Kritik
von Thuy Thi Dang
In "From Dusk Till Dawn" werden mehrere Genres miteinander verbunden.
Zunächst beginnt der Film als Actionthriller. Die beiden Brüder sind in einer Schießerei in einem Laden zu sehen, wobei Richards eine Hand durchschossen wird. In einem Zimmer haben sie eine dicke Frau als Geisel genommen. Als Seth kurz weggeht, um Essen zu besorgen, hat sich Richard um die Frau gekümmert. Er hat sie brutal abgeschlachtet. Dies wird nicht gezeigt, sondern man sieht die Leiche und den Raum nur in kurzen Bildern aufflackern, während man Seths geschocktes Gesicht betrachtet. Dies wurde wohl vor allem gemacht, um die Zensur zu umgehen, ist aber dafür ein gelungenes Stilmittel. Zum einen sieht man dadurch Seths Betroffenheit deutlich, dass er zwar ein harter Kerl und ein Schurke ist und auch Menschen tötet, aber eindeutig eine Grenze kennt. Zum anderen sieht man, dass Richard diese eindeutig überschritten hat. Durch diese Szene wird klar gemacht, dass Richard ein Psychopath ist, der es mag, Frauen zu misshandeln und auf grausame Weise zu töten.
Seth liebt seinen Bruder, aber er versucht auch, andere vor ihm zu schützen. Dies merkt man, als sie auf die Familie Fuller treffen. Richard findet gleich gefallen an Kate. Seth passt auf, dass sie nicht alleine sind oder er ihr zu nahe kommen kann. Der erste Teil des Films handelt davon, wie sie nach Mexiko zum "Titty Twister" kommen. Sehr viel Angst und Spannung ist dabei, aber es ist noch ein ganz normaler Thriller.
In der Kneipe ändert sich alles, als die Vampire auftauchen bzw. sich herausstellt, dass viele Anwesende Vampire sind. Ab hier verwandelt sich der Film in einen Fantasy-Splatter-Film. Richard fällt gleich zu Beginn der sexy Tänzerin zum Opfer. Seth und Familie Fuller müssen sich gegen die vielen Vampire wehren. Mit einigen anderen bilden sie eine kleine Gruppe, die um ihr Überleben kämpfen muss.
Dabei kann ihnen Pfarrer Jacob Fuller eine große Hilfe sein, denn er kann durch einen Segen z.B. aus normalem Wasser wirksames Weihwasser machen. Aber er hat seinen Glauben an Gott verloren, nachdem seine Frau durch einen Unfall starb. Durch ein Gespräch mit Seth lässt er sich überzeugen, dass er seinen Glauben nicht ganz verloren hat. Also rüsten sich alle zum letzten Kampf gegen die Vampire.
Der Anfang des Films war, was Brutalität und Blut anging, schon nicht zimperlich, aber in der zweiten Hälfte spritzt das Blut nur so aus den Körpern. Das Blut der Vampire ist zwar grün, dafür umso mehr zu sehen. Für einige Zuschauer kann dieser Umschwung im Film sehr unangenehm sein, da nicht jeder unbedingt ein Splatter-Fan ist. Man darf aber nicht vergessen, dass der Film neben all der Gewalt auch eine Komödie ist. Auch wenn der Humor recht schwarz ist.
Den Film kann man gar nicht richtig genießen, geschweige denn verstehen, wenn man nicht schon die früheren Filme von Drehbuchautor Tarantino und Regisseur Rodriguez gesehen hat. Der Film ähnelt in dem Humor Tarantinos Meisterwerk "Pulp Fiction", der sich vor allem durch die interessanten und witzigen Dialoge auszeichnete. Davon hat "From Dusk Till Dawn" auch einiges zu bieten, obwohl durch den Kampf mit den Vampiren die Action eindeutig in den Vordergrund tritt.
Zudem konnte Regisseur Rodriguez eindeutig Einflüsse aus seinen früheren Filmen "El Mariachi" und "Desperado" vorweisen. Dies zeigt sich nicht nur dadurch, dass eine Handvoll Schauspieler und Charaktere aus "Desperado" mit dabei sind, sondern auch die Actionszenen erinnern teilweise an "Desperado".
Neben einem guten Drehbuch und einer guten Regie glänzt der Film auch durch besonders gute Schauspieler.
Allen voran steht George Clooney. Er ist eigentlich ein Verbrecher. Aber zugleich ist er auch der Held des Films, der das Mädchen bis zum Ende beschützt. Er sieht umwerfend aus in dem schwarzen Anzug, den er und Tarantino die ganze Zeit tragen. Er hat ein großes Tattoo auf Schulter und Nacken, wodurch er noch gefährlicher wirkt. Clooney spielt seine Rolle gut und glaubhaft bis zuletzt.
Tarantino hat schon in einigen seiner früheren Filme kleine Rollen übernommen, aber hier ist er einfach großartig. Ein gutes Zeichen dafür ist, dass man ihm den gewalttätigen Psychopathen ohne weiteres abnimmt. Er spielt den etwas beschränkten, aber - vielleicht auch deswegen - äußerst gefährlichen Bruder von Clooney sehr gut. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Chemie zwischen ihm und Clooney stimmte. Zunächst war vorgesehen, dass er auch Regie führen sollte, aber er hat sich dann doch entschieden, die Zeit zu nutzen, um sich auf seine Rolle zu konzentrieren. Dies hat wunderbar funktioniert.
Nicht zu vergessen sind die hervorragenden Schauspieler Harvey Keitel und Juliette Lewis. Als I-Tüpfelchen kann man hier Salma Hayek als erotische Tänzerin und Vampirlady bewundern, die Tarantino an ihrem Fuß nuckeln lässt. Mit ersten Schritten bewegte sie sich damals Richtung Hollywood, unterstreicht aber auch in diesem Film wieder ihr Image als sexy Latina.
Alles in allem ist "From Dusk Till Dawn" ein unterhaltsamer Film, der wie die meisten Tarantino-Filme mit guter Story, einer Menge Gewalt und Humor zu unterhalten weiß.
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