequenz in unserer Historie verankert und schafft es mit seinem zwar unrealistischen, aber dafür recht originellen Ende einen lukrativen Brückenschlag zu der uns altbekannten Artus-Legende um den gleichnamigen englischen König, dessen übermenschliche Kräfte verleihendes Schwert Excalibur und natürlich zu Merlin, dem greisen Zauberer, ohne den es vielleicht niemals einen Gandalf gegeben hätte. Die Fantasy-Elemente und das übliche Geplänkel Gut gegen Böse, wird von Manfredi spannend beschrieben und durch die clevere Idee das Ganze innerhalb unserer Zeitrechnung anzusiedeln, ist „Die letzte Legion“ ein famoses Buch voll mit klassisch angehauchten Helden, edlen Damen, maskierten Finsterlingen, Verrat und Liebe. An sich ein guter Stoff, der eine gute Verfilmung abgeben könnte. Die Betonung liegt hierbei auf 'könnte'...
Das was Regisseur Doug Lefler („Dragonheart 2“) zusammen mit der Laurentiis-Dynastie unter der Führung des legendären italienischen Starproduzenten Dino De Laurentiis („Conan, der Barbar“) dem Publikum vorsetzt, hat eigentlich so gut wie gar nichts mit dem Buch gemeinsam. Was dem Zuschauer als „Die letzte Legion“ vorgestellt wird, ist nichts weiter als ein müdes Abziehbild von ähnlich gelagerten Historienfilmen wie z.B. „Gladiator“ oder „300“. Wenn eine Gruppe über schneeverwehte Berglandschaften pilgert erinnert man sich zuweilen daran, wie herrlich es war „Herr der Ringe“ im Kino geschaut zu haben. Doch was bei Gandalf und Konsorten ganz gut klappt und zuweilen schon in ähnlich gelagerten Filmen mit dem Prädikat Fantasy wieder verwendet wurde, wirkt bei den 'Legionären' irgendwie deplatziert. Überhaupt bekommt man im Laufe von „Die letzte Legion“ das Gefühl, das Dino De Laurentiis an den Erfolg von „Gladiator“ & Co. anknüpfen will, und dementsprechend exzessiv wird sich aus eben jenen Filmen bedient. Selbst die Szenen in Rom sehen so aus, als ob sie aus der US-TV-Serie „Rome“ zusammengeklaut wurden.
Dramaturgisch ist der Film auch eine absolute Niete. Während das Buch mit detailgetreuen Beschreibungen zu den jeweiligen Szenarien aufwarten kann und die damit verbundenen Schicksale der einzelnen Charaktere wunderbar beschreibt, bleibt im Film weder Zeit für das Eine noch für das Andere. Das Ganze wirkt auf eine seltsame Weise distanziert und unterkühlt. Die Figuren sind einem im Laufe des Films so ziemlich egal und bieten durch ihre pathetischen Ambivalenzen nur selten Möglichkeit zur Identifikation. Während beispielsweise Aurelius, der Hauptcharakter, im Buch noch als gebrochner Krieger daherkommt, ist die Darstellung von Colin Firth („Bridget Jones“) ein inspirationsloser Held, den man schon aus hundert anderen Filmen kennt... und dementsprechend oft wird auch gegähnt. Auch die im Buch beschriebene mysteriöse Vergangenheit des Helden wird im Film ganz weggelassen. Vielleicht hätte gerade dieser Umstand den Charakter mehr Dreidimensionalität verliehen und ihn gegebenenfalls mit mehr Tiefe ausgestattet. Was übrig bleibt, ist nur ein blasser Verschnitt und eine noch blassere schauspielerische Leistung von Colin Firth, die dem geneigten Zuschauer eher einen Schauer über den Rücken jagt, als das er mit Begeisterung dem Helden 'zujubelt'.
Leider ist diese Sachlage auch bei den anderen Protagonisten bzw. Antagonisten und deren Darstellern zu erkennen. Keiner wird den im Buch beschriebenen Charakteren nur ansatzweise gerecht und auch die schauspielerischen Leistungen sind irgendwo im unterirdischen Bereich angesiedelt. Selbst der große Ben Kingsley bleibt in seiner Rolle als Ambrosinus ungewohnt farblos und ist um Lichtjahre von seinem gewohnt akzentuierten Darstellungen entfernt. Man fragt sich unweigerlich, warum Sir Ben in den letzten Jahren eine eher verderbliche Rollenauswahl trifft. Sein Auftreten in „Die letzte Legion“ ist genauso fragwürdig, wie auch sein Mitwirken an B-Movies wie „A Sound of Thunder“ oder Uwe Boll's „BloodRayne“. Der gute Mann lässt in den letzten Jahren jedenfalls sowohl schauspielerisch als auch bei seiner Rollenauswahl erheblich nach.
Die Bollywood-Schönheit Aishwarya Rai weiß ebenso wenig Akzente zu setzen. In ihrer Rolle als byzantinische Kämpferin Mira macht sie neben einigen unglaubwürdigen Zweikampfeinlagen einmal mehr das, was sie am besten kann – unglaublich gut aussehen. Zu mehr reicht es auch nicht.
Einzig Kevin McKidd (als Wulfila) und Peter Mullan (als Odoaker) wissen in gewissen Momenten zu überzeugen. Zwar sind die Antagonisten ebenso klischeehaft angelegt wie es auch bei den Protagonisten der Fall ist, aber durch eine eine recht pointierte Darstellung ihrer Rollen bleiben sie dem Zuschauer am ehesten in Erinnerung. Bedenklich hierbei ist nur, das der Film (ebenso das Buch) eine bedenkliche Schwarz-Weiß-Malerei betreiben. Die Römer sind alles edle Recken, während die German als bösartige und ohne jegliche Moral ausgestattete Tyrannen vorstellig werden. Das diese Darstellungsform nur bedingt der damaligen Realität entspricht, dürfte auch jenen bekannt sein, die nicht als Geschichtsstudenten durchgehen.
Zu den übrigen Darstellern gibt es eigentlich nicht viel nennenswertes zu berichten. Der von Thomas Sangster geschauspielerte junge Kaiser Romulus ist, wie so häufig bei kindlichen Mimen, eine farblose und austauschbare Schablone. Hinzu kommt, das der Darsteller durch die kindlich-naiven Dialogzeilen und der aufgesetzt wirkenden Heldenmaskerade im Laufe des Films zum Störfaktor Nummer 1 wird. Der geneigte Zuschauer wird sicher das ein oder andere Stoßgebet in den Himmel geschickt haben... mit der bitte, das doch endlich jemand diesen Möchtegernkaiser aus dem Weg räumen würde. Leider passiert das natürlich nicht...
Die restlichen Rollen sind natürlich nur Füllwerk und ziehen dementsprechend im chronologischen Verlauf der Ereignisse von dannen. Spätestens bei der finalen Entscheidungsschlacht kann man sich von den vermeintlichen Erfüllungsgehilfen verabschieden und sich auf das burleske Ende einstellen.
Am Ende von „Die letzte Legion“ stellt sich Ambrosinus als Merlin heraus, der das Schwertes Caesars hütet und nun einem neuen Knaben als Lehrer dient: Artus. Angelehnt an die Sage um Excalibur wird hier eine weit hergeholte Version von Romulus als Uther Pendragon und Artus als dessen Sohn angeboten. Was im Buch noch einigermaßen funktioniert, wird im Film zu einem theatralischen Nonsens. Spätestens mit dieser überraschungsarmen Auflösung wird dem Zuschauer bewusst, das er sich gerade maßgeblich im Film geirrt hat. Versprochen wurde ein furioses Abenteuerspektakel mit römischen Legionären, Horden kraftstrotzender Barbaren, maskierten Finsterlingen und dazu noch ein Wunderschwert. Was übrig bleibt, sind gestelzte Dialoge, lustlose Darstellerleistungen und mittelmäßige Action: Das Möchtegern-Epos ist ein Film den man (zu Recht) schnell vergisst. Und die abstruse „King Arthur“-Anbindung am Ende gibt ihm den Rest.
Fazit:
Auf altmodisch getrimmter Sandalenfilm mit unausgegorenen Fantasy-Elementen, mangelhafter Besetzung und spärlich gesäten Action-Highlights. Da lohnt sich die „Gladiator“-DVD schon eher...
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